Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s4.14
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s4.14
- Language
- German
c3.s4.14
Das achte Kapitel (nakṣatragrahayutyadhikāra) behandelt die — ebenfalls nur astrologisch interessanten — Conjunctionen von Planeten und Fixsternen. Das Kapitel ist aber astronomisch wichtig dadurch, dass es Angaben über die Länge und Breite der wichtigsten Sterne der 28 Nakṣatras macht, und ebenso über die Länge und Breite von einigen wenigen ausserhalb der Sphäre der Nakṣatras liegenden Fixsternen. Die Sphäre wird eingeteilt in 27 gleiche Teile, deren jeder 13° 20' enthält; diesen 27 Teilen entsprechen aber 28 Sterne oder Constellationen, und auf deren Haupt- oder Conjunctionssterne beziehen sich die Angaben des Textes. Die Aufzählung der Nakṣatras beginnt mit Aśvinī und schliesst mit Revatī, dessen Conjunctionsstern die Länge von 13° 10' in dem ihm zugehörigen Abschnitte der Ekliptik hat; d. h. der Stern liegt 10' von dem Punkte der Sphäre entfernt, von dem die Abteilung der Ekliptik ausgeht. In Verbindung mit der Identification der ganzen Reihe der Nakṣatras mit den uns bekannten Fixsternen (eine Identification, die von den früheren Forschern im Gebiete der indischen Astronomie, darunter hauptsächlich COLEBROOKE, vollzogen wurde) ist der Conjunctionsstern von Revatī als ζ Piscium erkannt worden. Die Länge dieses Sternes ist somit nach dem S. S. 359° 50'; nach den hauptsächlichen anderen Siddhāntas hat er keine Länge, liegt genau am Ausgangspunkte der Sphäre. Und da die Astronomen dieser Periode bei der Berechnung der Präcession der Äquinoctien von eben diesem Punkt als Nullpunkt ausgehen, so hat man geschlossen, dass das ganze astronomische System dieser Periode zu ungefähr der Zeit entstand, als Stern ζ Piscium mit dem Punkte des Frühlingsäquinoctiums zusammenfiel. Wir werden auf diesen Punkt weiter unten zurückkommen. — Betreffs der Methode der Bestimmung der Länge und Breite von Fixsternen ist zu bemerken, dass der Kreis, dessen Intersektion mit der Ekliptik die Länge bestimmt, nicht von dem Pole der Ekliptik, sondern von dem des Äquators aus gezogen wird, und dass auf eben diesem Kreis die Breite gemessen wird; für diese so bestimmten Längen und Breiten werden am besten, mit WHITNEY, die Ausdrücke »polare« Länge und Breite verwendet. Auffallend ist die ganz geringe Anzahl der nicht zu den Nakṣatras gehörigen Fixsterne, die in Betracht gezogen werden.