Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.20.2
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.20.2
- Language
- German
c3.s5.20.2
Dasselbe muss von den Methoden zur Berechnung der Mond- und Sonnenfinsternisse — worin die indische Astronomie ihre Hauptaufgabe sieht — gesagt werden. Wie fern der Gedanke einer eigentlichen Erweiterung der Astronomie den Autoren dieser ganzen Periode lag, mag z. B. dadurch illustriert werden, dass niemand es sich einfallen liess, die Länge und Breite anderer Fixsterne festzustellen als der ganz wenigen, die schon in den alten Siddhāntas Beachtung gefunden hatten. Die Form der Darstellung bleibt im wesentlichen während der ganzen Periode dieselbe; und die Materien werden in derselben Reihenfolge abgehandelt. Kein einziges Werk z. B. unternimmt es, die Länge eines einzelnen Umlaufs eines Himmelskörpers direkt in Jahren, Tagen, Stunden u. s. w. anzugeben; überall werden die hohen Summen von vollständigen Umläufen aufgeführt, welche der Himmelskörper in einem enorm grossen Aggregat von ganzen Tagen vollendet; und überall wird als Ausgangspunkt der Berechnungen an der Annahme festgehalten, dass alle Himmelskörper am Anfang einer grossen Periode — sei dies das Kalpa, das Mahāyuga oder das Kaliyuga — an demselben Punkte der Sphäre in Conjunction waren. In Übereinstimmung mit einer Tendenz, welche sich in allen Zweigen indischer Wissenschaft offenbart, werden die astronomischen Prozesse und Regeln in möglichst conciser, fast immer metrischer Form gegeben, und zwar ohne jeglichen Beweis. Dies war schon das Verfahren der zweiten Periode;