Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.32
Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.32
- Language
- German
c3.s5.32
Siddhānta bezeichnet, aber jedenfalls mit dem älteren Āryabhaṭa nichts zu thun hat. Dasselbe ist ein in 18 Abschnitten abgefasstes Werk, das sich über das ganze System der Astronomie verbreitet und einige Kapitel über Arithmetik und Algebra enthält. Am Anfang bezeichnet es sich selbst als einen von Āryabhaṭa abgefassten Siddhānta; wer aber dieser Āryabhaṭa gewesen, wissen wir nicht, und auch die Zeit des Werks lässt sich nicht sicher ermitteln. BENTLEY setzte sie, unter Anwendung seiner gewöhnlichen Methode, auf 1322 A. D. und fand darin Beistimmung; Ś. B. DĪKṢIT weist aber darauf hin, dass nach Bhāskara »von Āryabhaṭa und anderen« eine Bestimmung über die Aufgänge der Deccane gegeben wurde, und dass sich eine solche Bestimmung thatsächlich im Āryabhaṭa-Siddhānta findet, während andererseits derselben bei Brahmagupta — der den alten Āryabhaṭa so vielfach kritisiert — keine Erwähnung geschieht. Die Siddhānta ist daher wahrscheinlich in die Periode zwischen Brahmagupta und Bhāskara einzusetzen. Die augenfälligste Eigentümlichkeit dieses Werkes ist, dass es für die Dauer der mittleren Umläufe eigentümliche Werte hat — der Umlauf der Sonne wird auf 365ᵗ 6ˢᵗ 12' 30''.84 abgeschätzt — und dass es ausserdem die Werte der Umläufe nach einem Parāśara-Siddhānta angibt. Der letztere ist sonst ganz unbekannt; der alte in der zweiten Periode erwähnte Parāśara gehört natürlich einer ganz anderen Entwickelungsstufe der indischen Astronomie an. Im Āryabhaṭa-Siddhānta sowohl als in der angeblich dem Parāśara entlehnten Liste werden die Zahlen der Umläufe im Kalpa angegeben. Der Āryabhaṭa-Siddhānta hat auch sein besonderes System, Zahlen vermittelst Buchstaben zu bezeichnen; das System weicht durchaus von dem des alten Āryabhaṭa ab. — Der Siddhānta wird bisweilen als Mahārya-Si. bezeichnet, dann aber auch wieder als Laghvārya-Si. Ś. B. DĪKṢIT nennt den Verfasser desselben, zur Unterscheidung von dem alten Āryabhaṭa, den zweiten Āryabhaṭa, und es wäre praktisch, diese Benennung beizubehalten.