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Die Religion des Veda c9.s1.4

Die Religion des Veda c9.s1.4

Language
German

c9.s1.4

Zunächst liegen Stellen vor, die von einem im Tode erfolgenden Sichzerstreuen der Bestandteile des lebenden Wesens, darunter der psychischen, d. h. der von uns als psychisch verstandenen, sprechen. So redete man bei der Leichenverbrennung den Verstorbenen an: „Zur Sonne gehe dein Auge, zum Wind dein Ātman (S. 525 Anm. 4). Zum Himmel und zur Erde gehe nach der Ordnung. Oder geh zu den Wassern, wenn dir dort (die Stätte) bestimmt ist. In den Pflanzen fasse Stand mit deinen Gebeinen“ (Ṛv. X, 16, 3). Und ähnlich beim Tieropfer: „Zur Sonne soll er (der Opferschlächter) sein (des Opfertieres) Auge gehen machen. Dem Winde nach soll er seinen Atem entlassen. Zur Luft seinen Asu (s. unten). Zu den Weltgegenden sein Ohr. Zur Erde sein Gebein“ (Ait. Brāhm. II, 6, 13)¹. Diese Zerstreuung der einzelnen Wesenselemente darf doch nicht dahin verstanden werden, als würde dadurch der Glaube ausgeschlossen an ein Fortdauerndes, das mehr oder weniger die — nur der groben Körperlichkeit entledigte — Allgemeinpersönlichkeit darstellt². Bei der Bestattung, beim Tieropfer werden an den Verstorbenen oder das Opfertier, dessen Wesenheit soeben als durch das All sich zerstreuend beschrieben war, zugleich doch beständig Worte des Inhalts gerichtet, daß dem angeredeten „Du“, der Persönlichkeit des Menschen oder Tieres, im Jenseits die und die Schicksale vorhergesagt oder angewünscht werden. Beispielsweise spricht man zum Opferroß: „Zu den Göttern gehst du auf schön gangbaren Pfaden“ (Ṛv. I, 162, 21). Zum Verstorbenen: „Wo die weilen, die Gutes getan haben, wo die hingegangen sind, dorthin setze dich Gott Savitar“ (X, 17, 4)³. Kein Zweifel, daß der im Tod den Leichnam Verlassende, auf den sich das „Du“ dieser Sätze bezieht, identisch ist mit dem Wesen, das nach indischem wie außerindischem Glauben im Traum aus dem Körper entweicht und frei umherschweift, das, wenn man den Schlafenden allzu plötzlich weckt, in Gefahr kommt den Rückweg nicht zu finden¹) — identisch mit dem „daumengroßen Mann“ (*puruṣa*), der nach einer Upaniṣadstelle mitten in der Person (*ātman*) als Herr des Vergangenen und Künftigen wohnt²) — oder mit jenem „daumengroßen Mann“, den in der epischen Erzählung der Todesgott aus dem leblos zurückbleibenden Körper des Satyavant herauszieht und mit dem er davongeht³).

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