Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.13
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.13
- Language
- German
c11.13
Natürlich war der Gebrauch der edeln Metalle auf seltene, ausserordentliche Fälle beschränkt. Gewöhnlich, und wie die Funde zeigen, überaus häufig wurden dagegen seit der ältesten Zeit bis in die Gegenwart, Kupferplatten (*tāmrapaṭa*, *tāmrapaṭṭra*, *tāmraśāsana* oder gekürzt *tāmra*) für Schriftstücke verschiedener Art verwendet, besonders aber bei Schenkungen als Besitztitel ausgestellt. Nach Fahian (400 p. Chr.) besassen die buddhistischen Klöster Kupferplatten, die bis in die Zeit Buddha's zurückgingen (p. 55. Beal.) Nach Hiuen-Tsiang (vgl. B.ESIP. 86) liess Kaniṣka die heiligen Schriften der Buddhisten auf Kupfertafeln gravieren. Eine ähnliche, nach Burnell schlecht beglaubigte Geschichte wird von den Commentaren Sāyaṇa's zum Veda berichtet (Ṛ.V 1, p. XVII, Max Müller). Dagegen sind Kupferplatten mit litterarischen Werken in Tripatty wirklich gefunden (Burnell loc. cit.). Photographien von ganz modernen Kupferplatten aus Kashgar mit Warenverzeichnissen in Gurmukhī und Nāgarī sind mir durch S. von Oldenburg's Güte zugegangen. Das älteste erhaltene *tāmraśāsana*, die Sohgaura-Kupferplatte (S. 32), welche ohne Zweifel der Mauryaperiode angehört, ist in einer Sandform gegossen, in die die Buchstaben und die bildlichen Darstellungen über denselben eingezeichnet waren. Auf der Platte sind die Zeichen und Embleme desshalb erhaben. Alle anderen Kupferplatten sind gehämmert und manche zeigen noch deutliche Spuren der Hammerschläge. Ihre Dicke und Grösse ist sehr verschieden. Neben ganz dünnen Blättchen, die zusammengebogen gefunden sind und nur einige Loth wiegen, kommen solche vor, die ein Gewicht von 8—9 Pfund oder mehr haben.²⁶ Die stark wechselnde Grösse hängt zum Teil davon ab, ob in dem Lande ihres Ursprungs in den Kanzleien Bhūrja oder Palmblätter als Schreibmaterial verwendet wurde (Burnell) und zum Teil von dem Umfange des zu gravierenden Schriftstückes, der Grösse der Buchstaben u. s. w. Nach dem Formate eines Palmblattes ist, wie erwähnt. die Taxila-Platte zugeschnitten, sowie fast sämtliche Sāsana aus dem Süden. Dort machen nur die Kupferplatten der Yādava von Vijayanagara und ihrer Nachfolger eine Ausnahme, indem dieselben Stelen aus Stein nachahmen.²⁷ Alle übrigen Kupferplatten sind nach dem Formate der Bhūrjablätter zugeschnitten, sogar die von Suë-Bihār aus der Zeit des Kaniṣka. Für die Beeinflussung der Grösse durch den Umfang des Schriftstückes bieten die zahlreichen Platten der Valabhī-Dynastie interessante Belege.
Linked texts (1)
- Sohgaura copper plate (ed. Bühler 1896) — Prakrit