Die Religion des Veda c8.s7.10.1
Die Religion des Veda c8.s7.10.1
- Language
- German
c8.s7.10.1
Der Ṛgveda scheint bis auf eine oder zwei ganz zweifelhafte Stellen³) die Dīkṣā nicht zu erwähnen; das Interesse der Dichter galt eben dem Preis der Götter, nicht den Zaubergebräuchen, die sich mehr auf den Menschen als auf die Götter und vollends auf irgend einen bestimmten Gott richteten. Ein solcher sehr altem Typus zugehöriger Zauberbrauch aber ist die Dīkṣā offenbar. Sie ist zu den bei den verschiedensten Naturvölkern übereinstimmend auftretenden Riten zu stellen, welche Herbeiführung des Verkehrs mit Göttern oder Geistern durch Erregung ekstatischer Zustände bezwecken. Stehende Mittel hierbei sind beschauliches Verweilen an einsamem Ort, Sichabschließen und Sichverstecken vor störenden Geistern, mancherlei Selbstpeinigung, sodann Schwitzbäder in heißen Dämpfen und vor allem Fasten — „der fortwährend gefüllte Magen kann keine geheimen Dinge sehen“, sagen die Zulus¹). Fasten²) und Erschöpfung nun sind, wie schon berührt wurde, Hauptelemente der Dīkṣā. Bei zu weit getriebener Dīkṣā, heißt es¹), schwinden die Atemkräfte. „Es wird gelehrt: wenn der Dīkṣā-Geweihte mager wird, dann wird er opferrein. Wenn nichts mehr in ihm ist, dann wird er opferrein. Wenn Haut und Knochen aneinanderhängen, dann wird er opferrein. Wenn das Schwarze in seinen Augen schwindet, dann wird er opferrein. Fett unternimmt er die Dīkṣā, mager opfert er“ (Āpastamba Śr. X, 14, 9. 10).