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Die Religion des Veda c8.s9.12

Die Religion des Veda c8.s9.12

Language
German

c8.s9.12

Das rituell fixierte Gebet — oder etwas, das dem Gebet ähnlich ist — konnte auch die Gestalt des bloßen Gedankens annehmen. Beim liturgischen Vortrag des Verses, in dem das Wort „reich an starken Söhnen“ vorkommt, soll der Priester an einen starken Sohn denken, falls die Gattin des Opferers sich einen solchen wünscht; in einer analogen Verbindung soll er an Leibesfrucht denken, wenn die Gattin des Opferers danach Verlangen hat; schickt er sich an auf die Somaschößlinge mit dem Preßstein zu schlagen, soll er an seinen Feind denken, um die Schläge auf den zu richten; an einer bestimmten anderen Stelle des Rituals soll der Opferer denken: „Agni, Vayu, Blitz, Mond! Möge ich Gemeinschaft mit euch erlangen“ — oder was er sich sonst wünscht²). Die Auffassung eines solchen rituell vorgeschriebenen Gedankens als Gebet in unserem Sinn des Wortes ist übrigens wohl ungenau. Es handelt sich, wie es scheint, nicht sowohl darum, den Göttern als Kennern der menschlichen Gedanken einen Wunsch nahezubringen, sondern vielmehr darum, einer mit Zauberwirkungen ausgestatteten Prozedur durch die magische Kraft des eigenen Denkens eine bestimmte Richtung mitzuteilen, eine bestimmte Wirkung zu verleihen.