Pramāṇa · Search · About · API

Die Religion des Veda c9.s2.55

Die Religion des Veda c9.s2.55

Language
German

c9.s2.55

Wie nun der eben besprochene Unterschied des vorläufigen und des definitiven Totenopfers auf einen Wechsel im Zustand des Toten hinzudeuten scheint, so wird Ähnliches vom Unterschied der vorläufigen und der definitiven Bestattung zu sagen sein. Bei vielen Völkern ist der Gebrauch nachgewiesen¹), auf eine provisorische Bestattung später, oft erst nach einer Reihe von Jahren, die definitive, mit einem großen Totenfest verbundene, folgen zu lassen; die Trauer um den Toten — d. h. nach dem ursprünglichen Wesen der Sache die Notwendigkeit besonderer Vorsicht gegen die Nachstellungen des Toten — reicht der Norm nach bis zu dieser Feier, wenn auch vielfach Abkürzungen der Trauerzeit zu beobachten sind²). Wir werden später eingehender davon sprechen, daß auch dem vedischen Ritual dieser Unterschied einer vorläufigen und der definitiven Bestattung bekannt ist; hier berühren wir diesen Sachverhalt nur insofern er gleichfalls auf den eben in Rede stehenden Glauben von der zuerst noch unvollständigen Einbürgerung des Toten im Jenseits hinzuweisen scheint. Es ist ja wohl klar, daß einer Feier wie der endgültigen Bestattung eine Zauberwirkung auf das Dasein der Seele zugeschrieben worden sein muß, und diese Wirkung kann doch nur als Überführung der Seele in einen dauernderen, von der Welt der Lebenden weiter entfernten Zustand gedacht worden sein, wie wir tatsächlich im Glauben der Naturvölker eben diese Wirkung regelmäßig mit jenem Ritus verknüpft finden.