Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c10.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c10.1
- Language
- German
c10.1
§ 36. A. Die Zeilen. — Schon seit der ältesten Zeit wird in den auf geglätteten Steinen eingemeisselten Inschriften grosse Sorgfalt auf die Bildung von regelmässigen Zeilen verwendet und ist das Bestreben deutlich erkennbar, die oberen Enden der Mātṛkā auf eine Höhe zu bringen. Aśoka's Steinmetzen ist dies jedoch, selbst in den Säulenedicten und in G., Dh. und J., selten für mehr als einige Wörter, meist die einer Gruppe (s. u. B.), gelungen. In anderen ganz oder nahezu gleichzeitigen Documenten, wie der Ghasundi-Inschrift (s. o. S. 32), findet sich dagegen schon eine strengere Durchführung des späteren¹ und noch gültigen Grundsatzes, dass nur die Vocalzeichen, *ra*, u. s. w. über die Oberlinie hervorragen dürfen. Wahrscheinlich ist diese Regelmässigkeit durch die Einzeichnung der Oberlinie mit Kreide (wie noch jetzt geschieht) oder andere mechanische Hilfsmittel erreicht. Die Zeilen sind in den MSS. von der ältesten Zeit an sehr regelmässig und wohl vielfach mit Hülfe eines »Faullenzers« (s. u. § 37 I) hergestellt. In den alten Palmblatt-MSS. und meist auch in späteren Handschriften werden die Enden der Zeilen durch Doppellinien abgegrenzt. In den MSS. ist stets, und in Inschriften meist, von oben und nach unten zu lesen. Doch finden sich in den letzteren auch Fälle, wo die erste Zeile zu unterst steht². Auf den Münzen, besonders der Kuṣana und Gupta, kommen (wohl in Folge des Raummangels) auch Verticalzeilen vor³.