Astronomie, Astrologie und Mathematik c2.4
Astronomie, Astrologie und Mathematik c2.4
- Language
- German
c2.4
In der Zwischenzeit war das Studium der indischen Litteratur und aller damit verknüpften Fragen im Allgemeinen ungemein fortgeschritten, und die so erlangte bessere Einsicht in die Stufen indischer Geistesentwicklung fing selbstverständlich an, auch auf die Behandlung astronomischer Fragen einzuwirken. Die Erörterung historisch interessanter Punkte trat in den Vordergrund, als i. J. 1840 J. B. BIOT die These aufstellte, dass das schon von COLEBROOKE erörterte System der Nakṣatras, d. i. der 27 oder 28 Constellationen oder Abschnitte, in welche die Inder von Alters her die Sphäre einteilten, aus China entlehnt sei; es gab dies Anlass zu einer langen, von vielen bedeutenden Gelehrten weitergeführten Controverse, in welcher die Ergebnisse des neuen Vedastudiums zur Beurteilung astronomisch-chronologischer Fragen ausgiebig verwertet wurden. Hervorzuheben sind in dieser Beziehung die Arbeiten WHITNEYS, MAX MÜLLERS und A. WEBERS, welch letzterer besonders alles, was für solche Probleme aus dem Veda gewonnen werden kann, mit ausserordentlicher Gelehrsamkeit zusammenstellte. Die von BIOT angeregte Frage ist freilich bis zur Stunde noch nicht entschieden; und wie überhaupt die vedischen Nachrichten über Astronomisches und Kalendarisches zu deuten und zu verwerten sind, darüber hat sich erst in den letzten Jahren wieder eine neue Controverse erhoben, welche sehr beträchtliche Meinungsdifferenzen offenbart hat. Im grossen Ganzen aber hat man doch jetzt klare Begriffe über die allgemeinen Perioden des astronomischen Wissens in Indien gewonnen, wie solche im Verlauf dieser Arbeit charakterisiert werden sollen.