Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s1.7
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s1.7
- Language
- German
c4.s1.7
Auch über den Character der *brāhmī* gibt ein Auszug aus dem verlorenen Dṛṣṭivāda der Jaina Auskunft. Es heisst dort, dass dieses Alphabet (statt der gewöhnlichen 50 oder 51) nur 46 *mātṛkā* oder Grundzeichen besitze. Gemeint sind ohne Zweifel: *a*, *ā*, *i*, *ī*, *u*, *ū*, *e*, *ai*, *o*, *au* (10), *aṃ*, *aḥ*; *ka*, *kha*, *ga*, *gha*, *ṅa*; *ca*, *cha*, *ja* (20), *jha*, *ña*, *ṭa*, *ṭha*, *ḍa*, *ḍha*, *ṇa*, *ta*, *tha*, *da* (30), *dha*, *na*, *pa*, *pha*, *ba*, *bha*, *ma*, *ya*, *ra*, *la* (40), *va*, *śa*, *ṣa*, *sa*, *ha*, *ḷa* (46), mit Ausschluss von *ṛ*, *ṝ*, *ḷ* und *ḹ*, sowie der in späterer Zeit fälschlich als *mātṛkā* betrachteten Ligatur *kṣa*. Die vier liquiden Vocale fehlten auch in dem fragmentaren Alphabete der Steinmetzen Aśoka’s, welches nach Cunningham’s Reconstruction die 22 Zeichen *a*, *ā*, *i*, *ī*, *u*, *ū*, *e*, *ai*, *o*, *au*, *aḥ*, *ka*, *kha*, *ga*, *gha*, *ṅa*, *ca*, *cha*, *ja*, *jha*, *ña*, *ṭa* bot¹⁹, im Alphabete des Lalitavistara²⁰, bei Hiuen Tsiang, der dem indischen Alphabete, ohne Zweifel mit Einschluss von *kṣa*, 47 Zeichen zuschreibt²¹, und in dem der modernen Elementarschulen Indiens. In den letzteren wird die auf die 12 Vocale gegründete *bārākhaḍī*, Skt. *dvādaśākṣarī*, d. h. »Tafel der Verbindungen der Consonanten mit den 12 Vocalen«, z. B. *ka*, *kā* — *kaṃ*, *kaḥ*, dem Unterrichte zu Grunde gelegt. Hiuen Tsiang erwähnt die *dvādaśākṣarī*²² unter dem Namen »Zwölf-Tafel« (*chang*), und bemerkt, dass auch zu seiner Zeit der Unterricht mit derselben begann. Nach dem der Tafel voranstehenden Maṅgala, *oṃ namaḥ siddham* »Oṃ Verehrung, Erfolg!« wird die *bārākhaḍī* in buddhistischen Werken auch *siddhavastu*²³ und jetzt *siddhamātṛkāmnāya* oder *siddhākṣarasamāmnāya* »das Siddha-Buch« oder »das Siddha-Alphabet« genannt.
Linked texts (1)
- Diṭṭhivāya — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit