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Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.60

Astronomie, Astrologie und Mathematik c3.s5.60

Language
German

c3.s5.60

§ 42. Schlussbemerkungen. — Aus der Zeit nach Jayasiṃha sind keine indischen astronomischen Werke von Bedeutung zu erwähnen. Die grosse Überlegenheit der persisch-arabischen Astronomie, die, wie wir sahen, hie und da bestimmt genug anerkannt wurde und in Sanskrit-Werken Ausdruck fand, hat doch schliesslich nicht dazu geführt, dass die altindischen Werke ihre Autorität verloren; die Berechnungen für den Kalender, die Bedürfnisse der Astrologen u. dgl., wurden nach wie vor nach den Methoden des S. S., des Siddhānta-Siromaṇi und der auf diesen Texten beruhenden Handbücher gemacht. Wäre die arabisch-persische Astronomie die einzige geblieben, die auf die indische Wissenschaft ihren Einfluss ausübte, so hätte sie vielleicht letztere nach und nach mehr umgestaltet. Tatsächlich aber erschien ja seit Ende des vorigen Jahrhunderts ein neuer mächtigerer Rivale auf der Bühne, die europäische Wissenschaft, die infolge der englischen Herrschaft langsam aber stetig auf die indischen Ansichten von der Beschaffenheit des Weltgebäudes und der astronomischen Methoden einzuwirken begann. Es wird zwar noch lange dauern, ehe das Ansehen der alten Litteratur ganz aufhören wird, praktische Folgen zu haben; die alten Werke werden noch überall in Indien von den professionellen Jyotiṣīs studirt, auch von solchen, denen die Überlegenheit europäischer Methoden nicht unbekannt ist; und Rechnungen besonders astrologischer Natur werden noch vielfach ganz nach den alten Lehrbüchern ausgeführt. Die alte Form des Kalenders mit ihren Tithis u. dgl., welche fest mit den religiösen Gebräuchen und festlichen Observanzen der Hindus verwachsen ist, erhält sich ebenfalls. Freilich werden nun aber fast allgemein die Kalender auf Grund der genaueren europäischen Einsicht in die wahren Bewegungen der Himmelskörper berechnet; und die »sāyana«-Form des Kalenders, der das tropische Jahr zu Grunde liegt, beginnt vielfach an die Stelle der »nirayana« oder siderischen Form zu treten, infolge deren im Laufe der Jahrhunderte der Jahresanfang sich mehr und mehr vom Frühlingsäquinoctium entfernt hatte. An eine eigentliche Weiterbildung der theoretischen Astronomie auf Grundlage der alten indischen Litteratur ist natürlich nicht zu denken, dazu ist die Kluft zwischen letzterer und der europäischen Wissenschaft zu ungeheuer. Die Beschäftigung mit der alten Astronomie wird für wohlunterrichtete Hindus in der Zukunft ein Studium von nur historischem Interesse sein; als solches freilich hat es viele anziehende Seiten und bietet noch manches Problem dar, das zum Nachdenken und Weiterforschen anregt. Nur ist zu wünschen, dass solche Studien in wahrhaft historischem Geiste betrieben werden mögen, und dass nicht, wie sich vielfach hierzu im heutigen Indien eine gewisse Tendenz zeigt, die Erwägungen und Schlüsse mehr von patriotischen Gefühlen geleitet werden als von dem vorurteilslosen Streben nach Wahrheit.

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