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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s3.17

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s3.17

Language
German

c6.s3.17

B. Die localen Abarten. — Die besonderen Umstände, unter denen die MSS. der A. Ed. angefertigt sind, machten den vollen Ausdruck der vorhandenen localen Abarten der Schrift unmöglich. Einerseits musste der Umstand schaden, dass alle Ed. zuerst in der kaiserlichen Kanzlei zu Pāṭaliputra aufgesetzt und dann in die Provinzen versendet wurden. Dort wurden sie, wie dialectische und redactionelle Abweichungen zeigen, von den Schreibern der Statthalter umgeschrieben, ehe sie in die Hände der Steinmetzen gelangten. Selbstverständlich werden die Schreiber in den Provinzen bei dem Copiren durch die Buchstabenformen ihrer Vorlagen beeinflusst sein und dieselben mitunter, sei es unwillkürlich, sei es aus Respect, nachgeahmt haben. Ebenso dürfte zur Verwischung der Localformen der Umstand beigetragen haben, dass die Schreiber der Statthalter schwerlich immer Eingeborene der Provinzen waren, in welchen sie dienten. Aśoka's Lajuka oder Rājuka werden meist aus Māgadha, dem Stammlande der Maurya, gesendet und manche gewiss im Laufe ihres Dienstes aus einer Provinz in die andere versetzt worden sein. Wer die Verhältnisse in asiatischen Staaten, die in den »Native States« Indiens noch jetzt fortdauern, in Betracht zieht, wird es wahrscheinlich finden, dass die Statthalter sich ihre Subalternen wenigstens zum Teil mitbrachten, sei es aus ihrer Heimat, sei es aus andern Orten, wo sie früher selbst regiert hatten. Hiefür kann man den Fall des Paḍa, des Schreibers der Ed. von Si., anführen. Seine Kenntnis der Kharoṣṭhī deutet wahrscheinlich darauf, dass er aus dem Norden nach dem Süden von Indien eingewandert oder versetzt worden war.