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Die Religion des Veda c8.s8.88

Die Religion des Veda c8.s8.88

Language
German

c8.s8.88

Ist eine Person gänzlich von einem heilbringenden Fluidum erfüllt, so wird dieses als durch den gesamten Körper mit Einschluß von Haar und Nägeln verbreitet gedacht. So heißt es von dem, der die Vedentexte für sich selbst in voller Kenntnis der mystischen Bedeutung dieses Akts vorträgt, daß er, mag er auch gesalbt und geschmückt auf bequemem Lager ruhen, sich doch „bis zu den Nagelspitzen mit Tapas (Askese) erfüllt“¹. Die Neuvermählte wird am vierten Tag nach der Hochzeit, vor der ersten ehelichen Beiwohnung, mit Wasser, in das die Überreste unheilvertreibender Opferspenden getan sind, „samt Haaren und Nägeln gesalbt“². Schon oben begegneten wir einem Vers, der das Tapas wie im Schmutz des Asketen und im Fell, das er trägt, so auch in seinem Bart verkörpert zeigt³: bis in den Bart hinein ist er vom Zauberfluidum durchdrungen. Die Konsequenz ist natürlich, daß man, solange es darauf ankommt, sich die betreffende Kraft zu erhalten, von dem mit ihr gesättigten Haar und Bart nichts aufgeben darf; wobei vielleicht auch das Bedenken dagegen mitspielt, daß abgeschnittenes Haar das gefährliche Fluidum an unrechte Stellen übertragen, auch Feinden eine Handhabe zur Schädigung des Geweihten bieten würde. So bezeugt der eben erwähnte Vers, daß der Asket seinen Bart wachsen läßt. Für die oben (S. 424) besprochene einjährige Observanz beim Bartscheren des Jünglings gilt das Verbot wie des Badens so auch des Scherens⁴. Auf die königliche Weihe folgt eine einjährige Observanz, während welcher der Geweihte sich wohl abreiben aber nicht baden, sich das Haar wohl verkürzen aber nicht scheren lassen darf¹). Über den Grund spricht ein Brāhmaṇatext²) sich deutlich aus: „Das ist die gesammelte Kraft und der Saft der Wasser, womit sie ihn (bei der Königsweihe) begießen: die erreicht, wenn er begossen wird, zuerst sein Haar. Wollte er sein Haar scheren, würde er diese Herrlichkeit das Ziel verfehlen und verschwinden lassen: deshalb schert er sein Haar nicht. Ein Jahr lang schert er es nicht, denn jährig ist die Dauer der Observanz.“