Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s2.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s2.1
- Language
- German
c5.s2.1
— In ihrer uns bis jetzt bekannten Gestalt ist die Kharoṣṭhī ein ephemeres, fast rein epigraphisches Alphabet des nordwestlichen Indien. Seine Heimat liegt ungefähr zwischen 69°—73° 30' ö. L. und 33°—35° n. Br. im alten Gandhāra, dem jetzigen östlichen Afghanistan und nördlichen Panjab. Einzelne Inschriften der späteren Zeit haben sich weiter südwestlich, in Bhawalpur bei Multan, südlich in Mathurā und südöstlich in Kangra gefunden, und einzelne Wörter oder Buchstaben in Bharahut, Ujjain und Maisur (Siddapur A. Ed.)¹. Münzen und Gemmen sind bedeutend weiter nördlich und nordöstlich verschleppt. Der Zeit nach fällt der Gebrauch der Kharoṣṭhī zwischen das 4. Jahrh. a. Chr. und etwa das 3. Jahrh. p. Chr., vor das Ende der Perserherrschaft (331 a. Chr.) und nach der Regierung des Kuṣanakönigs *Huviṣka*². Wie die Notiz des Fawanshulin von 668 p. Chr. zeigt, erhielt sich die Kenntnis des Alphabetes viel länger, s. o. § 1.