Astronomie, Astrologie und Mathematik c2.5
Astronomie, Astrologie und Mathematik c2.5
- Language
- German
c2.5
Nächst der Frage über die Tragweite des vedischen astronomischen Materials ist das wichtigste Problem das, wann und auf welche Weise das wissenschaftliche System entstanden sein mag, welches im Sūrya-Siddhānta und verwandten Werken vorliegt. Dass dasselbe kein sehr hohes Alter beanspruchen kann, sondern kaum viel über den Anfang der christlichen Ära zurückdatirt werden darf, ist gegenwärtig ziemlich allgemein anerkannt. Ebenso wird fast allgemein zugestanden, dass das System keine selbstständige indische Schöpfung ist, sondern auf einer Verarbeitung griechischer Ideen beruht, denen durch die eigentümliche Methode und Form der Darstellung ein indisches Gepräge aufgedrückt worden ist. Als bedeutende Vertreter dieser Ansicht mögen BIOT und WHITNEY genannt werden und als ein wichtiger Beitrag zur näheren Kenntnis der Entstehungsgeschichte des Systems die Einleitung zu KERNS Ausgabe von Varāha-Mihiras Bṛhat-Saṃhitā. Wichtig ist ebenfalls die von dem letzteren Gelehrten besorgte Ausgabe des uns erhaltenen astronomischen Werkes des Āryabhaṭa. Ein tieferer und genauerer Einblick in den Ursprung und die frühe Geschichte des Systems wurde aber erst möglich durch das Bekanntwerden (1889) der Pañcasiddhāntikā des Varāha-Mihira, welche einen Abriss der Lehren der fünf im Anfange des 6. Jahrhunderts n. Chr. in Indien als autoritativ anerkannten astronomischen Lehrbücher gibt. In der Einleitung zur Ausgabe dieses Werkes wurde der Versuch gemacht, die sich aus demselben und anderen alten Quellen ergebenden Aufschlüsse zur Erkenntnis der früheren Geschichte des Systems zu verwerten. In derselben Weise, aber viel ausführlicher, ist seitdem ŚAṄKAR BĀLKṚṢṆA DIKṢIT vorgegangen, in seiner in Marāṭhī geschriebenen Geschichte der indischen Astronomie (1896), dem bei weitem reichhaltigsten Werke, das wir bis jetzt über diesen Gegenstand haben. Ob freilich Ś. B. D.s Hauptthese, dass nämlich das wissenschaftliche System der Inder eine wesentlich selbständige, auf indischen Beobachtungen beruhende Schöpfung sei, Beifall finden wird, bleibt abzuwarten. Das Werk ist besonders ausführlich über die spätere astronomische Literatur von Brahmagupta an, ist darin aber teilweise von der in Sanskrit geschriebenen Gaṇaka-Taraṅgiṇī (verfasst von PAṆḌIT SUDHĀKAR DVIVEDĪ, 1892) anticipiert worden.
Linked texts (4)
- Bṛhatsaṃhitā — Varāhamihira, Sanskrit
- Sūryasiddhānta — Maya, Sanskrit
- Āryabhaṭīya — Āryabhaṭa, Sanskrit
- Pañcasiddhāntikā — Varāhamihira, Sanskrit