Die Religion des Veda c8.s8.102
Die Religion des Veda c8.s8.102
- Language
- German
c8.s8.102
Endlich liegt die Vermutung nahe, daß die Vermeidung eines Kraft- oder Substanzverlustes, wie beim Verbot von Baden und Scheren, so ebenfalls beim Verbot geschlechtlichen Umgangs, wenn auch hier wohl nicht als einziges Motiv, mit im Spiel ist. Wenn vorgeschrieben wird, das Opferroß von Gewässern, die zum Baden geeignet sind, sowie von Stuten fernzuhalten²), drängt sich die Parallelität beider Regeln untereinander und mit denen, die dem Menschen bei bestimmten Gelegenheiten Enthaltung vom Baden und vom Geschlechtsverkehr vorschreiben, von selbst auf. Ein Brāhmaṇatext, der für eine vom Opferroß vollzogene Begattung eine Sühnspende vorschreibt, erklärt die Wirkung dieser Spende dahin, daß der Opferer vermittels ihrer „durch Samen Samen in das Roß setzt“³). Der begangene Fehler liegt also darin, daß von der geweihten Substanz etwas verloren gegangen ist. Ebenso erscheint in den Sprüchen für den mit der Dīkṣā Geweihten und den Brahmanenschüler, der einen Samenverlust erlitten hat, für den Mann, der zu einem von ihm nicht zu berührenden Weibe gegangen ist usw., durchweg die Vorstellung von dem erlittenen und wieder zu ersetzenden Kraftverlust⁴).