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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s7.1

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s7.1

Language
German

c33.s7.1

Die Ätzmittel (*kṣāra*) sind von allen *śastra* und *anuśastra* das beste und wichtigste, weil sie bei schlimmen Wunden oder Geschwüren, die sich nicht durch Instrumente behandeln lassen, anwendbar sind, die Operationen des tiefen und oberflächlichen Schneidens, Durchschneidens, Scarificirens u. a. besorgen, brennend, auflösend, reinigend, blutstillend, heilend wirken, Störungen der drei Grundsäfte aufheben, insbesondere bei Fettsucht, Vergiftungen, Hämorrhoiden, Hautkrankheiten, Blutungen und anderen Leiden vorteilhaft sind, auch innerlich genommen werden können¹. Äusserliche Anwendung ist indicirt bei Hautleiden jeder Art, Hämorrhoiden, Mastdarmfistel und anderen Fisteln, Abscessen, Mundkrankheiten, Halsentzündung u. a., innerliche bei langsam wirkenden Giften, Leibesanschwellung, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Steinleiden, innerlichen Abscessen u. a.; ungeeignet ist *kṣāra* bei Fieber, Durchfall, Herz- oder Kopfkrankheiten, Augenentzündung, Schwangeren oder Menstruirenden, Furchtsamen, Schwachen, Kindern, Greisen u. dgl. *Kṣāra* besteht zumeist aus Potasche, und zwar verbrennt man Holz, Blätter, Wurzeln und Früchte von gewissen Bäumen, sammelt die Asche, setzt eine entsprechend grössere (nach Su. die sechsfache) Quantität Wasser und Urin von einer Kuh oder anderen Tieren zu, siebt das Ganze zweimal durch ein Tuch und kocht es in einer grossen Pfanne langsam ab, während man es mit einem Löffel umrührt. Wenn die Flüssigkeit klar, rot, scharf und schleimig geworden ist, siebt man sie durch ein grosses Tuch und siedet sie noch einmal, nebst einem Zusatz von gekochtem Muschelkalk u. s. w. Das Auftragen des Ätzmittels auf die Haut geschieht mit einem spitzen Instrument (*śalākā*), um das Baumwolle oder ein Tuch gewickelt worden ist (S.), während ein Gehilfe den Patienten festhält. Vorher ist die Haut abzureiben und zu scarificiren. Man soll das Ätzmittel nur so lange auf der Haut lassen als man braucht, um 100 Worte oder Silben auszusprechen. Das Mittel hat gewirkt, wenn die Haut schwarz wird; man streiche dann saueren Schleim mit Honig und zerlassener Butter auf die Stelle und lasse weiterhin zur Beförderung der Heilung andere Salben folgen (Su. 1, 11; S. 1, 39; A. 1, 30).

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