Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s3.5
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s3.5
- Language
- German
c37.s3.5
§ 70. Rose, Beulen, Nesselsucht, Masern. — Der *visarpa*, *parisarpa*, »Rose, Rotlauf« (vgl. ved. *visarpaka* SBE. 42, 531, 601) wird auch mit Lepra (*kuṣṭha*) verglichen und der Name darauf zurückgeführt, dass er sich überall hin verbreitet (*sarvato visarpaṇāt* oder *visaraṇāt*, *vividhaṃ sarpati*). Nach C. sind die Entstehungsursachen der übermässige Genuss salziger, sauerer, scharfer, heisser Flüssigkeiten und andere Diätfehler, ferner Wunden, giftige Winde u. a. Bei Wind ist die von *visarpa* ergriffene Stelle braun oder rötlich, geschwollen, überaus schmerzhaft, und wenn man nichts dagegen thut, so bedeckt sie sich mit rasch platzenden, kleinen, rötlichen oder dunkelfarbenen Pusteln, auch tritt Verstopfung und Harnverhaltung ein. Bei Galle ist die ergriffene Stelle kupferrot, grün, gelb, blau, schwarz oder rot, es bilden sich stark brennende und rasch reifende Pusteln. Bei Schleim ist die Stelle geschwollen, nicht sehr rot oder schmerzhaft, die Pusteln reifen langsam, der Ausfluss ist weiss und übelriechend. Bei Wind und Galle sieht die Stelle wie verlöschte Kohlen oder überaus rot aus, die Pusteln gleichen Brandblasen; diese Form heisst *agnivīsarpa* oder *āgneya* »Feuerrose«. Bei Schleim und Galle ist die Stelle mit roten, gelben oder weisslichen Bläschen bedeckt, schmutzfarben, brennend, tief eiternd, ohne Ausfluss; dies ist die unheilbare Form *kardamavīsarpa* »Schmutzrose«. Bei Schleim und Wind bildet sich ein Haufe von sehr schmerzhaften Knoten (*granthimālā*), daher heisst dies *granthivīsarpa* »Knotenrose«. Bei allen drei Grundsäften erfasst die Krankheit alle Glieder und alle Elemente des Körpers und zeigt alle obigen Erscheinungen. Diese Form ist unheilbar, ebenso auch *granthivīsarpa*, wenn dazu die Complicationen: Fieber, Durchfall, Schlucken, Asthma, Erbrechen, Ohnmacht u. a. kommen, und *agnivīsarpa*, wenn das Leiden rasch die edeln Teile ergreift und Betäubung, Schlaflosigkeit oder Schlafsucht, Unruhe, Gliederschmerzen hervorruft. Die drei ersten Formen sind heilbar, doch werden auch bei ihnen schlimme Begleiterscheinungen erwähnt. Die Behandlung der heilbaren Formen soll mit Brechmitteln, Fasten, Purgantien, Blutentziehung u. dgl. beginnen, erst dann soll die äusserliche Behandlung (*kriyā bāhyā*) folgen, mit Salben, kalten Umschlägen, Pflastern u. s. w. Nach obigen Beschreibungen sind unter *vīsarpa* ausser der Rose wohl auch Karbunkel und andere Geschwüre zu verstehen (C. 6, 21; Su. 2, 10; 4, 17; S. 4, 20; A. 4, 18; M. 309—14; Vr. 54; V. 689—95; Bh. 2, 4, 42 ff.).
Cites (8)
- Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Śārṅgadharasaṃhitā — Śārṅgadhara (physician), Sanskrit
- Mādhavanidāna (Rugviniścaya) — Mādhavakara, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Siddhayoga (Vṛndasuni) — Vṛndasuni, Sanskrit
- Vaidyakaśabdasindhu (Umeśacandragupta) — Umeśacandragupta, Sanskrit