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Die Religion des Veda c9.s2.88

Die Religion des Veda c9.s2.88

Language
German

c9.s2.88

Verkörperung von Seelen in Tieren, Pflanzen, Sternen. Anhangsweise finde hier noch die Bemerkung Platz, daß Spuren des so weit verbreiteten Glaubens an die Verkörperung von Seelen Verstorbener in Tieren in der älteren Literatur, soviel ich sehe, nur ganz spärlich auftreten. Wohl das wichtigste Zeugnis ist die Vorschrift eines Rechtstexts¹), beim Totenopfer auch den Vögeln einen Kloß wie ihn die Manen empfangen hinzuwerfen: „denn es wird gelehrt, daß die Väter einherziehen das Aussehen von Vögeln annehmend.“ Die Materialien für den Glauben an die Verkörperung von Seelen in Schlangen²) scheinen Schlüssen in bezug auf das alte arische Indien kaum ein hinreichendes Fundament zu geben. Einen offenbar auf tierische Verkörperung deutenden Zug wird uns die Erörterung des Begräbnisrituals bieten³); mehr ergäbe vielleicht die Erzählungsliteratur, hätten sich nicht die Neubildungen des Seelenwanderungsglaubens mit den etwa vorhandenen Resten derartiger alter Vorstellungen ununterscheidbar vermischt. Oder wird der fortschreitenden Untersuchung hier doch eine Unterscheidung gelingen? Eine Geschichte z. B. wie die von der Mutter, welche stirbt, während ihr Sohn auf Reisen ist, und aus Liebe zu ihm zu einem Schakalweibchen wird, das am Wege lauert, um ihn von einem unglückbringenden Wald fernzuhalten⁴), möchte wohl mit altem Volksglauben, daß die Seelen Verstorbener in Tiere eingehen können, zusammenhängen. Wenn dies richtig ist, haben wir hier nicht einen Zug aus dem Kreis der Vorstellungen, die den Seelenwanderungsglauben vorbereiteten? Und wird dieser selbst nicht für die weiter dringende Forschung vom Charakter einer unvermittelten Neuschöpfung, der ihm anzuhaften scheinen kann, mehr und mehr verlieren¹)?