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Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.40

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.40

Language
German

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§ 36. Dritte Periode. — Brahmagupta. — Der zunächst zu nennende Autor ist der schon öfters erwähnte Brahmagupta. Er nennt sich Sohn des Jiṣṇu und verfasste nach seiner eigenen Angabe seinen Brāhma Sphuṭa-Siddhānta im Jahre Śaka 550, als er dreissig Jahre alt war, unter der Regierung des Königs Vyāghramukha von Bhillamāla (Bhīnmāl im südwestlichen Mārwāḍ). Das Werk soll nach der Angabe späterer Commentatoren auf einen Paitāmaha-Siddhānta gegründet sein, welcher einen Teil des Viṣṇudharmottara-Purāṇa bildet. Dieser uns erhaltene Paitāmaha Siddhānta ist ein ganz kurzer in Prosa abgefasster Traktat, der allerdings die Hauptzüge des von Brahmagupta gelehrten Systems in conciser Weiser darstellt. Ob aber Brahmagupta wirklich aus diesem Werke schöpfte, erscheint sehr zweifelhaft; es macht mehr den Eindruck eines Auszugs aus dem Werke Brahmaguptas als den einer Quelle desselben. Dem von Varāha-Mihira dargestellten Paitāmaha-Siddhānta hat BrGs. Werk nichts zu thun, auch nichts mit dem Brāhma-Siddhānta, der auch Sākalya-Si. genannt wird. Der Sphuṭa-Siddhānta besteht aus 24 Adhyāyas und enthält 1008 Āryās. Er behandelt im ganzen die in den uns schon bekannten Werken dargestellten Dinge in der gewöhnlichen Ordnung. Wichtig sind die Abschnitte, die mathematischen Dingen gewidmet sind, worüber später. Einzig in seiner Art ist das 11. Kapitel, welches sich ausschliesslich mit der Kritik früherer Autoren befasst, darunter besonders des Āryabhaṭa;

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es dies, wie schon erwähnt, eine unserer Hauptquellen für die frühere Periode der wissenschaftlichen indischen Astronomie. Eine Neuerung gegen die uns schon bekannten Werke sind ferner die der Auflösung von astronomischen Problemen gewidmeten Kapitel. Das System Brahmaguptas unterscheidet sich nicht wesentlich von dem uns dem Sūrya-Siddhānta bekannten. Es hat allerdings viele einzelne Eigentümlichkeiten; in den meisten derselben schliesst sich Bhāskarācārya in seinem Siddhānta-Siromaṇi an Brahmagupta an. Hier mögen erwähnt werden der Umstand, dass BrG. die Berechnungen der mittleren Planetenörter etc. vom Anfang des Kalpa an macht, nicht vom Anfang des Yuga oder Kaliyuga, und ferner die auffällige Thatsache, dass er die Präcession der Äquinoctien ableugnet. Dass dies in Indien in einer verhältnismässig so vorgerückten Periode möglich war, wirft ein wenig günstiges Licht auf die Befähigung der indischen Astronomen zu Beobachtungen. Bhāskara hat sich in diesem Punkte nicht an BrG. angeschlossen. Mit der Nichtanerkennung der Präcession hat Ś. B. Dikṣit in scharfsinniger Weise die Thatsache in Verbindung gebracht, dass BrG. für die Länge des Jahres einen Wert angibt, der von dem des S. S. und anderer Werke einigermassen verschieden ist. Die numerischen Constanten des Systems weichen im allgemeinen mehr oder weniger von denen der früheren Werke ab.

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Die Gründe dieser Abweichungen sind im allgemeinen schwer zu erkennen, sie sind möglicher oder wahrscheinlicher Weise auf Beobachtungen gegründet; BrG. macht aber keine Mitteilungen, die uns befähigten, dies irgendwie zu controlliren. In einigen Punkten sucht BrG. altindische Anschauungen, die von seinen unmittelbaren Vorgängern beiseite gesetzt worden waren, zu rehabilitieren und mit den neueren Lehren in Einklang zu setzen. Trotz einzelner Defekte wird der Brāhma Sphuṭa-Siddhānta als das bedeutendste Werk der wissenschaftlichen indischen Astronomie bezeichnet werden müssen; es könnte ihm diese Stelle überhaupt nur von Bhāskara streitig gemacht werden; der letztere ist aber von seinem Vorgänger in dem Grade abhängig, dass er nicht als ebenbürtiger Rivale betrachtet werden kann. Der ganze astronomische Stoff wird von BrG. ausführlicher und methodischer behandelt als von irgend einem seiner Vorgänger; BrG. gibt die erste ausführliche Darstellung des indischen mathematischen Wissens und zeichnet sich durch Eleganz der Form aus. Seine Darstellung trägt dabei ein mehr individuelles Gepräge, als wir in indischen Werken anzutreffen gewohnt sind. — Der Br. Sph. Si. wurde commentirt von dem im 11. Jahrhundert lebenden Caturvedācārya Pṛthūdakasvāmin; bedeutende Teile wenigstens dieses wichtigen Commentars, der vielfach von COLEBROOKE benutzt wurde, sind erhalten.