Die Religion des Veda c8.s9.4
Die Religion des Veda c8.s9.4
- Language
- German
c8.s9.4
Selbstverständlich gab es neben dem rituell geordneten Gebet auch das freie, wie Not oder Wunsch des Augenblicks dazu trieb. Durch sein Gebet „hat der Kaufmann, der sich tummelnde, den Strand erreicht“. „Als Atri, der hinab in die Erdspalte geriet, euch rief, ihr Aśvin, wie ein Weib der Hilfe bedürftig, kamt ihr im Augenblick herbei mit heilbringendster Adlerschnelle“³). Schwerlich wird das freie Gebet der vedischen Zeit etwas anderes gewesen sein als ein Namhaftmachen des einzelnen konkreten Wunsches, verbunden etwa mit Wendungen, welche diesen und die Person des Betenden der Gottheit besonders dringend ans Herz legten; an ein Beten, das Ausdruck eines beständig mit der Gottheit sich im Zusammenhang fühlenden Innenlebens gewesen wäre, kann hier nicht gedacht werden. Übrigens war das freie Gebet, das sich auf einen bestimmten Wunsch richtete, allem Anschein nach wesentlich eingeengt durch die frühzeitige Entwicklung einer rituellen Kunst, die mehr oder minder jeden Wunsch vorhergesehen und für ihn die wenn auch noch so geringe Opferspende — besonders häufig Spenden von Opferbutter — samt dem zugehörigen Spruch festgestellt hatte. Für einen Kranken opfert man sechs Spenden von gekochten Reiskörnern mit dem Lied: „Ich löse dich durch die Opferspeise, daß du leben mögest“; wer sich reichen Bestand von Großvieh wünscht, opfert tausend Spenden vom Mist eines Kälberpaars; wer Glück bei Handelsunternehmungen begehrt, opfert abgeschnittene Stückchen von den Waren mit einer Formel, welche die Götter um Segen für den Handel anruft¹): überall ein fertiges liturgisches Formular; und wenn es sich hier auch nicht um Tradition der ältesten vedischen Zeit handelt, haben wir doch Grund auch schon in diese eine so starke Ausbildung zur Starrheit neigender ritualistischer Tendenzen zurückzuverlegen, daß es fraglich ist, ob damals der freien Unmittelbarkeit des Gebets ein wesentlich größerer Raum zukam.
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit