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Die Religion des Veda c9.s2.1

Die Religion des Veda c9.s2.1

Language
German

c9.s2.1

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die vedischen Vorstellungen, die wir bis jetzt geschildert haben, von einer Himmelswelt mit Belohnungen für den Frommen und vom Dunkel der Hölle, im wesentlichen aus der Zeit der indoiranischen Volksgemeinschaft mit der offenbar schon damals hervortretenden priesterlich-theologischen Durchtränkung des Glaubens stammen. Sie noch weiter zurückzudatieren, einen Besitz der ungeteilten Indogermanen in ihnen zu vermuten, haben wir keine Ursache²). Überhaupt stellen sie, so sehr sie bemessen an den Maßstäben höchst entwickelter religiöser Bildungen den Stempel geistiger Kindheit an sich zu tragen scheinen, doch in der Tat eine vergleichsweise junge Form der Gedanken des Menschengeschlechts über das Jenseits dar. Nun gilt es wie von allem religiösen Wesen so erfahrungsmäßig ganz besonders von den auf Tod und Jenseits bezüglichen Vorstellungen und Gebräuchen, daß kaum jemals und irgendwo Neubildungen zur Herrschaft gelangt sind, die nicht vielfach den Untergrund des Älteren durchblicken ließen. Trifft dies Verhältnis, für den Glauben des homerischen Griechenland überzeugend nachgewiesen¹), nicht auch für den Veda zu? Ich glaube, daß diese Frage bejaht werden darf. Ja es darf mehr behauptet werden. Nicht nur hier und dort durchscheinend, sondern in großer Breite sind andere, ältere Vorstellungsmassen sichtbar, als die dem Leser des Ṛgveda zunächst entgegentretenden, die wir bisher betrachtet haben.