Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s3.8
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s3.8
- Language
- German
c32.s3.8
§ 9. Caraka. — In chinesischen Quellen erscheint Caraka (C.) als der Leibarzt des berühmten Königs Kaniṣka (c. 100 n. Chr.), dessen Gemahlin er bei einer schweren Entbindung als Geburtshelfer beisteht¹. Die arabischen Quellen kennen C. auch als medicinischen Autor, der zuerst aus dem Indischen in das Persische, dann (c. 800) aus dem Persischen in das Arabische übersetzt worden war². Was Alberuni nach dieser Übersetzung aus C. anführt, z. B. über sein Verhältnis zu Agniveśa und über die Entstehung des Āyurveda³, stimmt mit unserem C. überein. Nach der indischen Überlieferung, die auch Alberuni kennt, ist C. der älteste Autor⁴. So bildet Vāgbhaṭa das Compositum *Caraka-Suśrutau* (nicht umgekehrt); im Bh. ist C. eine mythische Figur, älter als Dhanvantari, der Arzt der Götter, und Su.; auch der Prasthanabheda (IS. 1, 21) nennt C. vor Su.; H. (§ 7) versetzt C., Su. und Vāgbhaṭa, die auch als die »Trias der Alten« (*vṛddhatrayī*) bezeichnet werden, successive in die drei späteren Weltalter. Ausserhalb der medicinischen Litteratur wird C. dreimal von dem durch I-tsing fixirten Grammatiker Bhartṛhari citirt, was ihn mindestens in die Zeit vor 650 n. Chr. bringt⁵. Der Name C. erinnert an die alte vedische Schule der Caraka (vgl. auch Kapiṣṭhala C. 1, 1, 3). Chronologisch wäre also gegen die Identificirung mit Kaniṣkas Leibarzt nicht viel zu sagen.
Linked texts (6)
- Kapiṣṭhalakaṭhasaṃhitā — Sanskrit
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Hārītasaṃhitā — Hārīta, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Caraka — Sanskrit