Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.s1.2
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.s1.2
- Language
- German
c11.s1.2
Ein zweiter Namen der professionellen Schreiber, der schon im 4. Jahrh. n. Chr. üblich war (S. 5) ist das oben besprochene Wort *lipikara* oder *libikara*, das in den Koṣa⁴ als Synonym von *lekhaka* aufgeführt und in der Vāsavadattā⁵ schlechthin für »Schreiber« gebraucht wird. Aśoka (F. Ed. XIV) bezeichnet damit seine Kanzlisten und in den Sānci-Inschriften St. I, Nr. 49⁷ gibt sich Subāhita Gotiputa den Titel *rājalipikara* »Schreiber des Königs.« Wahrscheinlich wurde dies Wort in der älteren Zeit ausschliesslich in der Bedeutung »Kanzlist« verwendet. In einer Anzahl von Valabhī-Inschriften des 7.—8. Jahrh. n. Chr. erhält der Schreiber des Documentes, der gewöhnlich der »Minister für Allianzen und Krieg« (*saṃdhivigrahādhikṛta*) ist, den Titel *divirapati*, *divīrapati*. *Divira*-*divīra* ist das persische *debīr* »Schreiber«, welches während der Sassanidenzeit, wahrscheinlich in Folge des lebhaften Handelsverkehrs, in Kathiawar als Lehnwort heimisch geworden ist. *Divira* erscheint gleichfalls in der Rājatarangiṇī und in andern kashmirischen Werken der späteren Zeit. In Kṣemendra's Lokaprakāśa werden sogar verschiedene Classen *gañjadivira* »Bazaarschreiber«, *grāmadivira* »Dorfschreiber«, *nagara-divira* »Stadtschreiber« und *khavāsadivira* (?) erwähnt⁷.
Cites (4)
- Rājataraṅgiṇī — Kalhaṇa, Sanskrit
- Vāsavadattā — Subandhu, Sanskrit
- Lokaprakāśa — Kṣemendra, Sanskrit
- Sānchi inscription (No. 274) — Prakrit