Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.15
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.15
- Language
- German
c33.15
Spätere Werke enthalten Näheres über die ärztlichen Untersuchungen. So sind nach Bh. 1, 2, 162 f. die Augen zu untersuchen nach ihrer Farbe, rot, gelb, weiss, braun u. s. w., ferner ob glanzlos, eingesunken, thränend u. s. w., um daraus zu erkennen, welcher der drei Grundsäfte afficirt ist. Ebenso weist eine rauhe und aufgesprungene Zunge auf Störung des Windes hin, eine rote oder schwärzliche auf Störung der Galle, eine belegte, feuchte und weisse auf Störung des Schleims. Der Urin ist von Wind weisslich, von Galle rot und blau, von Blut nur rot, von Schleim weiss und schaumig. Ausführlich wird das Pulsfühlen (*nāḍīparīkṣā*) beschrieben, hierüber existiren auch eigene Werke unter dem Titel Nāḍīparīkṣā, Nāḍīprakāśa, Nāḍīvijñāna und ähnliche. Nach einem dieser Werke¹ ist bei Frauen der Puls auf der linken, bei Männern auf der rechten Seite zu fühlen, in der Regel am Handgelenk, doch kommt auch der Puls an den Füssen, dem Hals und der Nase in Betracht. Der Arzt fühlt den Puls durch Drücken mit den drei mittleren Fingern der rechten Hand. Von Wind geht der Puls wie eine Schlange oder ein Blutegel, von Galle wie eine Krähe, Wachtel oder ein Frosch, von Schleim wie ein Schwan, Pfau, Tauben verschiedener Art oder ein Hahn. Von den drei Grundsäften bewirkt und unheilbar ist der Zustand, wenn der Puls bald langsam, bald schwach, bald aufgeregt ist, bald aussetzt, bald sich ganz verliert oder kaum bemerkbar ist, stets seinen natürlichen Standort verlässt, dann wieder dort auftritt. Bei Durchfall ist der Puls kühl und langsam. Bei Cholera ist der Puls bald gar nicht bemerkbar, bald bleibt er an seinem Platz. Bei Wurmkrankheit ist der Puls langsam und schwach, manchmal unregelmässig oder weich. Bei Gelbsucht ist er matt, oder bewegt sich, als ob er die Haut sprengen sollte. Bei Blutsturz ist er schwach, steif und weich. Bei Schwindsucht zeigt er die verschiedensten Gangarten. Bei innerlichen Wunden in der Brust springt der Puls in die Höhe und ist schnell, bei Schwindsucht ist er ganz matt, bei Husten zitterig u. s. w. Noch jetzt betrachtet der Kaviraj in Bengalen es als besonders wichtig, den Puls zu fühlen und wird vielen Ärzten die Fähigkeit zugeschrieben, die Natur eines Leidens aus dem Puls zu bestimmen². Vielleicht stammt das Pulsfühlen aus Arabien oder Persien.
Linked texts (1)
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit