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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11: VIII. Schreibmaterialien, Bibliotheken, Schreiber

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11

Language
German

Contents

VIII. Schreibmaterialien, Bibliotheken, Schreiber

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§ 37. Schreibmaterialien¹. A. Birkenrinde. — Die innere Rinde oder der Bast des *Bhūrja* (Baetula Bhojpattr) von dem es im Himālaya ausgedehnte Wälder giebt, wird schon von Q. Curtius (VIII. 9) als das Schreibmaterial der Inder zur Zeit Alexanders erwähnt, sowie später häufig in den classischen Sanskritwerken². Sie wird auch schlechthin *lekhana* »Schreibmaterial« genannt und ein Document heisst auch *bhūrja*. Nach Bērūnī³ wurden Stücke, eine Elle lang und eine Spanne breit, zum Gebrauche zubereitet, indem man sie mit Oel einrieb und polierte. Die Kenntnis der Zubereitung ist jedoch in Kashmir verloren gegangen, seit die Einführung des Papieres während der Moghulperiode ein bequemeres Schreibmaterial geliefert hat⁴. In Kashmir finden sich aber noch immer ziemlich zahlreiche alte Bhūrja-MSS. Nach einer mündlichen Angabe Bhāu Dājī's sollen solche auch in Orissa vorkommen, und auf Bhūrja geschriebene Amulette sind im ganzen arischen Indien verbreitet⁵. Der Gebrauch der *bhūrjapattra* ist natürlich vom Nordwesten Indiens ausgegangen, hat sich aber anscheinend früh weithin verbreitet, da die Kupferplatten des centralen, östlichen und westlichen Indiens nach dem Formate derselben, das etwa unserm Quarto entspricht, zugeschnitten sind. Nach vielen Angaben in classischen Sanskritwerken und nach Bērūnī wurden auch alle Briefe auf Bhūrja geschrieben.

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Die ältesten gefundenen Schriftstücke auf Bhūrja sind wohl die von Masson in den Stūpa von Afghanistan entdeckten »*twists*« oder gefalteten und mit Zwirn zusammengebundenen Blättchen (S. 19). Dann folgt das Bower-MSS., dessen Blätter nach dem Formate der Palmblätter zugeschnitten und wie diese, um sie durch einen Bindfaden zusammenzuhalten, in der Mitte durchbohrt sind⁶. Die nächstfolgenden Stücke sind das Bakhshālī-MS., und dann kommen die Bhūrja-MSS. aus Kashmir in den Bibliotheken von Puṇa, London, Oxford, Wien, Berlin u. s. w., von denen keines älter als das 15. Jahrh. sein dürfte.

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B. Baumwollenzeug. Der Gebrauch von appretiertem Baumwollenzeug für Briefe wird von Nearchus (S. 6) bezeugt und auf *paṭa*, *paṭikā* oder *kārpāsika paṭa* wurden nach den metrischen Smṛti und einigen Inschriften der Andhraperiode königliche Schenkungen u. a. offizielle, sowie Privatdocumente geschrieben⁷. Nach Burnell verwenden die Kanaresen noch jetzt für Geschäftsbücher eine *kaḍatam* genannte Art von Zeug, welche mit einer Pasta aus Tamarindensamen bedeckt und mit Kohle geschwärzt wird. Die Buchstaben werden mit Kreide oder Steatitstiften eingezeichnet und erscheinen weiss auf schwarz. Im Bṛhajjñānakośa in Jesalmir findet sich ein Seidenband, auf dem eine Liste der Jaina-Sūtren mit Tinte verzeichnet ist.

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C. Holzbretter. Den Gebrauch von Holz- oder vielleicht Bambusplatten bezeugt für eine sehr alte Zeit die Stelle des Vinayapiṭaka, die das »Einschneiden« von Anweisungen zum religiösen Selbstmorde verbietet (S. 5). Ebenso bezeugen Jātaka 1, 451 und spätere Werke (S. 5) den Gebrauch des noch verwendeten Schreibbretts für Schulen. Bambusspähne mit dem Namen des Besitzers (*śalākā*) wurden den buddhistischen Mönchen als Legitimation gegeben (Burnouf, Introd. 259 Note). Eine Inschrift aus der Zeit des westlichen Kṣatrapa Nahapāna⁸ erwähnt Bretter (*phalaka*) in der Halle der Gilden zur Veröffentlichung von Darlehensverträgen, und Kātyāyana die Aufzeichnung von gerichtlichen Klagen auf Brettern vermittelst *pāṇḍulekha*⁹ »weisser Schrift« d. h. mit Kreide. Daṇḍin lässt Apahāravarman seine Liebeserklärung an die Prinzessin auf ein gefirnisstes Brett schreiben.¹⁰ MSS. auf gefirnissten Brettern, die in Birma häufig sind, haben sich bis jetzt in Indien nicht gefunden.

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Dagegen erwähnt RĀJENDRALĀL MITRA, op. cit. 18, dass in den North West Provinces arme Leute religiöse Werke mit Kreide auf schwarze Tafeln abschreiben.

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C. Blätter. — Blätter (*paṇṇa*) waren dem buddhistischen Kanon zufolge (S. 5) das gewöhnlichste Schreibmaterial der ältesten Zeit. Die Pflanzen, von denen man sie nahm, werden jedoch nicht genannt.¹¹ Es ist indess nicht zweifelhaft, dass es die ursprünglich wohl in Südindien einheimischen, jetzt aber bis ins Panjab verbreiteten grossblättrigen Palmen, der *tāḍa-tāla* (Borassus flabelliformis) und die *tāḍī-tālī* (Corypha umbraculifera, C. taliera) waren, deren Blätter hauptsächlich verwendet wurden. Wenn auch erst die Horiuzi-Palmblätter aus dem 6. Jahrh. das älteste Beispiel für den Gebrauch von *tālapaṭṭra* liefern und erst Hiuen-Tsiang ein Jahrh. später ihren Gebrauch für ganz Indien bezeugt,¹² so sind doch deutliche Anzeichen vorhanden, dass derselbe selbst im Nordwesten in eine sehr viel frühere Zeit zurückgeht. Wie erwähnt, sind die *bhūrjapaṭṭra* des Bower-MS. nach dem Formate der Palmblätter zugeschnitten und dasselbe gilt von der Taxila-Kupferplatte (S. 25), die spätestens aus dem 1. Jahrh. p. Chr. stammt.

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Eine im Leben Hiuen-Tsiang's aufbewahrte, im Siyuki nicht gegebene Tradition¹³ behauptet sogar, dass die kanonischen Bücher der Buddhisten auf dem 1. Concile auf Palmblättern niedergeschrieben wurden. Hieraus darf man wenigstens folgern, dass die Buddhisten des 7. Jahrh. den Gebrauch derselben für uralt hielten. Nach RĀJENDRALĀL MITRA¹⁴ werden die Palmblätter zum Gebrauche für MSS. zubereitet, indem man dieselben zunächst trocknet, dann kocht oder ins Wasser legt, darauf wieder trocknet, mit Steinen oder Śaṅkha-Muscheln glättet und dann zuschneidet. Die Länge der Blätter der erhaltenen alten MSS., welche noch vielfach Spuren einer künstlichen Zubereitung zeigen, variiert zwischen ungefähr einem und drei Fuss, die Breite zwischen 1¹/₄ und 4 Zoll¹⁵. Nach BURNELL¹⁶ gibt man sich im dravidischen Indien keine Mühe mit der Zubereitung und vernachlässigt es sogar meist, die Blätter gehörig zu beschneiden. Wie die Horiuzi-Palmblätter und die zahlreichen MSS. des 9. und späterer Jahrh. aus Nepal, Bengalen, Rajputana, Gujarat und dem nördlichen Dekhan zeigen, wurden die Palmblätter im nördlichen, östlichen, centralen und westlichen Indien seit alter Zeit mit Tinte beschrieben. Seit der Einführung des Papieres werden sie aber in diesen Teilen Indiens für MSS. (ausser in Bengalen für den Caṇḍīpāṭha)¹⁷ nicht mehr verwendet.

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Im dravidischen Indien, sowie in Orissa, werden dagegen die Buchstaben mit einem Griffel eingeritzt und nachher mit Russ oder Kohle geschwärzt. Der Gebrauch der Palmblätter für MSS. ist noch jetzt im südlichen Indien gewöhnlich. Das älteste dort erhaltene MS. stammt nach BURNELL¹⁸ aus dem Jahre 1428 p. Chr. Die Palmblatt-MSS. haben entweder ein Loch in der Mitte oder zwei rechts und links, durch welche Fäden, (*sūtra* oder *śarayan-traka*¹⁹) zum Zusammenhalten der Blätter gezogen werden.

c11.9

Palmblätter wurden und werden in Südindien auch für Briefe, offizielle und Privatdocumente verwendet, sowie dort und in Bengalen im rohen Zustande in den Schulen gebraucht²⁰.

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ADAMS²¹ erwähnt, dass in den letzteren auch auf Bananenblättern mit Lampenruss-Tinte geschrieben wird.

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D. Felle und Pergament. — D'ALWIS behauptet²², dass in buddhistischen Quellen Felle als Schreibmaterial erwähnt werden, ohne indess die Stellen anzugeben, und man könnte aus der oben (S. 78) erwähnten Stelle der Vāsavadattā vielleicht auf den Gebrauch von Fellen schliessen. In Indien hat sich indess bis jetzt kein MS. auf Leder gefunden, was bei der rituellen Unreinheit tierischer Stoffe natürlich ist. Ein unbeschriebenes Stück Pergament fand sich unter den MSS. des Bṛhajjñānakosha in Jesalmīr. Neuerdings sollen beschriebene Stücke Leder aus Kashgar nach Petersburg gekommen sein.

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E. Metalle. — Die Jātaka²³ erwähnen wiederholt die Aufzeichnung von Familiennachrichten, Versen und Lehren der Moral auf goldenen Platten und nach Burnell²⁴ wurden solche auch für offizielle Schreiben und Landschenkungen verwendet. Eine Goldplatte mit einer Votivinschrift in Kharoṣṭhī-Schrift hat sich im Stūpa von Gāngu bei Taxila gefunden (C.ASR. 2, Pl. 59, p. 129). Specimina von kleinen MSS. und offiziellen Urkunden auf silbernen Platten sind gleichfalls erhalten,²⁵ darunter eines aus dem sehr alten Stūpa von Bhaṭṭiprolu.

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Natürlich war der Gebrauch der edeln Metalle auf seltene, ausserordentliche Fälle beschränkt. Gewöhnlich, und wie die Funde zeigen, überaus häufig wurden dagegen seit der ältesten Zeit bis in die Gegenwart, Kupferplatten (*tāmrapaṭa*, *tāmrapaṭṭra*, *tāmraśāsana* oder gekürzt *tāmra*) für Schriftstücke verschiedener Art verwendet, besonders aber bei Schenkungen als Besitztitel ausgestellt. Nach Fahian (400 p. Chr.) besassen die buddhistischen Klöster Kupferplatten, die bis in die Zeit Buddha's zurückgingen (p. 55. Beal.) Nach Hiuen-Tsiang (vgl. B.ESIP. 86) liess Kaniṣka die heiligen Schriften der Buddhisten auf Kupfertafeln gravieren. Eine ähnliche, nach Burnell schlecht beglaubigte Geschichte wird von den Commentaren Sāyaṇa's zum Veda berichtet (Ṛ.V 1, p. XVII, Max Müller). Dagegen sind Kupferplatten mit litterarischen Werken in Tripatty wirklich gefunden (Burnell loc. cit.). Photographien von ganz modernen Kupferplatten aus Kashgar mit Warenverzeichnissen in Gurmukhī und Nāgarī sind mir durch S. von Oldenburg's Güte zugegangen. Das älteste erhaltene *tāmraśāsana*, die Sohgaura-Kupferplatte (S. 32), welche ohne Zweifel der Mauryaperiode angehört, ist in einer Sandform gegossen, in die die Buchstaben und die bildlichen Darstellungen über denselben eingezeichnet waren. Auf der Platte sind die Zeichen und Embleme desshalb erhaben. Alle anderen Kupferplatten sind gehämmert und manche zeigen noch deutliche Spuren der Hammerschläge. Ihre Dicke und Grösse ist sehr verschieden. Neben ganz dünnen Blättchen, die zusammengebogen gefunden sind und nur einige Loth wiegen, kommen solche vor, die ein Gewicht von 8—9 Pfund oder mehr haben.²⁶ Die stark wechselnde Grösse hängt zum Teil davon ab, ob in dem Lande ihres Ursprungs in den Kanzleien Bhūrja oder Palmblätter als Schreibmaterial verwendet wurde (Burnell) und zum Teil von dem Umfange des zu gravierenden Schriftstückes, der Grösse der Buchstaben u. s. w. Nach dem Formate eines Palmblattes ist, wie erwähnt. die Taxila-Platte zugeschnitten, sowie fast sämtliche Sāsana aus dem Süden. Dort machen nur die Kupferplatten der Yādava von Vijayanagara und ihrer Nachfolger eine Ausnahme, indem dieselben Stelen aus Stein nachahmen.²⁷ Alle übrigen Kupferplatten sind nach dem Formate der Bhūrjablätter zugeschnitten, sogar die von Suë-Bihār aus der Zeit des Kaniṣka. Für die Beeinflussung der Grösse durch den Umfang des Schriftstückes bieten die zahlreichen Platten der Valabhī-Dynastie interessante Belege.

c11.14

Wenn, wie meist der Fall ist, mehrere Platten für ein Document nötig waren, so wurden sie durch einen oder zwei Kupferringe verbunden, welche durch runde Löcher in der Platte (im Süden, an der linken Seite, oder in anderen Gegenden Indiens, in dem unteren Teile der 1., dem oberen der 2., dem unteren der 3. u. s. w.) gehen. Die Ringe entsprechen den Bindfäden, welche die Palmblatt-MSS. zusammenhalten und sie machen viele *tāmraśāsana* zu kleinen Bändchen, die man bequem aufschlagen kann.²⁸ Die Zeilen laufen stets, ausser in den Kupferplatten von Vijayanagara, der Breitseite parallel. Die Buchstaben sind gewöhnlich eingemeisselt (BURNELL), seltener mit einem Griffel (vgl. S. 20) eingeritzt. Um die Schrift zu schützen sind die Ränder häufig verdickt²⁹ und bleibt die Aussenseite der ersten und letzten Platte unbeschrieben. Votivinschriften auf den Basen von kupfernen Statuen kommen mehrfach vor, eine einzige Praśasti findet sich auf einer eisernen Säule, dem sogenannten Iron Pillar von Delhi.³⁰ Die Inschriften und Embleme auf den kupfernen Siegeln der Platten sind erhaben und durch Prägung oder durch Guss hergestellt. Nach Bāṇa³¹ war das Siegel des Königs Harṣa von Gold.

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F. Stein. — Steine der verschiedensten Art, vom ungeglätteten oder geglätteten Basalt- oder Lateritblock (*śilāphalaka*) bis zur künstlerisch behandelten Säule (*śilāstambha*) und Prismen von Krystall sind seit der ältesten Zeit das gewöhnlichste Material gewesen, um Documente, wie Aśoka sich ausdrückt, *ciraṭṭhitika* zu machen. Dabei ist es gleichgültig, ob dieselben officiell oder privater Natur sind, ob sie königliche Proclamationen, Sendschreiben, Schenkungen, Staats- oder Privatverträge, oder poetische Ergüsse, insbesondere Gelegenheitsgedichte enthalten. Es finden sich sogar einige Beispiele von der Einmeisselung grösserer, literarischer Werke wie der Dramen des Cāhamānakönigs Vigraha IV. und seines Hofdichters Somadeva in Ajmīr³² und des in Sarga geteilten Sthalapurāṇa eines Jaina-Dichters in Bijholli, dessen Abklatsche (unpubliciert) ich FÜHRER und G. H. OJHA verdanke.

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G. Papier. — Papier wurde in der Periode, auf welche sich dieser Grundriss bezieht, in Indien wenig oder gar nicht gebraucht, da es erst durch die Muhammedaner eingeführt ist. Nur die alten in Kashgar gefundenen Weber-MSS. und entsprechende Stücke der Petroffski-Sammlung in Petersburg, welche auf einem mit Gyps überzogenen Papiere geschrieben sind,³³ machen die Erwähnung nötig. Möglicher Weise sind einige derselben im nordwestlichen Indien geschrieben. RAJENDRALAL MITRA behauptet (op. cit. 16), dass der Gebrauch des Papieres schon im 11. Jahrh. in Mālva bekannt gewesen sei, wie ein Briefsteller des Königs Bhoja von Dhār beweisen soll. Das älteste Papier-MS. in Gujarat (Catalogue 1, p. 238, Nr. 147) soll 1223/4 p. Chr. geschrieben sein.

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H. Tinte. — Der älteste, sicher indische Namen der Tinte ist *maṣi* oder *maṣī*, wofür auch oft *masi* oder *masī* geschrieben wird. Das Wort, welches als v. l. schon in einem Gṛhyasūtra vorkommt, ist von *maṣ hiṃsāyām* abgeleitet und bedeutet ursprünglich, »Zerriebenes, Pulver«.³⁴ Dann bezeichnet es verschiedene zerriebene Kohlenarten, die mit Wasser und Gummi arabicum, Zucker u. s. w. vermischt, als Tinte verwendet wurden.³⁵ In der classischen Sanskritliteratur ist *maṣī* mit der Bedeutung »Tinte« keineswegs, wie BURNELL meint, auf späte Werke beschränkt, sondern schon Subandhu und Bāṇa bekannt.³⁶ Einen zweiten Namen der Tinte *melā* haben BENFEY und HINCKS aus dem griechischen μέλας ableiten wollen. Das Wort dürfte aber das Fem. des Prakrit-Adjectivs *maila* »schmutzig, schwarz« (scil. *maṣī*) sein, welches schwerlich ein Lehnwort ist. Auch *melā* erscheint schon bei Subandhu³⁷ in dem Denominativ *melānandāyate* »wird zum *melānanda* oder Tintenfass«. Für *melānanda* kommt in den Koṣa *maṣīmaṇi* und in den Puranen *maṣīpātra* oder *maṣībhāṇḍa* vor.

c11.18

Dass die Inder im 4. Jahrh. a. Chr. Tinte gebrauchten, wird durch die schon erwähnten Angaben des Nearchus und Q. Curtius sehr wahrscheinlich, denen zufolge sie auf Baumwollenzeug und Bhūrja schrieben. Diese Wahrscheinlichkeit wird durch die Substitution von Puncten für Schleifen in einigen Buchstaben der A. Ed. noch verstärkt. Nicht später als das 2. Jahrh. a. Chr. ist die älteste Probe von Tintenschrift auf dem Steingefässe, aus dem Stūpa von Andher (S. 30). Aus den ersten Jahrh. p. Chr. stammen die beschriebenen »twists« von Bhūrja und die Steingefässe mit gemalten Kharoṣṭhī-Buchstaben (S. 19 f.) und einige Jahrh. später kommen die alten MSS. auf Bhūrja- und Palmblättern. Gemalte Inschriften kommen noch in den Höhlen von Ajanta vor.³⁸

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Farbige Tinten, mit denen in späterer Zeit besonders die Jaina sehr schöne MSS. hergestellt haben,³⁹ werden auch in brahmanischen Werken, z. B. in den Abschnitten der Puranen über Schenkungen von MSS., mehrfach erwähnt.⁴⁰ Als Surrogat für Tinte wurde in alter Zeit neben der schon erwähnten Kreide, auch Mennige (*hingula*) gebraucht.⁴¹

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I. Federn, Schreibstifte u. s. w. — Der allgemeine Ausdruck für »ein Instrument zum Schreiben« ist *lekhanī*, der sich schon im Epos findet¹² und natürlich den Stilus, Stifte, Pinsel, Rohr- und Holzfedern einschliesst. Mit dem im Lalitavistara (S. 5) erwähnten *varṇaka* ist ohne Zweifel das Stöckchen ohne Spalt gemeint, mit dem noch jetzt die Schulkinder die Buchstaben mit in Wasser aufgelöster Kreide auf die Schreibtafel malen. In den Koṣa findet sich *varṇikā*. Die *varṇavartikā* bei Daṇḍin (loc. cit.) wird ein Farbenpinsel oder Farbenstift sein, da die *vartikā* auch zum Malen oder Zeichnen verwendet wurde.¹³ *Tūlī* oder *tulikā* dürfte auch die erstere Bedeutung gehabt haben, wird aber auch durch das moderne *saḷaī* »graver« erklärt.¹⁴ Der gewöhnliche Namen der Rohrfeder ist das im ganzen Orient verbreitete Wort *kalama* κάλαμος, calamus u. s. w., der seltenere, einheimische indische Namen ist *iṣīkā* oder *īṣīkā*, wörtlich »Schilf, Rohr«.¹⁵ Nach Art der Federn zugespitzte Rohre, Bambusspähne oder Holzstückchen werden jetzt in allen Gegenden von Indien gebraucht, in denen mit Tinte geschrieben wird,¹⁶ und mit Federn dieser Art sind augenscheinlich alle die erhaltenen alten MSS. auf Palmblättern und Bhūrja geschrieben.¹⁷ Der Sanskritnamen des im Süden gebräuchlichen Stilus ist *śalākā*, im Marāṭhī, *saḷaī*. Über die jetzt gebräuchliche, mit Fäden bespannte Unterlage und ihre wahrscheinlichen Vorläufer, siehe die Anecdota Oxon. loc. cit.

c11.21

§ 38. Aufbewahrung der MSS. u. s. w. — A. MSS. — Die auf Bindfäden gezogenen Bhūrja- und Palmblätter erhielten, wie die Papier-MSS. der modernen Zeit, Deckplatten von Holz¹. Im Süden von Indien sind die Deckplatten gewöhnlich mit Löchern versehen, durch welche die meist langen Bindfäden hindurchgezogen werden. Diese werden dann um die Platten herumgewickelt und verschlungen oder verknotet. Dasselbe Verfahren war schon früh im Gebrauch² und wurde bei den alten Palmblatt-MSS. im westlichen und nördlichen Indien beobachtet. Um die so hergestellten MSS. (*pustaka*), wie auch um die Papier-MSS., werden gewöhnlich farbige, mitunter bunt gestickte Tücher geschlagen. In den Jaina-Bibliotheken stecken die Palmblatt-MSS. bisweilen in kleinen, oben zugeschnürten Säckchen aus weissem Baumwollenzeug und diese wieder in Blechschachteln. Zur Aufbewahrung der Sammlungen, die häufig catalogisirt sind und in Klöstern sowie an den Fürstenhöfen unter der Obhut eigener Bibliothekare stehen, dienen Holzkisten, seltener Holzgestelle. Nur in Kashmir, wo die MSS. jetzt nach muhammedanischem Brauche in Leder gebunden sind, stellt man dieselben wie unsere Bücher auf. Der alte indische Namen für eine Bibliothek, *bhāratībhaṇḍāgāra*, »Schatzhaus der Göttinn der Rede«, kommt in Jaina-Werken öfter vor, seltener das jetzt gebräuchliche Synonym, *sarasvatībhaṇḍāgāra*. Solche Bibliotheken fanden und finden sich noch jetzt in Tempeln³, Bursen (*vidyāmaṭha*), Klöstern⁴ (*maṭha*, *upāśraya*, *vihāra*, *saṅghārāma*) an den Höfen der Fürsten und in den Häusern vieler Privatleute. Die Puranen machen den Reichen Schenkungen von Büchern an Tempel u. s. w. zur heiligen Pflicht⁵. Noch mehr liegt diese Pflicht den Jaina- und Bauddha-Laien ob, welche dieselbe, wie die Praśasti der alten MSS. zeigen, willigst und freigebigst erfüllt haben. Eine berühmte fürstliche Bibliothek der späteren Zeit war z. B. die des Bhoja von Dhār (11. Jahrh.), welche Siddhāraja-Jayasiṁha um 1140 p. Chr. bei der Eroberung von Mālva nach Aṇhilvāḍ bringen liess⁶. Dort wird sie wohl der Hofbibliothek der Caulukya einverleibt sein, von welcher in Werken des 13. Jahrh. öfter die Rede ist. Aus dem *bhāratībhaṇḍāgāra* des Caulukya-königs Vīsaladeva oder Viśvamalla (1244—62) erhielt Vidyādhara, der Verfasser des ältesten Commentars zum Naiṣadhīya, der unpublicirten Praśasti zufolge, das MS. des Originals, und Yaśodhara, der Verfasser der Jayamaṅgalā, das MS. des Kāmasūtra⁷. Abschrift eines MS. aus derselben Bibliothek ist eine der Bonner Handschr. des Rāmāyaṇa⁸.

c11.22

Dass es schon früh bedeutende Privatbibliotheken gegeben haben muss, folgt z. B. daraus, dass Bāṇa (ca. 620 p. Chr.) einen eigenen Vorleser (*pustakavācaka*) hielt, dessen Manipulationen mit dem Vāyupurāṇa im Harṣacarita, 95 (Nirṇay. Sāg. Ed.) beschrieben werden. BURNELL'S Angaben⁹ über die schlechte Behandlung der MSS. durch die Brahmanen werden selbst für Südindien schwerlich allgemein gültig sein. In Gujarat, Rajputana, dem Marathenlande, in Nord- und Centralindien habe ich, neben manchen verwahrlosten, ganz vorzüglich gehaltene Bibliotheken im Besitze von Brahmanen und Jaina-Mönchen gesehen. Die Behandlung der Bücher hängt meistens nur von dem Grade des Wohlstandes der Besitzer ab¹⁰.

c11.23

B. Kupferplatten. — Sehr eigentümlich scheint die Aufbewahrung der Kupferplatten bei Privaten gewesen zu sein. Wie die Umstände bei vielen Funden z. B. in Valā (Valabhī) zeigen, wurden sie häufig in die Wände oder selbst die Fundamente der Häuser der Besitzer eingemauert. Ebenso häufig wurden sie in kleine Behälter aus Ziegelsteinen mitten in den Feldern, deren Schenkung sie beurkundeten, niedergelegt. Die Finder oder auch arme Besitzer verkauften sie oft an Händler (Vāṇiā) oder verpfändeten sie denselben. Durch diese Sitte sind die oft bedeutend weiten Wanderungen der Platten und Siegel zu erklären. Die Originale, nach denen die Kupferplatten angefertigt sind, wurden wahrscheinlich in den königlichen Kanzleien aufbewahrt, deren Archivare (*akṣapaṭalika*, *akṣaśālika*, *akṣaśālin*) oft erwähnt werden.

c11.24

C. Die Couvertirung von Briefen. — Schon in den Jātaka wird der Gebrauch erwähnt, wichtige Briefe in weisses Zeug einzuwickeln und das Packet zu versiegeln¹¹. Jetzt werden ceremonielle Schreiben mitunter in verschnürten Beuteln aus Seidenstoff oder Brokat versendet. Bei Briefen auf Palmblättern werden die Enden gespalten, das Blatt rund zusammengefaltet und mit einem Faden zusammengebunden¹². Ähnlich werden die Briefe auf Bhūrja behandelt sein. Die Postboten (*dīrghādhvaga*, *lekhahāraka*) pflegten nach Bāṇa¹³ die Briefe in Streifen Zeug einzuknoten und diese um den Kopf gebunden zu tragen.

c11.25

¹ Bērūnī, India, 1, 171 (Sachau). —

c11.26

² Vgl. Harṣacarita, 95, wo das *sūtraveṣṭanam* erwähnt wird. —

c11.27

³ Vgl. die Notizen über Bücherschenkungen an Tempel in Inschr. z. B. Inscriptions du Cambodge, 30—31; SII, 1, 154. —

c11.28

⁴ Vgl. die Notiz in der Valabhī-Inschr. (IA, 7, 67) von 568/9 über die Schenkung an das Kloster der Duddā zum Ankauf von Büchern des *saddharma* (*pustakopakara..*). —

c11.29

⁵ Hemādri, Dānakhaṇḍa, 544 ff. —

c11.30

⁶ Vgl. D. Leben des J.-M. Hemacandra, D.WA, 183, 231. —

c11.31

⁷ Kāmasūtra, 364, Note 4 (ed. Durgāpr.). —

c11.32

⁸ Wirtz, die westl. Rec. des Rāmāyaṇa, 17 f. —

c11.33

⁹ B.ESIP, 86. —

c11.34

¹⁰ Vgl. Rajendralal Mitra, in Gough's Papers etc., 21. —

c11.35

¹¹ B.SI, III, 8, Fausböll, J. 2, 173 f. —

c11.36

¹² B.ESIP, 89. —

c11.37

¹³ Harṣacarita, 58, 167. ¹ EI, 2, 369, 372. — ² Vgl. z. B. EI, 1, 1 ff. (Ende), CII, 3, Nr. 18 (Ende), 80 (Ende) und Fleet's Note im Index. — ³ Kashmir Report, 33; Rājendralāl Mītra, op. cit., 22; Kielhorn's und Peterson's Reports *passim* und Bendall's Catalogue. — ⁴ Vgl. z. B. Amarakoṣa, 183, 15 (Bombay Govt. Ed.). — ⁵ P. 239 (Hall). — ⁶ EI, 2, 102. — ⁷ IA, 6, 10. — ⁸ Colebrooke, Essays, 2, 161, 169 (Cowell), über die Kāyastha-Prabhu in Bombay, vgl. Bo. Gaz. 13, 1, 87 ff. — ⁹ IA, 19, 55; später sehr häufig selbst in Gujarat, IA, 6, 192, Nr. 1 ff., und in Kalinga, EI, 3, 224. — ¹⁰ Yājñavalkya, 1, 72; Vaijayantī, 73, 17; 137, 23; vgl. BRW, *karaṇa*, 3 b. — ¹¹ Vgl. z. B. EI, 1, 81, 129, 166; IA, 16, 175; 18, 12 u. s. w. — ¹² Harṣacarita, 227 (N.S. Ed.), IA, 12, 121. — ¹³ IA, 20, 315. — ¹⁴ IA, 16, 208. — ¹⁵ Vgl. den Ausdruck *karaṇikāyastha*, IA, 17, 13; Bendall, Cat. 70, Nr. 1364. — ¹⁶ B.ASRWI, 4, 79 f.; B.IS, III, 38, Note; IA, 12, 190. — ¹⁷ Vgl. z. B. EI, 1, 45, Autor: Ratnasiṃha, Schreiber: Kṣatriya Kumārapāla, Steinmetz: rūpakāra Saṃpula; EI, 1, 49, Autor: Devagaṇa, Schreiber und Steinmetz: wie oben; EI, 81, Autor: Nehila, Schreiber: Karaṇika Gauḍa Takṣāditya, Steinmetz: Somanātha ṭaṅkavijñānaśālin »erfahren in der Kunst des Einmeisselns«; sowie analoge Angaben in EI, 1, 129, 139, 211, 279 u. s. w. — ¹⁸ Z. B. der Dichter Kubja in Rice's neuer Praśasti von Tālgund und Divākarapaṇḍita in der Anjaneri-Inschr. IA, 12, 127. — ¹⁹ Vgl. IA, 11, 103 u. 107; 17, 140. — ²⁰ IA, 19, 248; J.BBRAS, 13, 4. — ²¹ EI, 3, 158, 250, wo es heisst, dass der *tvaṣṭā* Vīraṇācārya die Kupfpl. des Acyutarāya und des Veṅkaṭarāya geschrieben hat, wie auch die des Sadāśivarāya von 1556 p. Chr. — ²² IA, 17, 227, 230, 236. — ²³ IA, 15, 360. — ²⁴ IA, 18, 17; EI, 3, 314. — ²⁵ IA, 17, 234. — ²⁶ IA, 16, 208, auch der *lohakāra* Kūke wird IA, 17, 230 *vināṇī*, d. h. *vijñānika*, genannt. — ²⁷ IA, 13, 123; 18, 145; EI, 3, 19. — ²⁸ Bhandarkar, Report of 1882/3, 38; Kashmir Report, 75; für Briefsteller vgl. Gough, Papers etc., 16 u. 133, u. B.ESIP, 89.

§ 39. Schreiber, Graveure und Steinmetzen

c11.s1.1

— Obgleich das älteste indische Alphabet eine Schöpfung der brahmanischen Schulmänner ist (S. 18) und der Schreibunterricht bis auf die neueste Zeit hauptsächlich in den Händen der Brahmanen geblieben ist, so finden sich doch schon früh Anzeichen, dass es professionelle Schreiber gab, die einen eigenen Stand oder Kaste bildeten. Der älteste Namen derselben ist das schon im südbuddhistischen Kanon und im Epos gebräuchliche Wort *lekhaka* (S. 5). In der Sānci-Inschrift St. I. Nr. 143¹ wird es deutlich zur Bezeichnung der Profession des Gebers gebraucht. Man kann jedoch zweifeln, ob es, wie ich es gefasst habe, »Abschreiber von MSS.« oder »Schreiber« überhaupt, d. h. auch »Kanzlist« bedeutet. In manchen späteren Inschriften² bezeichnet es ohne Zweifel die Anfertiger der auf Kupfer oder Stein einzumeisselnden Documente². In der heutigen Zeit ist der *lekhak* stets ein Copist von MSS. und seine Profession ist meist die letzte Zuflucht armer Brahmanen, seltener alter Kanzlisten (Kāyasth, Karkun). Bei den Jaina wurden und werden viele MSS., wie deren Praśasti beweisen, von Mönchen, Novizen oder selbst Nonnen geschrieben, bei den Bauddha von Nepal, von den Bhikṣu, Vajrācārya u. s. w.³

c11.s1.2

Ein zweiter Namen der professionellen Schreiber, der schon im 4. Jahrh. n. Chr. üblich war (S. 5) ist das oben besprochene Wort *lipikara* oder *libikara*, das in den Koṣa⁴ als Synonym von *lekhaka* aufgeführt und in der Vāsavadattā⁵ schlechthin für »Schreiber« gebraucht wird. Aśoka (F. Ed. XIV) bezeichnet damit seine Kanzlisten und in den Sānci-Inschriften St. I, Nr. 49⁷ gibt sich Subāhita Gotiputa den Titel *rājalipikara* »Schreiber des Königs.« Wahrscheinlich wurde dies Wort in der älteren Zeit ausschliesslich in der Bedeutung »Kanzlist« verwendet. In einer Anzahl von Valabhī-Inschriften des 7.—8. Jahrh. n. Chr. erhält der Schreiber des Documentes, der gewöhnlich der »Minister für Allianzen und Krieg« (*saṃdhivigrahādhikṛta*) ist, den Titel *divirapati*, *divīrapati*. *Divira*-*divīra* ist das persische *debīr* »Schreiber«, welches während der Sassanidenzeit, wahrscheinlich in Folge des lebhaften Handelsverkehrs, in Kathiawar als Lehnwort heimisch geworden ist. *Divira* erscheint gleichfalls in der Rājatarangiṇī und in andern kashmirischen Werken der späteren Zeit. In Kṣemendra's Lokaprakāśa werden sogar verschiedene Classen *gañjadivira* »Bazaarschreiber«, *grāmadivira* »Dorfschreiber«, *nagara-divira* »Stadtschreiber« und *khavāsadivira* (?) erwähnt⁷.

c11.s1.3

Die beiden genannten und andere Werke des 11. Jahrh. gebrauchen zur Bezeichnung von Schreibern auch den Ausdruck *kāyastha*, der zuerst bei Yājñavalkya (1. 335) vorkommt und noch jetzt im nördlichen und östlichen Indien gewöhnlich ist. Die Kāyastha sind aber eine streng abgeschlossene Kaste, welche, obwohl sie Sūdrablut in den Adern haben soll, auf eine hohe Stellung Anspruch macht⁸ und oft eine solche, sowie grossen politischen Einfluss, wirklich besessen hat. In den Inschriften lässt sich das Wort vom 8. Jahrh. an nachweisen, zuerst in der Kaṇasva-Inschrift von 738/9 p. Chr. aus Rajputana.⁹ Neben Kāyastha findet sich auch häufig *karaṇa*¹⁰ und *karaṇika*¹¹, seltener *karaṇin*¹², *śāsanika*¹³ und *dharmalekhin*.¹⁴ *Karaṇa* ist wahrscheinlich nur ein anderer Namen der Kāyastha, da es auch eine Kaste arischen Halbbluts bezeichnet¹⁵. Die anderen Termini, unter denen *karaṇika* von KIELHORN mit »writer of legal documents« (*karaṇa*) übersetzt wird, sind wahrscheinlich offizielle Titel ohne Nebenbeziehung auf die Kaste. Die Entwickelung der Alphabete und die Erfindung neuer Schriftformen ist neben den Brahmanen, Jaina- und Bauddha-Mönchen besonders den professionellen Schreibern und den Schreiberkasten zuzuschreiben, nicht, wie mitunter geschieht, den Steinmetzen und den Graveuren der Kupfertafeln, welche ihrer Bildung und Beschäftigung nach dazu wenig geeignet waren¹⁶.

c11.s1.4

Wie die Notizen am Ende verschiedener Inschriften zeigen, wurden von den auf Stein eingemeisselten poetischen Praśasti, Kāvya u. s. w., gewöhnlich durch einen Schreiber eine Reinschrift hergestellt, welche der Steinmetz (*sūtradhāra*, *śilākūṭa*, *rūpakāra*, *śilpin*) benutzte.¹⁷ Hiermit stimmt, was ich selbst in einem Falle gesehen habe. Der Steinmetz erhielt ein Blatt mit der Reinschrift des einzumeisselnden Documentes, einer Tempelinschrift, das genau die Grösse des zu benutzenden Steines hatte, zeichnete die Buchstaben danach unter der Aufsicht eines Pandit auf den Stein und meisselte sie dann ein. In einigen Fällen dagegen behaupten die Autoren, dass sie selbst die Arbeit des Steinmetzen gethan haben¹⁸ und in einigen andern sagen die Steinmetzen, dass sie die Reinschrift besorgt haben¹⁹.

c11.s1.5

Die Angaben über die Herstellung der Śāsana auf Kupfertafeln sind ungenauer und spärlicher. Gewöhnlich wird nur der Schreiber genannt, der meist ein höherer Beamter, Minister, (*amātya*, *sāṃdhivigrahika*, *rahasika*) oder ein General (*senāpati*, *balādhikṛta*) ist. Statt solcher kommt mitunter ein *sūtradhāra*²⁰ oder *tvaṣṭā*²¹ als Schreiber vor, der aber in Wirklichkeit wohl nur die Gravierung besorgt hat. Nur selten und in später Zeit wird gesagt, durch wen die Platte graviert (*utkīrṇa*, *unmīlita*) ist. Als Graveure werden meist verschiedene Handwerker genannt, ein *lohakāra* oder *ayaskāra*²², womit der Kansār oder Kupferschmied der heutigen Zeit gemeint sein wird, ein *sūtradhāra*²³, »Steinmetz«, *hemakāra* oder *sunara*²⁴ (wahrscheinlich für *soṇāra*) »Goldschmied«,« ein *śilpin*²⁵, oder *vijñānika*²⁶ »kunstfertiger Handwerker.«

c11.s1.6

In den Śāsana der Gaṅga von Kaliṅga wird die Gravierung häufig dem *akṣaśālin*, oder *ākṣaśālika* »Archivar« zugeschrieben²⁷, womit aber nur gemeint sein dürfte, dass dieser die Gravierung überwachte. Für Kanzlisten und Schreiber gab es auch Handbücher, welche Formulare für Landschenkungen und Staatsverträge, sowie für Briefe, Schuldbriefe, Wechsel, (*huṇḍī*) u. s. w. enthielten. Erstere finden sich in der Lekhapañcāśikā und letztere in Kṣemendra-Vyāsadāsa's Lokaprakāśa²⁸.

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