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Die Religion des Veda c8.s9.24

Die Religion des Veda c8.s9.24

Language
German

c8.s9.24

Die Auffassung der vedischen Dichter ³) sieht im Gebet, dieser „vom Herzen gezimmerten Opferspeise" ⁴), ein Mittel den Gott zu erfreuen und zu stärken, das an wirksamer Kraft hinter dem eigentlichen Opfer kaum zurücksteht. Besonders ist es natürlich das Element der Lobpreisungen, auf dem diese Wirkung des Gebets beruht; an ihnen findet der Gott sein Vergnügen; aus der Erinnerung an seine alten Taten schöpft er Lust zu neuen. Spezielle Vorzüge des einzelnen Gebets kommen hinzu seine Wirkung zu steigern. Bald empfiehlt der Dichter sein Lied als altbewährt, als von den Vätern ererbt; bald preist er sein „neues schönes Loblied, aus dem Herzen kommend“ den Göttern an; er sagt: „Vorwärts bringe ich mein Wort, das neue, frisch geborne.“ Vor allem aber muß das Lied von tadellos kunstvoller Schönheit sein. Der Sänger hat es gezimmert „wie ein geschickter, werktüchtiger Mann einen Streitwagen“; er hat es von allen Fehlern befreit „wie man Korn mit der Schwinge reinigt“, „wie gereinigte Opferbutter“. „Dem Agni Vaiśvānara wird ein neues, glänzendes, schönes Gebet bereitet wie man den Soma reinigt.“ Solche Gebete, „aus dem Gedanken geboren wie der Regen aus der Wolke“, strömen dem Gott zu wie die Flüsse zum Meer rinnen, wie die Kühe zur Hürde gehen. Wie die Mutterkühe das Kalb belecken sie ihn und brüllen ihn an. Sie umschmeicheln und umarmen ihn wie die Gattinnen den Gatten, die liebenden den liebenden. Sie stärken ihn wie Somatränke. „Durch ihre Hymnen vermehren die Somaspender Indras mächtige Kraft.“ „So groß er ist, sein Leib soll noch größer werden, den man mit Lobliedern und Hymnen preist.“ „Die Priester mit Gesängen Indra erhöhend haben ihn groß gemacht, daß er die Schlange töte.“ „An den breiten, breitjochigen Wagen schirren sie durch das Lied des schnellen Gottes falbe Rosse, die Rosse, die Indra fahren, die durch das Wort angeschirrt werden.“ Die Wirkung des Hymnus und Liedes auf den göttlichen Hörer, ihn zu erfreuen und ihm die Wünsche des Menschen mitzuteilen, spielt hier schon hinüber in selbständige, auf der eigenen Kraft des geweihten Wortes beruhende Zauberwirkung. Wir treffen hier wieder jene Vermischung von Gebetsspruch und Zauberspruch an, die schon in anderem Zusammenhang (oben S. 318) als genaues Gegenbild der Vermischung von Opferhandlung und Zauberhandlung zu berühren war¹).