Die Religion des Veda c8.s8.50
Die Religion des Veda c8.s8.50
- Language
- German
c8.s8.50
Zum Lehrpensum des Sāmaveda gehörte ein Gesang, das Śakvarīlied, in dem man den Vajra, Indras Waffe und das Symbol seiner allbezwingenden Macht, verkörpert fand, und von dem schon der Ṛgveda sagt, daß durch ihn mit großem Getöse die Vasiṣṭhas Indra Kraft eingeflößt haben²): einer der Texte, deren Studium wegen ihrer heiligen Furchtbarkeit aus dem Dorf in den Wald verwiesen war. Dem Schüler, der diesen Gesang lernen wollte, waren für zwölf oder neun, sechs, drei Jahre — nach einigen auch nur für ein Jahr — Observanzen vorgeschrieben, unter denen sich die folgenden finden³): dreimal des Tages hat er „Wasser zu berühren“; er hat schwarze Kleider zu tragen und schwarze Nahrung zu genießen; wenn es regnet, muß er sich setzen, aber nicht unter ein Dach gehen; er muß zum regnenden Himmel sagen: „Wasser ist das Śakvarīlied“; wenn es blitzt: „So sieht das Śakvarīlied aus“; wenn es donnert: „Die Große (d. h. die Wolke?) macht großen Lärm“. Fließende Gewässer darf er nicht überschreiten ohne „Wasser zu berühren“; ein Schiff darf er nur im Fall der Lebensgefahr und unter Wasserberührung besteigen, „denn, sagt man, im Wasser ruht des Śakvarīliedes Trefflichkeit“. Wenn endlich der Schüler „den Gesang selbst singen lernen soll, wird ein Gefäß mit Wasser aufgestellt, in das Kräuter aller Art getan sind; darein muß er die Hände tauchen“. „Wer also wandelt“, wird von diesen Observanzen gesagt, „nach dessen Wunsch sendet Parjanya Regen“. Es ist deutlich, wie alle Regeln darauf hinzielen, den Brahmanen mit Wasser in Verbindung zu bringen, ihn gleichsam zum Verbündeten der Wassermächte zu machen, ihre Feindschaft gegen ihn zu verhüten. Auch die schwarzen Kleider und schwarzen Speisen haben diesen Sinn. Sie deuten auf die Regenwolken; man erinnere sich der Verwendung eines schwarzen Opfertiers zur Erlangung von Regen — „es ist schwarz, denn dies ist das Wesen des Regens“; bei Gelegenheit eines anderen Regenzaubers heißt es ausdrücklich: „Er legt ein schwarzes, schwarz eingefaßtes Gewand um, denn dies ist das Wesen des Regens“ ¹). So darf angenommen werden, daß sich hier, in die Vorstellungskreise und Ordnungen des vedischen Schulunterrichts eingefügt, alte Zaubergebräuche erhalten haben, die den Regenzauberer zu seiner Würde vorbereiteten und weihten. Vielleicht gehört es in denselben Zusammenhang, wenn unter den Observanzen, welche dem durch die Lehrzeit hindurchgegangenen Brahmanen (Snātaka) oblagen, auch die Regel erscheint, im Regen unbedeckt zu gehen ²) und nicht zu laufen ³): er durfte sich, scheint es, als ein Mann, der auf den Regen Einfluß zu üben beanspruchte, der Berührung mit diesem nicht in ängstlicher Hast entziehen ⁴).