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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s2.3

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s2.3

Language
German

c6.s2.3

Eine andere Eigentümlichkeit¹⁰, welche sich in vielen Inschriften in Prakrit und gemischter Sprache findet, besteht in der häufigen Verwechslung der Zeichen für die Zischlaute. In den A. Ed. von K., Si., Bai. II.¹¹, in Bhaṭṭiprolu, in den Höhleninschriften von Nāgārjunī und Rāmnāth¹² und in den Mathurā-Inschriften der Kuṣana-Periode, ja sogar in den beiden ältesten ceilonesischen Inschriften treten *ṣa* oder *śa* für *sa*, *śa* für *ṣa* und *sa* für *śa* oder *ṣa* sehr unregelmässig ein. Der Grund dieser Verwechslung liegt teils darin, dass das Schulalphabet, welches die ungebildeten oder halbgebildeten Schreiber erlernten, ursprünglich für das Sanskrit bestimmt war und Zeichen für mehr Zischlaute enthielt als die Prakritsprachen besassen, teils aber in der nachlässigen Aussprache der nicht grammatisch gebildeten Classen. Wahrscheinlich enthielten wenigstens die westlichen und südlichen alten Prakritdialecte früher, wie jetzt, sowohl den palatalen als auch den dentalen Zischlaut, und wurden diese beiden Laute damals, wie jetzt, oft vertauscht. Die natürliche Folge war, dass das Gefühl für die eigentliche Bedeutung der drei Zeichen verschwand. Die Sanskritinschriften aller Jahrhunderte, besonders die von Kanzlisten geschriebenen Landschenkungen, sowie die MSS. der in modernen Prakritsprachen verfassten Werke, und die Schriftstücke aus den heutigen Kanzleien bieten durch ihre zahllosen Fehler im Gebrauche der Zischlaute ebenso viele Belege für die Richtigkeit dieser Erklärung der Unregelmässigkeiten in den alten Dokumenten. Für diese Annahme bietet das je einmalige Vorkommen von *ṇa*¹³ in den S. Ed. von Dh. und J., für deren Sprache *na* allein erlaubt ist, eine weitere Bestätigung, da auch in diesem Falle das Schulalphabet mit seinem *ṇa* und *na* den Irrtum veranlasst haben wird. Die abweichende Ansicht¹⁴, der zufolge die Verwechslung der Zischlaute in den A. Ed. auf eine unvollständige Fixirung der Brāhmī im 3. Jahrh. deutet, beruht auf der jetzt unhaltbaren Voraussetzung, dass die Brāhmī nicht für das Sanskrit, sondern für Prakritdialecte ausgebildet ist.

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