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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.3

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.3

Language
German

c4.s2.3

*B. Die buddhistische Litteratur*¹⁰. — Bedeutend wichtiger als die Zeugnisse der Brāhmaṇen sind die des ceilonesischen Tripiṭaka, welches zahlreiche Stellen enthält, die nicht blos eine Bekanntschaft mit der Schrift, sondern auch den ausgedehnten Gebrauch derselben zur Zeit der Abfassung des buddhistischen Kanon klar bezeugen. *Lekhā*, die Schrift, und *lekhaka*, Schreiber, werden im Bhikkhu-Pācittiya 2, 2 und im Bhikkhunī-Pācittiya 49, erwähnt, und das erstere Werk preist die Schrift als einen ausgezeichneten Zweig des Wissens, der überall hochgehalten wird. Die Jātaka erwähnen wiederholt¹¹ Privatbriefe, sowie officielle Sendschreiben¹². Sie kennen ferner königliche Proclamationen¹³, von denen der Mahāvagga I, 43 gleichfalls ein Beispiel liefert, und sie sprechen von der Aufzeichnung wichtiger Familienangelegenheiten oder wertvoller Lehren der Moral und Regierungskunst auf goldenen Platten¹⁴. Einmal¹⁵ erwähnen sie auch *iṇapaṇṇāni*, Schuldbriefe. Ein Buchstabenspiel, *akkharikā*, kommt wiederholt im Vinayapiṭaka und den Nikāya vor¹⁶, das nach Buddhaghoṣa darin bestand, dass man Buchstaben in der Luft las. Der Pārājika-Abschnitt (3, 4, 4) des Vinayapiṭaka verbietet den buddhistischen Mönchen, Vorschriften »einzuschneiden«, welche angeben, wie man durch bestimmte Arten des Selbstmordes den Himmel oder Reichtum und Ruhm im nächsten Leben erlangen kann. Hieraus folgt zunächst, dass die Asketen der vorbuddhistischen Zeit ihren Laien-Hörern auf Bambus- oder Holztäfelchen eingeschnittene Anweisungen zu dem bei den alten Brāhmaṇen und Jaina so beliebten religiösen Selbstmorde zu geben pflegten, sowie weiter, dass die Bekanntschaft mit der Schrift weit verbreitet war.

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