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Die Religion des Veda c8.s9.20

Die Religion des Veda c8.s9.20

Language
German

c8.s9.20

In der zuletzt berührten Beziehung stehen jene insonderheit dem Somaopfer zugehörigen, teils für die Rezitation, teils für den Gesang bestimmten poetischen Gebete der ältesten Zeit, welche die Sammlung des Ṛgveda und damit die Hauptmasse der vedischen Gebete bilden, mit den eben mitgeteilten prosaischen durchaus auf einer Linie. Sie haben es aber neben, ja vor dem Namhaftmachen der menschlichen Wünsche in erster Linie mit dem Preis des Gottes zu tun; seine Größe und Macht, sein geheimnisreiches Wesen, seine Taten verherrlichen sie: ich habe den in diesen Lobpreisungen herrschenden Ton schon früher (S. 3 f.) charakterisiert. Die Bitte um die Gaben, die man von dem durch solches Lob befriedigten Gott erhofft, pflegt sich an jenes kurz anzuschließen²). „Wir haben Wünsche, Herr der falben Rosse,“ sagt man zu Indra, „du bist der Geber; hier sind wir; da sind unsere Gebete." Und Indra selbst spricht zu den Frommen: „Den Soma pressend fordert Güter von mir" ¹). Von diesen Gütern ist meist in ziemlich allgemeinen Ausdrücken die Rede, wie das der wenig individuellen Weise jener liturgischen Poesie entspricht. Man bittet um Gaben, um Schätze, um Segen, um Schutz und Sieg über alle Anfechtungen. Wird die Sprache des Betenden bestimmter, so pflegt von langem Leben und kräftigen Nachkommen die Rede zu sein, von Rindern und Rossen, Wagen und Gold und auch davon, daß es den Feinden, Geizigen, Brahmanenhassern übel gehe, daß der Gott ihre Habe wegnehmen und sie den Frommen zuteilen möge. Nur selten wird um solche Güter wie rechtes Denken oder darum gebetet, daß man nicht tun möge was die Götter strafen; in der Atmosphäre befriedigten Wohlergehens, die hier herrscht, treten die Bitten um Versöhnung mit dem erzürnten Gott, um Befreiung von den Fesseln der Schuld ²) weit hinter dem Gebet der Reichen und Glücklichen um Macht und Sieg zurück. Man unterstützt seine Bitten durch die Erinnerung an den eigenen Eifer, an die alte Freundschaft mit dem Gott und an dessen frühere Wohltaten — mehr um solche Erinnerung handelt es sich, als um eigentlichen Dank —; man gibt dem Gott zu verstehen, daß, wäre man selbst wie er und er wie der Mensch, Erhörung und reicher Segen nicht auf sich warten lassen würde. Die Töne der Leidenschaft, der demutvollen Hingabe, des Ringens nach groß und tief erfaßten Zielen menschlichen Daseins sind der Äußerlichkeit dieser Gebete fremd. —