Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.25
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s3.25
- Language
- German
c3.s3.25
§ 17. Mittlere Periode. — Kalender. — Aus der oben beschriebenen Ansicht von Sonnen- und Mondlauf folgt von selbst der Charakter des Kalendersystems dieser Periode. Wie früher bemerkt, war wohl schon in der späteren vedischen Periode ein ähnliches System vorherrschend; aber in völlig klarer und durchgearbeiteter Form tritt es uns erst in den Schriften dieser Periode entgegen, am deutlichsten beschrieben in der Sū. Pra. und den Fragmenten Garga’s. Die fünf Jahre des Yuga enthalten zusammen 62 synodische Monate, deren jeder 29¹⁶/₃₁ Tage lang ist. Der synodische Monat ist der einzige praktisch anerkannte; um aber dem Jahre theoretisch die von Alters anerkannte Zahl von 12 Monaten zu sichern, werden von diesen 62 Monaten zwei als übersüssig (adhika) behandelt und nicht gezählt; es sind dies der 31. und 62. Das Jahr wird ferner theoretisch in 12 Sonnenmonate (saura māsa) eingeteilt, von denen jeder den 12. Teil von 366 Tagen (= 30¹/₂ Tage) umfasst; der 30. von diesen Monaten geht zugleich mit dem 31. synodischen Monat zu Ende, so dass sich in der Mitte, ebenso wie am Anfang des Yuga, Sonnen- und Mondrechnung in voller Übereinstimmung befinden. Neben diesen beiden Arten von Monaten wird eine dritte beibehalten, nämlich der einfach 30tägige Monat, gleich dem zwölften Teil des alten 360tägigen Jahres. Dies Jahr heisst nun das Sāvana-Jahr, so genannt nach den Somapressungen (savana), welche nach altvedischem Ritual durch 360 Tage fortgesetzt die grossen, ayana genannten, Jahresopfer constituiren; der 30tägige Monat heisst demnach ebenfalls Sāvana. — Jeder synodische Monat von 29¹⁶/₃₁ Tagen wird weiterhin in 30 Teile von gleicher Länge eingeteilt, die sogenannten Tithis oder lunaren Tage. Diese Einteilung, die, mit den durch die spätere vorgerückte Kenntnis des Sonnen- und Mondlaufs bedingten Modificationen, bis auf die Gegenwart festgehalten worden ist, macht den am meisten charakteristischen Zug des indischen Kalenderwesens aus; sie findet sich in dem Systeme keiner anderen Nation. Da der Tithi etwas kürzer ist als der natürliche Tag, fällt im Laufe der Monate der Anfang des Tithi weiter und weiter vor den Anfang des natürlichen Tages, bis sich nach Ablauf von 61 Tagen wieder Harmonie zwischen Mondtagen und natürlichen Tagen einstellt, indem der 62. Mondtag nach Anfang des 61. natürlichen Tages beginnt und zugleich mit diesem zu Ende geht. Es wird daher jeder 62. Tithi als überzählig behandelt und ausgelassen; solche Tithis heissen kṣayāha oder ūnarātra. In allen kalendarischen Rechnungen wird der Tithi, nicht der natürliche Tag, als Grundeinheit behandelt; und dies, zusammen mit dem System der Monatsrechnung, gibt zu einer eigentümlichen Methode Anlass, nach der man die Summe der Tage berechnet, die von einer bestimmten Epoche an bis zu einem gegebenen Datum, d. h. dem Anfang eines gegebenen Tithi, verflossen sind. Diese Methode, um den sog. Ahargaṇa, d. i. die Summe der abgelaufenen Tage, zu finden, ist später — in unserer dritten Periode — weiter ausgebildet und dadurch viel umständlicher geworden, dass die Zeitperioden, die man der Rechnung zu grunde legte, ungeheuer viel grösser waren als das fünfjährige Yuga. Es kann aber nicht bezweifelt werden, dass die Methode in dieser unserer zweiten Periode entstand, und das im Sūrya-Siddhānta und ähnlichen Werken beschriebene Verfahren nur diejenige Erweiterung der alten Praxis darstellt, welche durch die spätere viel genauere Kenntnis des Sonnen- und Mondlaufes notwendig gemacht wurde. Da der Process in Verbindung mit der Darstellung des Sūrya-Siddhānta beschrieben werden soll, genüge hier die Angabe, dass für ein gegebenes Datum zuerst die Anzahl der von der Epoche an verflossenen Tithis berechnet wird, dann die Summe der Tithis entsprechende Zahl von Kṣayāhas ermittelt wird, und man schliesslich durch Abzug dieser Zahl von der Summe der Tithis die Anzahl von abgelaufenen natürlichen Tagen feststellt.
Linked texts (2)
- Sūryasiddhānta — Maya, Sanskrit
- Sūriyapannatti — Ardhamāgadhī Prakrit