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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s5: § 10. Die Typen der Kharoṣṭhī

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s5

Language
German

§ 10. Die Typen der Kharoṣṭhī

c5.s5.1

— Die Kharoṣṭhī zeigt nach Taf. I vier Haupttypen1∗: 1) den archaischen der Shahbazgarhi- und Mansehra-Versionen der A. Ed., von denen Sh. Ed. VII in der ZDMG 43, 151, Sh. Ed. XII in der EI I, 16, und Man. Ed. I—VIII im JA Ser. 8, 12, 330 photolithographirt sind, und mit denen die Unterschriften in den A. Ed. von Siddapur, photolithographirt in EI 3, 138—40, die Legenden der ältesten Münzen, autotypirt in C.CAI, Pl. 3, 9, 12—13 und die Zeichen auf den persischen *Sigloi* stimmen — aus dem 4.—3. Jahrh. a. Chr.; 2) den der Münzen der indisch-griechischen und mehrerer ihnen nachprägender barbarischer Könige, autotypirt in P. GARDNER, Cat. Ind. Coins Br. Mus., Pl. 4—21 — aus dem 2.—1. Jahrh. a. Chr.; 3) den Śakatypus des Satrapen Patika auf der Taxila-Kupferplatte, lithographirt JRAS 20, Pl. 3, und des Satrapen *Śoḍāsa* oder *Śuḍasa* auf dem Mathurā Lion Capital, sowie auf den Münzen verschiedener Śaka- und Kuṣana-Könige, autotypirt bei P. GARDNER, op. cit. Pl. 22—25 — 1. Jahrh. a. Chr. und 1. Jahrh. p. Chr.; 4) den stark cursiven, welcher mit der Inschrift des Gondopherres oder Guduphara aus Takht-i-Bahi, autotypirt im JA 1890 = S.NEI 3, Pl. 1, 1, beginnt und in denen der späteren Kuṣana-Könige Kaniṣka und Huviṣka, wie in der Zedainschrift, autotypirt im JA, 1890 = S.NEI 3, Pl. 1, 3, in der Suë Bihar-Inschrift, photolithographirt im IA 10, 324, auf der Wardak-Vase, lithographirt im J.RAS 20, Pl. X, seine volle Ausbildung erhält — 1.—2. Jahrh. p. Chr.²

c5.s5.2

1∗ Herstellung der Tafel I: 1—37, C. I—V u. 37—39, C. I—XIII durchgez. von DR. DEDEKIND aus DR. BURGESS' Abklatschen der A. Ed. v. Sh. und Man. und photogr. verkl.; 1—37, C. VI—VII u. 38—39, C. XIV nachgez. von DR. W. CARTELLIERI

c5.s5.3

Die Charactere der Münzlegenden verändern sich sehr langsam, ohne Zweifel infolge der Benutzung älterer Vorbilder, und sind mitunter rückläufig.

c5.s5.4

nach P. Gardner's Autotypien der I.G.-Münzen; 1—37, C. VIII—IX u. 22—25, C. XIII durchgez. aus Dr. Burgess' Abkl. d. Lion Capital v. Mathurā und Dr. Fleet's Photogr. d. Taxila Kpſpl. (10 u. 14, C. VIII u. 25, C. XIII); 1—37, C. X—XII u. 31—37, C. XIII durch- oder nachgez. aus Dr. Hörnle's Facs. der Suë Bihār-Inschr. ergänzt durch einzelne Zeichen aus d. Maṇikyāla-Stein und Dr. v. Oldenburg's Gelatincopien der Wardak und Bimāran-Vasen; 26—30, C. XIII nachgez. nach P. Gardner's Autotypien der alten Kuṣana-Münzen; 1—20, C. XIII—XIV nachgez. nach A. Ed. und späteren Inschr. — Ältere Tafeln der Kharoṣṭhī: P.IA 2, 166 (Pl. 11); W.AA 262; A. Cunningham, CII 1, Pl. 27; P. Gardner, Cat. I. C. Brit. Mus., Pl. 70—71, v. Sallet, Nachfolg. Alex. d. Gr. (Ende), G. H. Ozha, The Ind. Pal. Pl. 26. — 2 Liste der oben nicht erwähnten Reprod. d. Inschr. in Kharoṣṭhī: 1) A. Ed.: J.RAS 12, 153; C.CII 1, Pl. 1—2; C.ASR, 5, Pl. 5; S.IP 1 (Ende); IA 10, 105; — 2) spätere Inschr.: P.IA 1, 96, Pl. 6, 144, Pl. 9, 162, Pl. 10; W.AA 54, Pl. 2, 262; C.ASR 2, 124, Pl. 59, 160, Pl. 43; 5, Pl. 16, 28; J.RAS 20, 222, Pl. 3, 238, Pl. 4, 250, Pl. 9, 256, Pl. 10; N.S 9, 144; J.ASB 23, 57; 31, 176, 532; 39, 65; 58, 257, Pl. 10; IA 18, 257; S.NEI, Nr. 3 u. 5 (sämtlich unbrauchbar, mit Ausnahme der vier letzten).

c5.s5.5

§ 11. Der archaische Typus¹. — A. Die Grundzeichen. — 1) Alle Buchstaben, die mit einer verticalen oder schrägen Linie endigen, können am Fusse links einen im spitzen Winkel aufwärts gehenden Strich erhalten, der lediglich zur Begrenzung des Längsstriches dient, T. I: 1, II; 6, II, V; 7, II; 8, II; u. s. w. Endigt der Buchstabe mit zwei verticalen oder schrägen Linien, *ya* und *śa* 34, II, IV, so kann die linke den Aufstrich erhalten. Für denselben tritt in A. Ed. Man. bei *ḍa*, 18, V mitunter eine gerade Linie ein. — 2) *Ca* zeigt drei Varianten a) Kopf mit stumpfem Winkel, 10, I, II, IV; b) Kopf mit Curve, 10, V; c) Kopf mit Curve durch Verticallinie mit dem unteren Teile verbunden, 10, III. -- 3) *Cha* zeigt auch bald Winkel, 11, I, IV, bald Curve am Kopfe, 11, II, und mitunter die cursive Auslassung des Querstriches unter dem Kopfe, 11, II. — 4) Die volle Form von *ja*, 12, I, V, findet sich wenigstens einmal in A. Ed. Sh. und öfter in Man., wo (Ed. V, 24) der Horizontalstrich auch einmal links vom Fusse steht. Der linke Seitenarm des *ja* ist oft gekrümmt, 12, III. -- 5) Bei *ña* wird das zweite verkürzte *na* (s. o. § 9, B. 3) bald rechts, 14, I, V, bald links, 14, III—IV, angesetzt. Einige Male erscheint cursiv rechts ein gerader Strich ähnlich wie in 14, IX. — 6) Die normale Form von *ṭa* ist die von 15, I—II, doch erscheint die linke Barre auch tiefer als die rechte, 15, V; 38, II, oder beide Barren stehen links, 38, VI, oder die Barre rechts wird (besonders in A. Ed. Man.) weggelassen, 15, III. -- 7) *Ta*, 20, ist fast stets kleiner und breiter als *ra*, 31, und meist sind seine beiden Linien von gleicher Länge oder die abwärts gerichtete ist kürzer. Formen wie 20, V sind selten. -- 8) *Di*, 22, II, zeigt zwei Mal, Sh. Ed. IV, 8 und Man. Ed. VII, 33, (wo in der ZDMG irrtümlich *dri* gelesen ist), eine Curve am Fusse rechts, die wohl nur ein Versuch ist, *da* und *na* deutlich zu scheiden. -- 9) Die Aufbiegung des linken Endes von *dha*, 23, V, ist selten und secundär, vgl. § 9, B. 1. Der Zapfen des abnormen *dha*, 38, VIII (A. Ed. Man.), ist ein cursives Substitut für die mitunter scharfe Einbiegung, 23, V. — 10) *Na* mit nach rechts gekrümmtem Kopfe, 24, III, ist in der Silbe *ne* nicht selten. — 11) Das verstümmelte *ma*, 29, I, ist häufiger als das mit Resten des alten Seitenstriches, 29, II—III (vgl. § 9, A. Nr. 12). In Verbindung mit Vocalzeichen erscheint ersteres stets und verdankt solchen Verbindungen ohne Zweifel seine Entstehung. — 12) *La* mit gerundetem Seitenarm, genau wie das spätere in 32, VIII, ist in den A. Ed. selten, findet sich aber in Man. Ed. VI, 29. — 13) Cursiv gerundete *śa*, 34, III, sind selten. Einmal, Sh. Ed. XIII, 1, erscheint ein *śa*, welches einem oben runden *ya* gleicht. — 14) Aus dem ältesten *sa* mit polygonalem Kopfe, 36, V, sind die mit dreieckigen, 36, II, oder halbrunden Köpfen, 36, I, III—IV, cursiv entwickelt. Bei den ersteren fehlt auch mitunter der Verticalstrich, z. B. in Man.

c5.s5.6

¹ Alle

c5.s5.7

Ed. VI, 27. — 15) Die sehr gewöhnlichen *ha* mit einer Curve, 37, I, IV, oder einem Häkchen, 37, III, V, am Fusse, sind cursive Vereinfachungen des *ha* von 37, II, vgl. § 9, A. Nr. 5.

c5.s5.8

B. Mittlere Vocale und Anusvāra. — 1) Der *i*-Strich geht regelrecht quer durch die linke Seite des Horizontalstriches am Kopfe, 6, III; 7, III; 15, II—III, u. s. w., bei Zeichen mit zwei horizontalen oder schrägen Kopfstrichen durch beide, 14, III; 16, III; 38, III, VI u. s. w., eben so durch beide Striche des Kopfes von *ṇa*, 19, X. Er steht aber in *I*, 2, I, *di*, 22, II und *ni* gerade unterhalb des Kopfes, in *yi*, 30, II, im linken Schenkel. — 2) Der *e*-Strich entspricht in Form und Stellung der oberen Hälfte des *i*-Striches, vgl. 4, I; 6, IV; 12, II; 19, III u. s. w., kann in E, 4, II, indess auch gerade auf dem Kopfe des *A* stehen. — 3) Der *o*-Strich entspricht in seiner Stellung meist der unteren Hälfte des *i*-Striches, 5, I; 12, IV; 14, IV, u. s. w., rückt jedoch in *go*, *gho*, 9, II, und *so*, 36, IV, etwas weiter rechts in den durch die Kopfstriche gebildeten Winkel. — 4) Der *u*-Strich steht regelrecht links an der Spitze des Fusses des Grundzeichens, 3, I; 8, III; 10, IV; 12, III u. s. w., rückt aber etwas in die Höhe, wenn der Fuss nach links, 3, II, oder rechts, 22, IV gekrümmt wird, oder einen Haken nach rechts hat, 25, V, 37, IV. In *mu* steht er an der linken Spitze des *ma*, vgl. *mru*, 29, V. — 5) Der Anusvāra hat nur in *maṃ*, 29, IV, mitunter die volle Form des *ma*, vgl. oben § 9, B, 4. Gewöhnlicher erscheint cursiv unter *ma* ein gerader Strich, 38, XI, oder zwei Häkchen an den Seiten, 38, X. Bei andern Consonanten, die mit *einem* schrägen oder Vertikalstrich endigen, wird der Anusvāra durch einen nach oben offenen Winkel bezeichnet, den der Fuss des Buchstabens halbirt, 8, IV; 11, IV; 17, V; 19, V, u. s. w., oder (in Sh. seltener, in Man. häufiger) durch eine gerade Linie, 21, V, die Vertreter der Curve des *ma* ist. Hat der Fuss des Consonanten einen andern Ansatz, so rückt der Anusvāra höher an dem Verticalstrich hinauf, 14, V; 18, V; 33, V; 38 V. Bei *yaṃ*, 30, V, und *saṃ* wird der Winkel getheilt und die eine Hälfte rechts, die andere links angesetzt. Dasselbe kann bei *kaṃ* und *bhaṃ*, 28, IV, geschehen.

c5.s5.9

C. Die Ligaturen. — 1) Gar keine oder unbedeutende Veränderungen der verbundenen Zeichen zeigen *bhye*, 38, IX, *mma*, 38, XII, *mya*, 38, XII b. Sonst wird eines der beiden mehr oder weniger verstümmelt. — 2) Bei Verbindungen mit *ra*, welches bald vor bald nach dem darüber stehenden Consonanten zu sprechen ist (Ausnahme in *r*+*ṭa* in Man. V, 24), erscheint neben geringen Verstümmelungen in *rṭi*, 38, IV und *rva*, 39, I, für *ra* (a) eine schräge Linie (mit oder ohne Biegung) durch die Mitte des Verticalstriches des vorhergehenden Consonanten in *gra* 38, I, *rṭa* 38, II, *rṭi* 38, III, (b) am Fusse desselben ein gekrümmter Strich in *rṭi* 38, V, oder ein gerader, bald horizontaler, bald aufwärts oder abwärts gehender in *kra* 6, V, *gra* 8, V; *tra* 20, V; *dhra* 23, V; 38, VIII; *pru* 25, V, *bra* 27, V, *vram* 33, V, *śru* 34, V, *stri* 39, VIII—IX. Bei *ma* tritt der *ra*-Strich stets an die rechte Spitze, vgl. *mru*, 29, V, und in *kra* und *bhra*, 28, V, mitunter an das rechte Ende des Hakens. Für den *ra*-Strich tritt auch, besonders in A. Ed. Man. eine nach oben offene Curve ein, vgl. *thra* 21, IV. Die Striche und Curven sind natürlich cursive Vertreter des an den Fuss des vorhergehenden Zeichens gehängten *ra*. 3) In *vru*, 39, II, sind die beiden Zeichen so in einander geschoben, dass der eine Verticalstrich für beide dient. Dieselbe Methode wird auch gewöhnlich für die Ligatur *sta* gebraucht (die, nur einmal in Sh. Ed. I, aus *sa* mit eingehängtem *ta*, 39, IV, besteht). Zugleich wird aber *sa* verstümmelt, indem die Mitte des Kopfes offen bleibt und das Häkchen links weggelassen wird; so deutlich in *sti* 39, V und *stri* 39, IX, während *sta* 39, III, *sti* 39, VI, *stu* 39, VII, und *stri* 39, VIII noch mehr cursiv gemacht sind. *Spa* wird nach denselben Grundsätzen gebildet, das *sa* aber noch mehr verstümmelt und nur durch ein Häkchen über dem Verticalstrich von *pa*, vgl. *spa* 39, X,* *spi* 39, XII angedeutet. In *spa* 39, XI, ist das Häkchen rechts auf das Seitenglied von *pa* gesetzt. — 4) Die Ligatur in 38, VII, scheint zwei Bedeutungen zu haben. Sie erscheint in Sh. Ed. X, 21, wo *tva* oder *tta* (*tadatvaye* oder *tadattaye*) zu erwarten ist und oft in Man. Ed. XII, wo *tma* (*atma*) stehen sollte. Da die Kuṣaṇa-Inschr. ein ähnliches Zeichen, 31, XIII in dem Vertreter von Sanskrit *satvānāṁ* bieten, so ist wahrscheinlich auch in Sh. Ed. X, 21 *tva* zu lesen und anzunehmen, dass die Curve ein an den Fuss des *ta* gehängtes *va* repräsentirt, ähnlich wie sie in *thra*, 21, IV, für *ra* steht. Hiefür kann man noch 30, XIII und 37, XIII anführen, die höchst wahrscheinlich *śva* (*iśvara*) und *sva* (*viharasvamini*) zu lesen sind. In Man. Ed. XII muss man das Zeichen 38, VII dagegen *tma* lesen.

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