Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s3.4
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s3.4
- Language
- German
c37.s3.4
Unter *śopha* verstehen Su. S. A. (vgl. auch C. 6, 25, 22 ff.) auch Geschwüre, Eiterbeulen, offenbar das, was in der späteren Pathologie *vraṇaśotha*, d. h. durch ein Geschwür verursachte Geschwulst, heisst (M. K. V. Bh.), vgl. § 78. Es gibt 6 Arten von *śopha* oder *vraṇaśotha*, die auf den Grundsäften, Blut oder äusseren Ursachen beruhen und sich durch ihre Farbe, Consistenz, Schmerzhaftigkeit und Entwickelungsart unterscheiden. Es gibt ferner drei Stadien eines Geschwürs, von denen das unreife (*āma*) durch geringe Hitze und Schmerzhaftigkeit, Kälte, Härte und geringe Erhebung der Geschwulst und unveränderte Färbung der Haut gekennzeichnet wird. In dem reifenden (*pacyamāna*) treten heftige Schmerzen auf wie von Nadel-, Ameisen- oder Skorpionenstichen, Messerstichen, Keulenschlägen, Brennen oder Ätzen u. dgl., der Patient findet keine Ruhe im Stehen, Sitzen oder Liegen, die Geschwulst geht in die Höhe wie ein aufgeblasener Schlauch, die Haut entfärbt sich, es entsteht Fieber, Hitze, Durst und Appetitlosigkeit. In dem reifen Stadium (*pakva*) lassen die Schmerzen nach, die Haut ist weisslich, die Schwellung gering, es entstehen Hautfalten, die Haut springt auf, die Geschwulst lässt sich mit den Fingern niederdrücken, erhebt sich aber dann wieder, die obigen Begleiterscheinungen hören auf, der Appetit kehrt zurück. Zuerst drücke man das Geschwür mit den Fingern zusammen, dann ziehe man Blut daraus durch Blutegel u. dgl., dann lege man Pflaster auf, viertens schneide man es auf, fünftens wende man reinigende Mittel an, sechstens heilende Mittel, schliesslich beseitige man Verunstaltungen (Su. 1, 17, 17 f. — Vṛ. 44, 1 f.). Vor einer Operation lasse man den Kranken essen, damit er nicht ohnmächtig wird, und wenn er an Trinken gewöhnt ist oder keinen Schmerz ertragen kann, gebe man ihm ein starkes Getränk, damit er im Rausch das Messer nicht fühlt (Su. 1, 17, 11 f. — A. 1, 29, 14 f.). Die Unterlassung einer Operation bei einem reifen Geschwür führt dazu, dass der Eiter sich gewaltsam einen Ausweg sucht und eine Fistel bildet, vgl. § 77. Andrerseits entsteht aus dem Aufschneiden eines unreifen Geschwürs starker Blutverlust, Zerstörung des Fleisches, der Adern, Sehnen u. s. w. und andere schlimme Complicationen (Su. 1, 17; S. 1, 38; A. 1, 29; M. 265—7; Vṛ. 44; Bh. 2, 3, 112 ff.; V. 606 ff.).
Cites (7)
- Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Śārṅgadharasaṃhitā — Śārṅgadhara (physician), Sanskrit
- Mādhavanidāna (Rugviniścaya) — Mādhavakara, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Siddhayoga (Vṛndasuni) — Vṛndasuni, Sanskrit
- Vaidyakaśabdasindhu (Umeśacandragupta) — Umeśacandragupta, Sanskrit