Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.4
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.4
- Language
- German
c4.s2.4
Endlich bezeugen Jātaka I, 451 und Mahāvagga I, 49¹⁷ die Existenz von Schreibschulen mit einer Methode des Unterrichts und einem Lehrcursus, welche den noch heute gebräuchlichen sehr ähnlich sind. Die erste Stelle erwähnt die hölzerne Schreibtafel (*phalaka*), die auch im Lalitavistara¹⁸ nebst dem *varṇaka* oder Schreibstifte und bei Berūnī¹⁹ vorkommt und noch jetzt in den indischen Elementarschulen gebraucht wird. Die zweite Stelle im Mahāvagga erwähnt die Gegenstände des Elementarunterrichts, *lekhā*, *gaṇanā* und *rūpa*, die nach der Hāthīgumphā-Inschrift vom Jahre 165 der Maurya-Aera auch der König Khāravela von Kaliṅga in seiner Jugend erlernte²⁰. *Lekhā* bedeutet »Schreiben«, *gaṇanā* »Rechnen«, d. h. Addition, Subtraction und das *aṅka*, jetzt *āṁk* genannte Einmaleins, und *rūpa*, wörtlich »Formen«, entspricht der angewandten Arithmetik, den Münz-, Zins- und Lohnrechnungen nebst der elementaren Messkunst. Diese drei Gegenstände des Unterrichts bilden noch jetzt das Trivium der *gāṁṭī niśāl*, *pāṭhśālā*, *lehsaḍ* oder *ṭoll* genannten einheimischen Schulen Indiens.