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Die Religion des Veda c9.s1.75

Die Religion des Veda c9.s1.75

Language
German

c9.s1.75

Man sieht, es ist allerdings sehr wenig, was wir über den Höllenglauben der ṛgvedischen Zeit hören²). Es scheint, daß es im ganzen einem späteren Zeitalter vorbehalten war, die Phantasie durch die schreckenvolle Ausmalung der Höllenqualen zu erschüttern, wie sie von den Buddhisten mit Vorliebe betrieben wurde und von welcher der Atharvaveda (V, 19, 3) in dem Bild der in Blutströmen sitzenden, ihr Haar verzehrenden Sünder, die auf Erden einen Brahmanen beleidigt haben, einen Vorschmack gibt³). In den Göttern, welche bei den von der alten vedischen Poesie verherrlichten Opfern die Hauptstelle einnahmen, sah man vielmehr Spender irdischen Segens als Verwalter jenseitiger Pein. Für die Sprüche, die bei der Bestattung des frommen Opferers gesprochen wurden, unsere Hauptzeugnisse für den Glauben an jenes Leben, lag freilich auch der Anlaß kaum nah, der Hölle zu gedenken, vor der man sich im Besitz seiner guten Werke sicher fühlte. Vielleicht würde sich doch in diesen Sprüchen ein bestimmteres Eingehen auf die große letzte Entscheidung über das jenseitige Schicksal der Seele zeigen, hätte man sich diese Entscheidung in der Gestalt eines Gerichts gedacht, dem jeder sich unterwerfen muß. Aber daß man schon in alter Zeit ein förmliches Totengericht annahm, ist mindestens zweifelhaft¹). In einem jüngeren vedischen Text (Taitt. Ār. VI, 5, 13) heißt es: „Bei König Yama, des Vivasvant Sohn, scheiden sich die Menschen, die der Wahrheit hienieden treu sind und die Unwahres reden“: daß diese Scheidung als durch ein Gericht vorgenommen gedacht wurde, ist möglich, aber es braucht in den Worten nicht zu liegen²). Die Götter kennen Unschuldige und Schuldige und senden jeden an seinen Ort: vielleicht hat diese einfache Vorstellung jenem Zeitalter genügt. —

Cites (2)