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Die Religion des Veda c8.s7.38

Die Religion des Veda c8.s7.38

Language
German

c8.s7.38

Ist Reinigung von Schuld und Sünde wirklich der ursprüngliche Sinn, ist Varuṇa der Befreier von Anfang an Gott des Opferbades? Man sieht, daß diese Beziehungen, auch wenn sie dem eigentlichen Wesen des Ritus fernlagen, doch besonders leicht von den das Opfer deutenden und mit ihren eigenen Erfindungen ausschmückenden Theologen hineingetragen werden konnten. Das Wasser legte es nah, den Herrn der Wasser, Varuṇa, mit Spenden und Verehrung zu bedenken. Waschungen waren als Beseitigung von Unreinheit und Schuld geläufig, und Varuṇa war ja eben der Befreier von Schuld. So konnten sich bei der Ausgestaltung des Opferbadritus diese Züge von selbst zusammenfügen. Das ursprüngliche Wesen der Zeremonie aber ist offenbar in anderer Richtung zu suchen. Es ist eine weitverbreitete Vorstellung, daß der Mensch die Spuren des Verkehrs mit den übernatürlichen Mächten, die als heilig-gefährliches Fluidum an ihm und seinen Besitzstücken haften, nicht ins Alltagsleben hinübernehmen darf¹). Eröffnet war jener Verkehr bei der Dīkṣā; hier wird er abgeschlossen. Die rituellen Kleidungsstücke und Utensilien, mit denen sich Mann und Frau bei der Dīkṣā versehen hatten, werden abgelegt. Aber zur vollkommenen Beseitigung des bedenklichen Fluidums gehört ein Bad. Ein Brāhmaṇatext (Maitr. S. III, 6, 2) sagt geradezu: „Wenn er zum Opferbad ins Wasser hinabsteigt, trägt er die Dīkṣā wieder ins Wasser hinein“, und unter den Sprüchen begegnet eine Wendung, die diesen ursprünglichen Sinn der Handlung durchaus trifft: „Die reinen Gewässer, die lösenden, die Löserinnen von Dīkṣā und Tapas“ (Āpastamba Śr. XIII, 21, 3). Die hier ausgesprochene, durch die Riten selbst klar bestätigte Entsprechung von Dīkṣā und Opferbad läßt in der Tat keinen Zweifel übrig, daß nach dem ursprünglichen Sinn es nicht Sünde und Unreinheit, sondern die anhaftenden Spuren übernatürlicher Potenzen waren, von denen das Bad lösen sollte²).

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