Die Religion des Veda c8.s6.79
Die Religion des Veda c8.s6.79
- Language
- German
c8.s6.79
Der Name des Hotar, der den Vollzieher des Opfergusses bezeichnet ¹), scheint auf ein Zeitalter zurückzuweisen, in dem es demselben Priester oblag, das Lob des Gottes, die Einladung an den Gott vorzutragen und die Spende auszugießen. Bei kleineren Darbringungen erhielt sich diese Einheit der priesterlichen Funktion; für größere ²) trat die erwähnte, schon für die indoiranische Zeit zu statuierende Scheidung des Redners und des eigentlich Handelnden ein, so daß es der Redner war, der — nicht im Einklang mit der etymologischen Bedeutung des Wortes — den alten Namen des einen redend-handelnden Priesters überkam. Ihm lag es vor allem ob, in den einzelnen Hauptstadien des Somaopfers das Gedicht vorzutragen, das Taten, Macht, Herrlichkeit des jedesmal verehrten Gottes feierte, ihn zum Trank einlud, ihm die Wünsche des Opferers anbefahl — Gedichte (*uktha*), mit denen schon in der Zeit des Ṛgveda der Vortrag des „Rausches“ (*mada*) verbunden wurde ¹), prosaischer, hier und da wohl abgerissene Versfragmente enthaltender Anrufungen, die den Gott unter Aufzählung seiner Ehrentitel einluden, sich am Soma zu berauschen ²). — Das jüngere Ritual läßt häufig den Hotar die Spende mit zwei Einzelversen begleiten; der typische Inhalt des ersten (*puronuvākyā*) ist die Einladung an den Gott herbeizukommen, des zweiten (*yājyā*), vom Opfer zu genießen. Es scheint, daß von diesen beiden Versen der zweite sich zuerst gebildet hat. Denn Serien solcher Verse, die für gewisse feste Reihen von Spenden bestimmt sind, gehören zum charakteristischen Bestand schon der ṛgvedischen Opferpoesie ³). Zugehörige erste Verse fehlen dabei; ihr Typus scheint im Ṛgveda erst in wenigen Anfängen vorzuliegen¹). — Es bedarf kaum der Erwähnung, daß außer den erwähnten Rezitationen dem Hotar auch andere nebensächlichere zufielen: so beim Somaopfer vor allem die große Frühlitanei an die Morgengottheiten und viele kürzere die einzelnen Phasen der Handlung begleitende Vorträge²). Dichter dieser mannigfachen Litaneien werden natürlich vor allen anderen eben die Priester gewesen sein, die sie auch vortrugen; und so ist wohl kein Zweifel, daß wir uns die Ṛṣis der ṛgvedischen Poesie in erster Linie als Hotarpriester oder als durch die Anlässe, bei denen sie als Hotarpriester fungierten, zu ihren Schöpfungen angeregt zu denken haben: Kein Zweifel auch, daß der Priester, der so das kunstgerechte, wirkungsvolle Wort an den Gott zu ersinnen oder doch auszusprechen hatte, für das Bewußtsein der alten Zeit der vornehmste Opferpriester war: wie wäre sonst unter allen Priestern eben der Hotar ausersehen worden, für Agni, den priesterlichen Gott, das menschliche Gegenbild abzugeben?