Pramāṇa · Search · About · API

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.22

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.22

Language
German

c3.s3.22.1

§ 15. Mittlere Periode. — Nakṣatras, Conjunctionen etc. — Ein weiteres Interesse gewinnen die Schriften dieser Periode dadurch, dass sie alle die Stellen im Umkreise der Nakṣatras angeben, an denen die Conjunctionen und ebenso die Oppositionen von Sonne und Mond, d. h. die Neumonde und die Vollmonde, stattfinden. Darauf bezügliche Regeln und Rechnungen bilden den Hauptinhalt des Jyotiṣa-Vedāṅga sowohl als der Sūryaprajñapti. Da den Schriften dieser Periode die Unterscheidung von mittlerer und wahrer Bewegung der Himmelskörper durchaus fremd ist, ergeben sich die gesuchten Örter durch ganz einfache Rechnungen, die unmittelbar auf den Grundelementen des fünfjährigen Yuga basiren. Der ganze Rechnungsprozess und die daraus folgenden Resultate sind deutlich und umständlich in der Sū. Pr. dargestellt, während das Jyo.Ve. den Process in wenigen äusserst concisen Regeln zusammenfasst, die zum Teil noch nicht erklärt sind. Die Nakṣatra-Reihe dieser Periode ist wesentlich die der ersten Periode; doch ist auch hier nun alles vollständig und methodisch ausgearbeitet. Die Zahl der Nakṣatras erscheint verschiedentlich als 27 oder 28 (mit Einschluss von Abhijit). Einige Werke, darunter das Jyo.Ve., erwähnen nur 27, welche alle als von gleichem Umfang betrachtet werden, ein jedes gleich dem 27. Teil der Sphäre. Andere Autoritäten erkennen ebenfalls 27 Nakṣatras an, aber eingeteilt in Klassen von verschiedenem Umfang;

c3.s3.22.2

und andere wieder wissen von 28 Nakṣatras, die ebenfalls in Klassen von verschiedenem Umfang zerfallen: so z. B. die Sūryaprajñapti. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die Anerkennung eines 28. Nakṣatra damit zusammenhängt, dass der Überschuss des siderischen Monats über 27 Tage nun bestimmt realisirt wurde; und die Details wurden jedenfalls in Verbindung mit der Lehre vom fünfjährigen Yuga ausgearbeitet, aus welchem der Betrag dieses Überschusses genau abgeleitet werden kann. Dass einzelne Werke wie das Jyo. Ve. trotzdem nur von 27 Nakṣatras sprechen, ist kaum daraus zu erklären, dass ihnen die Reihe von 28 Gliedern unbekannt war, sondern einfach aus dem Wunsche, die Rechnungen zu vereinfachen. So wendet ja auch schliesslich die spätere astronomische und astrologische Litteratur im ganzen nur die 27gliedrige Reihe an. Von Interesse in dieser Hinsicht sind Stellen in Bhāskarācāryas Siddhānta-Śiromaṇi und Brahmaguptas Sphuṭa-Siddhānta, welche beide Systeme erwähnen und das 28teilige als das genauere bezeichnen, welches von den Ṛṣis, Vasiṣṭha, Garga u. a., gelehrt worden sei (die uns bekannten Fragmente Gargas beziehen sich nur auf das 27teilige System). Der Vorteil des 28teiligen Systems ist, dass von den 27 gewöhnlichen Nakṣatras angenommen werden kann, dass sie durchschnittlich mit dem Monde je eine natürliche Tag-Nacht in Verbindung bleiben, während der Überschuss des siderischen Monates über 27 Tage der Verbindung des Mondes mit Abhijit zugeteilt wird: so z. B.

c3.s3.22.3

nach der Sū. Pra. und auch nach Brahmagupta im Khaṇḍakhādyaka. Wo nur 27 Nakṣatras angenommen werden, fällt diese natürliche Verbindung weg; und jedes einzelne Nakṣatra bleibt dann mit dem Monde durchschnittlich etwas länger als eine Tagnacht in Conjunction. — Wo aber ein ungleichmässiger Umfang der Nakṣatras überhaupt anerkannt wird, finden wir anstatt des erwähnten Durchschnittsmasses die folgende Einteilung: sechs Nakṣatras (rohiṇī, punarvasu, uttara-phalgunī, visākhā, uttarāṣāḍhā, uttara-bhadrapadā) haben eine Ausdehnung, die dem normalen Masse vermehrt um seine Hälfte entspricht, sechs solche, die der Hälfte des normalen Masses gleichkommt (bharaṇī, ārdrā, āśleṣā, svātī, jyeṣṭhā, śatabhiṣaj); die übrigen fünfzehn haben die normale Ausdehnung. Diese Einteilung findet sich übereinstimmend bei Garga, im Nakṣatrakalpa, in der Sū. Pr. und bei Brahmagupta, und lässt sich so ziemlich mit dem vereinigen, was wir aus den astronomischen Werken der dritten Periode über die Ausdehnung der einzelnen Nakṣatra-Sternbilder erschliessen können. Für andere Einteilungen der Nakṣatras — z. B. nach der Zeit des Tages oder der Nacht, zu welcher der Mond mit ihnen in Conjunction tritt (ein in der Sū. Pra. behandeltes Thema) — ist es schwieriger, eine rationelle Erklärung zu finden. Ebenso kann nur ein Teil der Angaben, welche die Sū. Pra.

c3.s3.22.4

betreffs der Lage der Nakṣatras nördlich oder südlich von der Mondbahn macht, mit dem vereinigt werden, was die spätere Astronomie über diesen Punkt zu sagen hat. Die Zahlen der Sterne, welche die einzelnen Nakṣatra-Sternbilder ausmachen, finden sich bei verschiedenen Autoritäten dieser Periode genannt und stimmen im ganzen mit den späteren Angaben überein.