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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.s1.3

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.s1.3

Language
German

c11.s1.3

Die beiden genannten und andere Werke des 11. Jahrh. gebrauchen zur Bezeichnung von Schreibern auch den Ausdruck *kāyastha*, der zuerst bei Yājñavalkya (1. 335) vorkommt und noch jetzt im nördlichen und östlichen Indien gewöhnlich ist. Die Kāyastha sind aber eine streng abgeschlossene Kaste, welche, obwohl sie Sūdrablut in den Adern haben soll, auf eine hohe Stellung Anspruch macht⁸ und oft eine solche, sowie grossen politischen Einfluss, wirklich besessen hat. In den Inschriften lässt sich das Wort vom 8. Jahrh. an nachweisen, zuerst in der Kaṇasva-Inschrift von 738/9 p. Chr. aus Rajputana.⁹ Neben Kāyastha findet sich auch häufig *karaṇa*¹⁰ und *karaṇika*¹¹, seltener *karaṇin*¹², *śāsanika*¹³ und *dharmalekhin*.¹⁴ *Karaṇa* ist wahrscheinlich nur ein anderer Namen der Kāyastha, da es auch eine Kaste arischen Halbbluts bezeichnet¹⁵. Die anderen Termini, unter denen *karaṇika* von KIELHORN mit »writer of legal documents« (*karaṇa*) übersetzt wird, sind wahrscheinlich offizielle Titel ohne Nebenbeziehung auf die Kaste. Die Entwickelung der Alphabete und die Erfindung neuer Schriftformen ist neben den Brahmanen, Jaina- und Bauddha-Mönchen besonders den professionellen Schreibern und den Schreiberkasten zuzuschreiben, nicht, wie mitunter geschieht, den Steinmetzen und den Graveuren der Kupfertafeln, welche ihrer Bildung und Beschäftigung nach dazu wenig geeignet waren¹⁶.

Cites (1)