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Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.29

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.29

Language
German

c3.s5.29

Von Āryabhaṭa ist uns ein gewöhnlich Laghv-āryabhaṭīya genanntes Werk erhalten, nach seiner eigenen Angabe verfasst von ihm in Kusumapura, als 3600 Jahre vom laufenden Kaliyuga verflossen waren, und der Autor selbst 23 Jahre alt war. Das Werk zerfällt in vier Teile. Ein einleitender, der aus 10 oder mit dem Schlussverse 11 Āryās besteht und daśagītikā-sūtra heisst, erklärt ein dem Āryabhaṭa eigentümliches System Zahlen zu schreiben und enthält die numerischen Elemente des Systems. Der zweite, später zu erwähnende Teil gibt in 33 Āryās eine kurze Darstellung von Āryabhaṭas arithmetischen, algebraischen und geometrischen Kenntnissen. Der dritte Teil — kālakriyāpāda — in 25 Versen, enthält die Grundzüge der astronomischen Berechnungen, während der vierte Teil — golapāda — in 50 Versen die Prinzipien der Sphäre und der auf ihr beruhenden astronomischen Hypothesen auseinandersetzt. Die Einteilung des astronomischen Stoffes in einen berechnenden Teil und ein von der Sphäre handelndes Kapitel, die uns hier zuerst bei Ā. Bh. begegnet, ist praktisch und von der späteren Astronomie beibehalten, ebenso die Einschliessung eines rein mathematischen Kapitels. Die astronomischen Lehren Ā. Bhs. stehen im ganzen auf dem Boden des S. S.; doch sind einige Eigentümlichkeiten bemerkenswert. So die Einteilung des Mahāyuga in vier Yugas von gleicher Länge, worin er von der allgemeinen Praxis abweicht. So auch, dass er in seinen Zeitrechnungen mit Sonnenaufgang anfängt. So ferner seine Bezugnahme auf die grossen Zeitperioden der Jainas. So ferner, dass eine Verschiedenheit des Umfangs der Epicyklen der Planeten angenommen wird, je nachdem die Anomalie in geraden oder ungeraden Quadranten liegt (I, 8. 9); wir sahen oben, dass diese Unterscheidung der ursprünglichen Form des S. S. fremd gewesen zu sein scheint, und sie ist vielleicht von Ā. Bh. eingeführt worden. Und vor allem die Lehre, dass die tägliche Umdrehung der Himmelssphäre mit allen Himmelskörpern nur eine scheinbare ist, während sich in Wirklichkeit die Erde in einem siderischen Tag einmal um ihre Axe dreht. Dass diese Ansicht auch den Griechen nicht fremd war, ist bekannt; ob Ā. Bh. sie von dorther entlehnt hat oder selbst darauf verfallen ist, können wir nicht entscheiden. Jedenfalls hat seine Lehre in Indien nicht mehr Glück gehabt als die entsprechende Ansicht unter den Griechen; schon Varāha-Mihira und Brahmagupta bekämpfen sie, und sie ist, so viel ich weiss, von keinem späteren Astronomen angenommen worden. — Das beschriebene Werk Āryabhaṭas ist das einzige uns erhaltene; es ist aber von Ś. B. Dīkṣit gezeigt worden, dass ein anderes Werk von ihm existirt haben muss, das nämlich, auf dessen Elemente das Khaṇḍakhādyaka-karaṇa Brahmaguptas (über welches weiter unten gehandelt wird) gegründet ist. Und es ist grossem Interesse zu sehen, dass die Elemente des Kh. Kh. durchaus mit denen der älteren Form des S. S. übereinstimmen, die uns aus der Pañcasiddhāntikā bekannt ist; Āryabhaṭa hat also in dem für uns verlorenen Werke sich an diesen S. S. gehalten.

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