Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s3.16
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s3.16
- Language
- German
c6.s3.16
§ 16. Der ältere Maurya-Typus. — A. Geographische Verbreitung und Dauer des Gebrauches¹. — Der Gebrauch des älteren Maurya-Typus erstreckt sich über ganz Indien und scheint sogar im 3. Jahrh. a. Chr. nach Ceilon übergegriffen zu haben. Denn die beiden ältesten ceilonesischen Inschriften² aus der Zeit des Königs Abaya Gāmini, die wahrscheinlich dem Ende des 2. oder Anfange des 1. Jahrh. a. Chr. angehören, zeigen eine Schrift, die aus der der A. Ed. entwickelt zu sein scheint. Die von den Buddhisten überlieferten engen Beziehungen³ zwischen Aśoka und Tissa von Ceilon machen eine Übertragung der Brāhmī von Māgadha aus um 250 a. Chr. nicht unwahrscheinlich. Es ist indess auch möglich, dass dieselbe schon früher von den indischen Colonisten nach der Insel mitgebracht ist. Die obere Grenze der Dauer des Gebrauches des älteren Maurya-Typus ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Indess lassen die einzelnen, auf persischen Sigloi vorkommenden Buchstaben vermuten (§ 15, 1), dass seine Formen vor dem Untergange des Achämenidenreiches (331 a. Chr.) gebraucht wurden. Sodann machen es die oben angeführten Angaben der Tradition (§ 1) und das schon (§ 3) erwähnte und unten (s. § 16 C) ausführlicher zu besprechende Vorkommen vieler secundärer und tertiärer Formen in den A. Ed., sowie der Localformen, wenigstens wahrscheinlich, dass die ältesten primären Zeichen bedeutend früher existirten. Die untere Grenze für den Gebrauch dieses Typus liegt dagegen keines Falls weit von dem Ende der Regierung Aśoka's (ca. 220 a. Chr.) entfernt und wird um 200 a. Chr. fallen. Hierfür zeugen insbesondere die Inschriften seines Grosssohnes Daśaratha, welche »unmittelbar nach der Salbung« (*ānaṃtaliyaṃ abhisiṭena*), also wahrscheinlich noch vor dem Ende des 3. Jahrh., eingemeisselt wurden, sowie die den letzteren paläographisch nahe verwandten Legenden auf den Münzen der I. G. Könige Pantaleon und Agathokles, die wahrscheinlich im Anfange des 2. Jahrh. a. Chr. regierten⁴. Die Charactere der Nāgārjunī-Inschriften, T. II, C. XVII, unterscheiden sich scharf von denen der A. Ed., teils durch die weit entwickelten Formen des *ja*, *ta*, *da* und *la*, noch mehr aber durch die consequente bedeutende Verkürzung der Verticalstriche. Die letztere Eigentümlichkeit findet sich genau so auf den Münzen der beiden I. G. Könige, welche jedoch auch eine weitere Entwicklung der nördlichen Form des *ja* von Taf. II, 15, III, zeigen. Obschon die verkürzten Formen der Buchstaben, wie die Eindruckstafel (o. S. 7) und einzelne Zeichen in Taf. II, z. B. 23; III, 29, XII, zeigen, im 3. Jahrh. keineswegs unbekannt waren, so ist doch, nach den jetzt vorliegenden Materialien zu urteilen, ihre consequente Verwendung ein Characteristicum der Typen des 2. und der späteren Jahrh. Alle nicht datirten Inschriften mit langen Verticalstrichen glaube ich deshalb dem 3. Jahr. zuweisen zu müssen und die mit verkürzten der späteren Zeit.