Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.14
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.14
- Language
- German
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A. Entlehnte Buchstaben. — Nr. 1, *A*, C. V. = *Aleph*, C. I—II (Weber zweifelnd), mit Versetzung des Verticalstriches an die Spitze des Winkels und Umdrehung des Zeichens, das auf dem Patna-Siegel, s. o. § 3 und T. II, 1, I, noch seine ursprüngliche Stellung hat. — Nr. 2, *ba*, C. V, a—c = *Beth*, C. I—II (WEBER), mit Öffnung des Kopfes, wodurch zunächst ein Z, wie das hypothetische in C. IV, dann der Rhombus, C. Va, und endlich das Quadrat oder Oblong, C. V, b—c, entstand. — Nr. 3, *ga*, C. V = *Gimel*, C. I—II (WEBER). — Nr. 4, *dha*, C. V, a—b = *Daleth*, C. I—II (WEBER), mit Rundung des Rückens (wofür die halbeckigen Formen, T. II, 26, XIX, XXIII und vielleicht die dreieckigen, T. III, 24, VII—XIII zeugen), mit oder ohne seitliche Drehung. Die nicht genaue lautliche Entsprechung dürfte durch eine lange Verwendung des Zeichens für *da* und *dha* zu erklären sein. — Nr. 5, *ha* = *He* (WEBER zweifelnd), indem wahrscheinlich die Siddapur-Form, C. V, a, durch Umstürzung und seitliche Drehung aus dem *He* in C. III, a (Mina des Salmanassar † 725 a. Chr.) abgeleitet ist. Das näherliegende *He* des 6. Jahrhunderts kann nicht als Prototyp, sondern nur als analoge semitische Weiterbildung angesehen werden, weil es in die Zeit fällt, als die Inder die Schrift schon besassen und weil viele Buchstaben des semitischen Alphabetes des 6.
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Jahrhunderts, wie *Aleph*, *Daleth*, *Cheth*, *Theth*, *Wāw*, *Qoph*, so weit entwickelt sind, dass sie nicht die Prototypen der auf ältere Formen weisenden indischen Zeichen sein können. — Nr. 6, *va*, C. V, a—b = *Wāw*, C. II (WEBER zweifelnd) mit Umstürzung und Verschluss der Öffnung unten. — Nr 7, *ja* = *Zain*, C. I—II (WEBER); mit Verschiebung der beiden Barren entstand die Form der Drāviḍī, C. V, a, durch den Versuch, das Zeichen in einem Zuge zu machen, die der nördlichen Brāhmī, C. V, b, mit der Schleife, welche letztere infolge des Gebrauches der Tinte in einen Punkt verwandelt wurde, C. V, c, und durch den Versuch, mit zwei Ansätzen der Feder auszukommen, das in Girnar gewöhnliche *ja*, C. V, d. — Nr. 8, *gha*, C. V, a–b = *Cheth*, C. I–II (TAYLOR) mit Seitwärtslegung des semitischen Zeichens, C. IV (wozu die oft stark nach links geneigte Stellung desselben Anlass gab) und Verwandlung des oberen Deckstriches in einen Verticalstrich. — Nr. 9, *tha*, C. V = *Theth*, C. I (WEBER) mit Verwandlung des Kreuzes in einen Punkt wie in der assyrischen Form, C. III. — Nr. 10, *ya* = *Yod* (WEBER) mit Seitwärtslegung von C. I—II, etwa wie in C. III, Verlängerung des Mittelstriches und Aufwärtsdrehung des rechten Seitenstriches, woraus zunächst die Form von C. V, a und weiter die cursiven *ya* in C. V, b—c entstanden. — Nr. 11, *ka*, C. V, a = *Kaph*, mit Verwandlung des ursprünglichen oberen Schenkels des Winkels einer Form, wie die von C.
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II, in die Spitze des Verticalstriches und nachfolgender Geradestellung des Buchstabens. — Nr. 12, *la* = *Lamed*, C. I—II (WEBER) ohne seitliche Drehung in dem durch eine Barre rechts differenzierten (s. u. B, 4, c) *ḷ* der Drāviḍī, C. VI, ohne Drehung und mit Begrenzungsstrich an der Curve rechts in der Eran-Form, C. IV, mit Drehung in der Form der A. Ed., C. V, a, und mit Drehung und Schweif oben rechts in dem *l* der Drāviḍī, C. V, b. — Nr. 13, *ma* = *Mem* (WEBER), unmittelbar aus C. II abgeleitet mit Verwandlung des gekrümmten Seitenstriches in eine Schleife, wie in der hypothetischen Form in C. IV (analog, EUTING, TSA, C. 58, a) und Aufsetzung des Winkels auf die Schleife, C. V, a (analog, EUTING, TSA, C. 59, c), woraus cursiv die Rundform in C. V, b später entwickelt wurde. — Nr. 14, *na*, C. V = *Nun* (TAYLOR) C. I—II mit Umstürzung, C. IV, und seitlicher Drehung, sowie Verwandlung des Hakens an der Seite in einen geraden Strich am Fusse des Verticals, wofür das *ṅa*, C. VI, a, zeugt, das aus dem hypothetischen Zeichen in C. IV durch die differenzirende Barre oben (s. u. B. 4, d) und Regularisirung des Hakens gebildet ist. — Nr. 15, *sa*—*ṣa* = *Samech* (WEBER zweifelnd), indem auf indischem Boden ein aus C. I, b mit Rundung des Kopfes gebildetes Zeichen, wie das hypothetische in C. IV, umgestürzt wurde und so das *ṣ* der Drāviḍī, C. V, entstand, das zuerst für *sa* und *ṣa* gebraucht wurde.
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Dieses Zeichen wurde in der südlichen Brāhmī durch Versetzung des Querstriches an die Aussenseite der Curve in *sa* (C. VI, a Eran-Form ohne seitliche Drehung, C. VI, b südliche Brāhma-Form mit Drehung) und durch Versetzung des Querstriches in das Innere der Curve in *ṣa* (C. VI, c) geteilt, wozu die etymologische Verwandtschaft von Sanskrit *sa* und *ṣa* den Anstoss gab. In der Drāviḍī wurde nur das neue *s*, C. VI, b, aufgenommen, das alte Zeichen aber für *ṣ* bewahrt. Die nördliche Brāhmī entwickelte das *sa* mit der Curve, C. VI, d, und hieraus ein neues *ṣa*, C. VI, e. Eine unmittelbare Ableitung des *ṣ* der Drāviḍī aus dem aramäischen *Samech* des 6. Jahrhunderts ist teils aus den oben unter Nr. 5 angegebenen Gründen, teils wegen des Fehlens des Querstriches durch den Vertical nicht thunlich — Nr. 16, *E* = *'Ain*, C. I—II (Weber), gar nicht oder wenig verändert in den Kālsi-Formen, C. IV und C. V, b, sowie in der Form von Sānci und Hathīgumphā, C. V, a, dann dreieckig gemacht, C. V, c—e, um die Ähnlichkeit mit *tha* und *dha* zu vermeiden. — Nr. 17, *pa*, C. V = *Phe*, C. I—II (Weber), mit Umstürzung, ohne seitliche Drehung in der Eran-Form, C. IV, und mit Drehung in dem gewöhnlichen *pa* der A. Ed., C. V. — Nr. 18, *ca* = *Tsade*, C. I—II, mit Wendung des letzten Hakenstriches nach links gegen den Verticalstrich und Umstürzung, wie in der hypothetischen Form von C. IV, woraus mit seitlicher Drehung die eckigen oder runden Formen der Brāhmī, C.
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V, a—b, und die geschwänzte der Drāviḍī, C. V, c, entstanden. — Nr. 19, *kha* = *Qoph*, C. I—II, mit Umstürzung und mit Anfügung einer Curve am oberen Ende des Verticalstriches, C. V, a, zur Unterscheidung von *va*. Beim Gebrauche von Tinte wurde der Kreis am Ende des Verticalstriches in einen Punkt, C. V, b, verwandelt. — Nr. 20, *ra* = *Resch* (Weber). Der Kopf des semitischen Zeichens, C. I—II, wurde geöffnet und der Verticalstrich an die Basis des ursprünglichen Dreiecks gehängt, wodurch die Formen in C. V, a—b, entstanden und weiterhin die ornamentalen mit Fortsetzung der winkligen Züge, C. V, c—d. — Nr. 21, *śa* = *Schin* (Weber), mit Zusammenschiebung der beiden neben einander stehenden Winkel von C. I—II und Umstürzung des so gebildeten Zeichens, C. V, a—c. Das anscheinend näherliegende aramäische Zeichen des 6. Jahrh. a. Chr. in C. III ist aus den unter Nr. 5 angegebenen Gründen nicht als Prototyp, sondern als analoge semitische Bildung zu betrachten, und es ist zu beachten, dass ähnliche unabhängige Umbildungen von *Schin* mit Doppelwinkel auch sonst unabhängig bei den Phöniciern und Äthiopen zu verschiedenen Zeiten gemacht sind. — Nr. 22, *ta* = *Taw* (Weber), aus einer Form, wie die von Sendschirli, C. III, b, oder die assyrische aus der Regierungszeit Salmanassar’s, C. III, a, ohne seitliche Drehung in C. V, a, oder mit Drehung in C. V, b. Hieraus ist das *ta* von C. V, c stilisirt.