Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.4
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.4
- Language
- German
c33.4
Es ist auch nicht gleichgiltig, welches Lehrbuch (*śāstra*) der Schüler sich erwählt, da mannigfache Lehrbücher von Ärzten cursiren. Nur ein erprobtes, anerkanntes, leichtfassliches, gut geordnetes, vollständiges Lehrbuch ist zum Studium geeignet (C. 3, 8, 2). Das Studium besteht zunächst im Memoriren, indem der Schüler die Lehrsätze (*sūtra*) der Reihe nach durchgeht, sie laut hersagt und öfter wiederholt (C. 3, 8, 5), doch ist es mit blossem Auswendiglernen nicht gethan, sondern der Lehrer soll jedes Wort des Textes öfter erklären und der Schüler seine Erklärungen wiederholen; verständnisloses Memoriren wäre ebenso unnütz, wie wenn ein Esel Sandelholz trägt, wobei er nur die Last spürt, ohne sich an dem Wohlgeruch zu ergötzen (Su. 1, 4, 1f.). Neben dem Lernen und Lehren erörtert C. auch die Besprechung mit Fachgenossen, die teils in friedlichen Gesprächen, teils in Disputationen besteht und das Wissen, die Einsicht, die Redegewandtheit und das Ansehen fördert. Su. hebt die Notwendigkeit praktischer Ausbildung hervor, da ein noch so gelehrter Arzt ohne praktische Ausbildung zur Ausübung der Praxis unfähig sei. Dabei betont er seinem chirurgischen Standpunkt gemäss die Anleitung zu chirurgischen Operationen. So soll man dem Schüler die tiefen Schnitte, das Aus- und Durchschneiden an verschiedenen Arten von Kürbissen und Gurken und an Wassermelonen zeigen, die oberflächlichen Schnitte an gefüllten Schläuchen, Harnblasen (von Tieren), Taschen, das Scarificiren an gestreckten, noch behaarten Tierfellen, das Aufstechen an den Blutgefässen toter Tiere oder an Lotusstengeln, das Sondiren an Öffnungen in wurmstichigem Holz, Bambus, Rohrschilf, röhrenförmigen Gegenständen überhaupt, oder getrockneten Flaschenkürbissen, das Herausziehen an dem Fleisch gewisser Früchte oder an den Zähnen toter Tiere, das Ausdrücken an einem mit Wachs bestrichenen Brett, das Nähen an den Enden von zwei Stücken von dickem Tuch oder weichem Leder, das Verbinden an den Gliedern einer aus Stoff oder anderm Material angefertigten Puppe, das Ätzen und Brennen an weichen Fleischstückchen u. a. (Su. 1, 9).
Linked texts (2)
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit