Pramāṇa · Search · About · API

Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.37

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.37

Language
German

c4.s2.37

Das erste Zeichen hat mit dem letzten kaum mehr eine Ähnlichkeit. Die Reihenfolge zeigt dagegen ihre Zusammengehörigkeit und Entwickelung sehr deutlich. Die ersten sieben verdanken ihre Entstehung teils einer Vorliebe für Winkel und teils einer Vorliebe für Curven — widersprechenden Neigungen, welche in der Bildung der Formen anderer Buchstaben der Taf. II, wie *gha*, *ḍa*, *ḍa*, *la* u. s. w., zum Ausdruck kommen. Die Zeichen 1—3 sind durch die erste Neigung entstanden, 6—7 durch die letztere. Nr. 4—5 zeigen den Übergang vom Winkel zur Curve und Nr. 8 ist cursiv aus Nr. 6 gebildet. Diese acht Zeichen finden sich keineswegs in allen Versionen der A. Ed., sondern sind folgendermassen local verteilt. Die winkligen Formen, 1—3, kommen nur im Süden, in Girnār, Siddapur, Dhauli und Jaugada, neben Nr. 4—7 vor, wobei zu beachten ist, dass die letzteren in Girnār und Siddapur in der Minorität, in Dhauli und Jaugada dagegen in der Majorität sind. In den Versionen nördlich von der Narmadā oder dem Vindhya erscheinen meist nur Nr. 4—7, in Kālsi aber daneben häufig Nr. 8, wie auch selten in Rāmpūrva. Für *A*—*Ā* scheint demnach eine specifisch südliche Form vorhanden zu sein, die zugleich die unzweifelhaft ältere ist. Dieser Schluss wird durch die nächst verwandten Inschriften bestätigt. Die Reliquiengefässe von Kolhapur² und Bhaṭṭiprolu, T. II. C. XIII—XVI, die älteste Andhra-Inschrift vom Nānāghāt, T. II. C. XXIII—IV, zeigen wieder winklige *A*—*Ā*, sei es ausschliesslich, sei es zusammen mit den Mischformen, während die zahlreichen Inschriften weiter nördlich auf den Stūpa von Sānci und Bharahut, T. II. C. XVIII—XX, auf den Münzen des Agathokles und in der Nāgārjunī-Höhle, T. II. C. XVII, nur Rundformen oder gemischte bieten. Eine Ausnahme in Mahābodhi-Gayā³ erklärt sich wohl dadurch, dass auch Pilger aus dem Süden an dem berühmten Wallfahrtsort ihre Schenkungen verewigten. Ähnliche Unterschiede zwischen nördlichen und südlichen Formen kann man bei *kha*, *ja*, *ma*, *ra* und *sa* beobachten⁴, und dieselben fallen um so mehr ins Gewicht, da die Umstände, unter denen die Edicte eingemeisselt wurden, dem Gebrauche von Localformen ungünstig waren⁵. Die Existenz von Localformen deutet aber stets auf einen langen Gebrauch des Alphabetes, in dem sie nachweisbar ist.

Linked texts (8)