Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s5.6
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s5.6
- Language
- German
c36.s5.6
Zwischen *mūtrakṛcchra* und *mūtraghāta*, *mūtranirodha*, *mūtrarodha*, *mūtrapratighāta* »Harnverhaltung« wird keine strikte Grenze gezogen. So ist von den 13 *mūtraghāta*, die C. Su. M. und die ihnen folgenden Autoren unterscheiden, *vātakeṇḍalikā*, d. h. kreisförmige Umdrehungen des von schlechtem Wind ergriffenen Urins in der Blase, charakterisirt entweder durch völlige Harnverhaltung, oder durch successives, tropfenweises, schmerzhaftes Austreten des Urins; bei *mūtrātīta* handelt es sich um einen, der zuerst den Urin zurückgehalten hat und dann uriniren will, dies aber entweder gar nicht zu Stande bringt oder nur ganz wenig, doch mit wenig Schmerzen, auf einmal urinirt; bei *mūtrasaṅga* »Harnhemmung« bleibt der ausgeschiedene Urin entweder in der Blase, Harnröhre oder Eichel stecken, oder wird nur ganz allmählich, mit Blut und mit oder ohne Schmerzen entleert. Eine Form von Stein scheint *mūtragranthi* »Harnknoten« zu sein, ein runder, kleiner, harter, steinartiger Knoten, der sich plötzlich am Blasenhals bildet, Schmerzen wie bei Stein hervorruft und den Urin zurückhält. Auf Hypertrophie oder Entzündung der Prostata ist vielleicht *aṣṭhīlā* »Kugel« zu beziehen, ein kugelförmiger, harter, unbeweglicher, hoher Knoten, den der Wind zwischen After und Blase bildet, mit heftigen Schmerzen, Flatulenz und Unterdrückung von Stühlen, Urin und Winden. Für besonders gefährlich gilt *vastikuṇḍala* »Blasenring« (Blasenentzündung?), wobei die Blase, von ihrem Standort losgerissen, hoch emporsteht, wie ein Embryo, und der Kranke, von heftigen Schmerzen, Zuckungen und Hitze gequält, nur tropfenweise urinirt, bei Druck aber den Urin ausströmen lässt; wenn die Blase gerundet, Durst, Betäubung und Asthma vorhanden ist, so ist das Leiden unheilbar. Die Behandlung der Harnverhaltung ist im Wesentlichen die gleiche wie bei Harnstrenge. Im Allgemeinen sollen zuerst Fett- und Schwitzmittel, hierauf ölige Abführmittel, dann Injectionen in die Harnröhre gegeben werden (C. 8, 9, 14—28; Su. 6, 58; S. 2, 9; 4, 13; A. 3, 9; 4, 11; M. 214—8; Vṛ. 33; Bh. 2, 3, 38—45; V. 500—6).
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