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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s3.1.3

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s3.1.3

Language
German

c5.s3.1.3

Unter diesen Umständen liegt es nahe, zu vermuten, dass die persischen Satrapen aramäische Schreiber auch in die indische Provinz mit sich nahmen und so ihre indischen Unterthanen, insbesondere die Schreiber der eingeborenen Fürsten, Stadt- und Dorfhäupter, zwangen, das Aramäische zu erlernen. Zunächst führte der Verkehr zwischen den persischen und den indischen Kanzleien wahrscheinlich zum Gebrauche der unveränderten aramäischen Schrift für das nordwestliche Prakrit und weiterhin zu Modificationen derselben, die mit Hülfe der Principien der älteren indischen Brāhmī gemacht wurden⁵ und denen die Kharoṣṭhī ihre Entstehung verdankt. Analog ist die Verwendung des arabischen Alphabetes im Mittelalter und der Neuzeit für eine grössere Anzahl von indischen Dialecten, teils in seiner ursprünglichen Form, teils mit mehr oder weniger starken Veränderungen. 5) Mit diesen Ausführungen stimmt, dass die Kharoṣṭhī ein Schreiber- und Geschäftsalphabet ist (s. o. § 7). 6) Endlich kann dafür geltend gemacht werden, dass die entlehnten Zeichen der Kharoṣṭhī sich am besten mit den aramäischen Typen von 500—400 a. Chr. vereinigen lassen, welche auf den späteren assyrischen Gewichten und den Siegeln und Gemmen aus Babylon, sowie in den Inschriften von Saqqārah (482 a. Chr.) und Teima (ca. 500 a. Chr.), auf der Stele Vaticana und dem Libationsgefässe des Serapeum finden.