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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s3: § 15. Übersicht über die Schrifttypen der Taf. II—III

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s3

Language
German

Contents

§ 15. Übersicht über die Schrifttypen der Taf. II—III

c6.s3.1

— Die Taf. II—III bieten folgende fünfzehn Typen der ältesten Periode: 1) den linksläufigen Typus der Eraṇ-Münze (T. II, C. I), wahrscheinlich aus dem 4. Jahrh. a. Chr.; 2) den älteren Maurya-Typus, der sich in den A. Ed.² (T. II, C. II—XII), auf persischen Sigloi³, auf den ältesten indischen Münzen von Taxila u. s. w.⁴, in der Mehrzahl der Inschriften des Bharahut-Stūpa (T. II, 6, XVIII, 45, XI), in Gayā⁵, Sāncī⁶ und Parkham⁷, auf den Patna-Siegeln, der Sohgāura-Kupfertafel⁸ und dem Steine von Ghasundī oder Nagarī (T. II, C. XVI) mit mehreren localen Abarten finden, 3.—4. Jahrh. a. Chr.; 3) die Drāviḍī von Bhaṭṭiprolu (T. II, C. XIII—XVI), die sich an die südliche Abart des ä. M.-T. anschliesst, aber viele sehr altertümliche Zeichen zeigt, ca. 200 a. Chr.; 4) den jüngeren Maurya-Typus der Inschrift Daśaratha's (T. II, C. XVII), dem die Buchstaben der Münzen der I.G. Könige Pantaleon und Agathocles⁹ nahe stehen, ca. 210—180 a. Chr.; 5) den Śuṅga-Typus der Inschriften des Toraṇa von Bharahut (T. II, C. XVIII), der mit dem der Pabhosa-Inschriften (T. II, C. XIX), der späteren Votivinschrift von Bharahut und Sāncī¹⁰ und der ältesten von Mathurā¹¹ (T. II, C. XX) und der Riwa-Inschrift¹² u. s. w. nahe verwandt ist¹³, 2.—1. Jahrh. a. Chr.; 6) den älteren Kaliṅga-Typus der Höhleninschriften von Kaṭak (Hāthigumphā), T. II, C. XXI—XXII, ca. 150 a. Chr.; 7) den archaischen Typus des westlichen Dekhan der Inschrift des Nānāghāt (T. II, C. XXIII—XXIV), der in den Inschriften von Nāsik, Nr. 1, von Piṭhalkora und von Ajantā, Nr. 1—2¹⁴, wiederkehrt, von ca. 150 a. Chr. bis zum 1. Jahrh. p. Chr.; 8—9) die Vorläufer der späteren nördlichen Alphabete, den Typus der Inschriften des nördlichen Kṣatrapa Śoḍāsa und der »archaischen« Inschriften aus Mathurā (T. III, C. I—II), 1. Jahrh. a. Chr. oder 1. Jahrh. p. Chr.; 10—15) die Vorläufer der späteren südlichen Alphabete, den Typus von Kathiawar aus der Zeit des westlichen Kṣatrapa Rudradāman (T. III, C. VI), ca. 150 p. Chr.; den archaistischen Typus des westlichen Dekhan aus der Zeit des Kṣatrapa Nahapāna (T. III, C. VII), Anfang des 2. Jahrh. (?); den moderneren Typus derselben Gegend mit zum Teil nur schwachen Spuren der späteren südlichen Eigentümlichkeiten der Inschriften aus der Zeit des Kṣatrapa Nahapāna (T. III, C. VIII—IX), der Inschrift des Andhrakönigs Gotamīputa Sātakaṇi (C. X), des A. K. Puḷumāyi (C. XI), des A. K. Gotamīputa Siriyaña Sātakaṇi (C. XII), der Inschrift von Nāsik, Nr. 20 (C. XIII), und der Inschrift aus der Zeit des Ābhīrakönigs Īśvarasena (C. XIV), 2. Jahrh. p. Chr.; den ornamentalen Typus derselben Gegend mit stärkeren südlichen Merkmalen aus den Kuda- und Junnar-Inschriften (C. XV—XVI), 2. Jahrh.; den stark ornamentalen Typus der Ostküste in den Inschriften von Jagayyapetta (C. XVII—XVIII), 3. Jahrh. (?); und den alten Cursivtypus der Prakrit-Inschriften des Pallavakönigs Śivaskandavarman, 4. Jahrh. p. Chr. (?).

c6.s3.2

¹ Herst. der Tafeln: A. Taf. II, C. I = Nachz. e. Gypsabguss. d. Eran-Münze in C.CAI, Pl. 11, Nr. 18 (A ergänzt aus d. Patna-Siegel, C.ASR, 15, Pl. 2); — C. II—III = Ausschnitte a. Facs. von K., EI, 2, 447 ff. — C. IV—V = Ausschn. a. Facs. von DS., IA, 13, 306 ff. — C. VI—VII = Ausschn. a. Facs. von J., B.ASRSI, 1, Pl. 67—69 (20, VI erg. a. R, EI, 2, 245 ff. u. 44, VII Nachz. nach Abkl. von Sah.); — C. VIII—X = Ausschn. a. Facs. von G, EI, 2, 447 ff. (34 [ra] zwischen VII—VIII erg. a. Rū, IA, 6, 156); — C. XI—XII = Ausschn. a. Facs. von Si., EI, 3, 134 ff. (44, XII, Nachz. von Abkl. von Bai. I; 45, XI, Nachz. von Bh. Nr. 98, Facs. ZDMG, 40, 58 ff); — C. XIII—XV = EI, 2, 323 ff.; — C. XVI = Durchz. von Facs. J.ASB, 56, 74, Pl. 5a; — C. XVII = Ausschn. a. Facs. IA, 20, 361 ff.; — C. XVIII = Durchz. Facs., IA, 14, 139 (6 erg. a. Facs. Bh. Nr. 98, ZDMG, 40, 58, u. 52 a. Abkl. von Sā, St. I, Nr. 199); — C. XIX = Ausschn. Facs. EI, 2, 240 ff.; — C. XX = Ausschn. a. Facs. EI, 1, 396, Nr. 33 u. EI, 2, 195, Nr. 1; — C. XXI—II = Nachz. nach CUNNINGHAM's Phot. der Khāravela-Inschr.; — C. XXIII—IV = Ausschn. a. Facs., B.ASRWI, 5, Pl. 51, Nr. 1—2. — B. Taf. III, C. I—II = Ausschn. a. Facs. zu EI, 2, 199, Nr. 2 u. 5 und CUNNINGHAM's Phot. der Mora Well Inscr. (vgl. C.ASR, 20, Pl. 5, Nr. 4); — C. III—V = Ausschn. a. Facs. dat. Kuṣana-Inschr., EI, 1, 371 ff. u. 2, 195 ff.; — C. VI = Nachz. Facs., B.ASRWI, 3, Pl. 14; — C. VII—XVI = Ausschn. a. Facs., B.ASRWI, 4, Pl. 51, Nr. 19; Pl. 52, Nr. 5, 9—10, 18—19; Pl. 53, Nr. 13—14; Pl. 55, Nr. 22; Pl. 48, Nr. 3 u. Durchz. für C. XV aus Pl. 45, Nr. 5—6, 11; -- C. XVII—VIII = Ausschn. a. Facs. B.ASRSI, 1, Pl. 62—63; — C. XIX—XX = Ausschn. a. Facs. EI, 1, 1 ff. Der Grund der Ausschnitte aller Tafeln und undeutliche Striche sind retouchirt. Verkleinerung für T. II = 0.5 der Ausschn. ausser von 13, II, sowie VI—VII, XXIII—IV, die so gross sind wie die Facs. Verkl. für Taf. III = 2/9.

c6.s3.3

² Vgl. ausser den in Note 1 gen. folg. zuverlässige Facs. von A. Ed.: B.ASRWI, 3, 98 ff. (G.); IA, 13, 306 ff. (A); IA, 19, 122 ff. (DM, A. Q. Ed., A. Ko.), IA, 20, 364 (Bar.); IA, 22, 299 (Sah. Rū.); EI, 2, 366 (Sā.); JA, 1887, 498 (Bai. I) und die Schrifttaf. in B.ASRWI, 4, Pl. 5.

c6.s3.4

³ Vgl. WZKM, 9, 65; J.RAS, 1895, 865 (Taf.).

c6.s3.5

⁴ C.CAI, Pl. 2—3, Pl. 8, Nr. 1, Pl. 10, Nr. 20.

c6.s3.6

⁵ C.MG, Pl. 10, Nr. 1—3.

c6.s3.7

⁶ Facs. EI, 2, 366 ff.

c6.s3.8

⁷ C.ASR, 20, Pl. 6.

c6.s3.9

⁸ Proc. ASB, May—June 1894, Pl. I.

c6.s3.10

⁹ P. GARDNER, Cat. IG and Scyth. C. Br. Mus., Pl. 3—4.

c6.s3.11

¹⁰ Taf. ZDMG, 40, 58 ff., EI, 2, 366 (Facs. St. I, Nr. 288, 377—78).

c6.s3.12

¹¹ Vgl. Taf. Actes VI. Congrès Int. Or. 3, 2, 142.

c6.s3.13

¹² IA, 9, 121.

c6.s3.14

¹³ Vgl. noch C.CAI, Pl. 4, Nr. 8—15, Pl. 5, Pl. 8, 2 ff.; Pl. 9, 1—5; C.MG, Pl. 10, Nr. 4—11; B.ASRWI, 4, Pl. 44, Bh., Nr. 1—6; Ko.

c6.s3.15

¹⁴ B.ASRWI, 4, Pl. 44, Pi., Nr. 1—7, Pl. 51, Nr. 1, Pl. 51, Nasik, Nr. I.

c6.s3.16

§ 16. Der ältere Maurya-Typus. — A. Geographische Verbreitung und Dauer des Gebrauches¹. — Der Gebrauch des älteren Maurya-Typus erstreckt sich über ganz Indien und scheint sogar im 3. Jahrh. a. Chr. nach Ceilon übergegriffen zu haben. Denn die beiden ältesten ceilonesischen Inschriften² aus der Zeit des Königs Abaya Gāmini, die wahrscheinlich dem Ende des 2. oder Anfange des 1. Jahrh. a. Chr. angehören, zeigen eine Schrift, die aus der der A. Ed. entwickelt zu sein scheint. Die von den Buddhisten überlieferten engen Beziehungen³ zwischen Aśoka und Tissa von Ceilon machen eine Übertragung der Brāhmī von Māgadha aus um 250 a. Chr. nicht unwahrscheinlich. Es ist indess auch möglich, dass dieselbe schon früher von den indischen Colonisten nach der Insel mitgebracht ist. Die obere Grenze der Dauer des Gebrauches des älteren Maurya-Typus ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Indess lassen die einzelnen, auf persischen Sigloi vorkommenden Buchstaben vermuten (§ 15, 1), dass seine Formen vor dem Untergange des Achämenidenreiches (331 a. Chr.) gebraucht wurden. Sodann machen es die oben angeführten Angaben der Tradition (§ 1) und das schon (§ 3) erwähnte und unten (s. § 16 C) ausführlicher zu besprechende Vorkommen vieler secundärer und tertiärer Formen in den A. Ed., sowie der Localformen, wenigstens wahrscheinlich, dass die ältesten primären Zeichen bedeutend früher existirten. Die untere Grenze für den Gebrauch dieses Typus liegt dagegen keines Falls weit von dem Ende der Regierung Aśoka's (ca. 220 a. Chr.) entfernt und wird um 200 a. Chr. fallen. Hierfür zeugen insbesondere die Inschriften seines Grosssohnes Daśaratha, welche »unmittelbar nach der Salbung« (*ānaṃtaliyaṃ abhisiṭena*), also wahrscheinlich noch vor dem Ende des 3. Jahrh., eingemeisselt wurden, sowie die den letzteren paläographisch nahe verwandten Legenden auf den Münzen der I. G. Könige Pantaleon und Agathokles, die wahrscheinlich im Anfange des 2. Jahrh. a. Chr. regierten⁴. Die Charactere der Nāgārjunī-Inschriften, T. II, C. XVII, unterscheiden sich scharf von denen der A. Ed., teils durch die weit entwickelten Formen des *ja*, *ta*, *da* und *la*, noch mehr aber durch die consequente bedeutende Verkürzung der Verticalstriche. Die letztere Eigentümlichkeit findet sich genau so auf den Münzen der beiden I. G. Könige, welche jedoch auch eine weitere Entwicklung der nördlichen Form des *ja* von Taf. II, 15, III, zeigen. Obschon die verkürzten Formen der Buchstaben, wie die Eindruckstafel (o. S. 7) und einzelne Zeichen in Taf. II, z. B. 23; III, 29, XII, zeigen, im 3. Jahrh. keineswegs unbekannt waren, so ist doch, nach den jetzt vorliegenden Materialien zu urteilen, ihre consequente Verwendung ein Characteristicum der Typen des 2. und der späteren Jahrh. Alle nicht datirten Inschriften mit langen Verticalstrichen glaube ich deshalb dem 3. Jahr. zuweisen zu müssen und die mit verkürzten der späteren Zeit.

c6.s3.17

B. Die localen Abarten. — Die besonderen Umstände, unter denen die MSS. der A. Ed. angefertigt sind, machten den vollen Ausdruck der vorhandenen localen Abarten der Schrift unmöglich. Einerseits musste der Umstand schaden, dass alle Ed. zuerst in der kaiserlichen Kanzlei zu Pāṭaliputra aufgesetzt und dann in die Provinzen versendet wurden. Dort wurden sie, wie dialectische und redactionelle Abweichungen zeigen, von den Schreibern der Statthalter umgeschrieben, ehe sie in die Hände der Steinmetzen gelangten. Selbstverständlich werden die Schreiber in den Provinzen bei dem Copiren durch die Buchstabenformen ihrer Vorlagen beeinflusst sein und dieselben mitunter, sei es unwillkürlich, sei es aus Respect, nachgeahmt haben. Ebenso dürfte zur Verwischung der Localformen der Umstand beigetragen haben, dass die Schreiber der Statthalter schwerlich immer Eingeborene der Provinzen waren, in welchen sie dienten. Aśoka's Lajuka oder Rājuka werden meist aus Māgadha, dem Stammlande der Maurya, gesendet und manche gewiss im Laufe ihres Dienstes aus einer Provinz in die andere versetzt worden sein. Wer die Verhältnisse in asiatischen Staaten, die in den »Native States« Indiens noch jetzt fortdauern, in Betracht zieht, wird es wahrscheinlich finden, dass die Statthalter sich ihre Subalternen wenigstens zum Teil mitbrachten, sei es aus ihrer Heimat, sei es aus andern Orten, wo sie früher selbst regiert hatten. Hiefür kann man den Fall des Paḍa, des Schreibers der Ed. von Si., anführen. Seine Kenntnis der Kharoṣṭhī deutet wahrscheinlich darauf, dass er aus dem Norden nach dem Süden von Indien eingewandert oder versetzt worden war.

c6.s3.18

Trotz dieser ungünstigen Umstände kann man in den A. Ed. wenigstens zwei, vielleicht drei locale Abarten erkennen. Zunächst findet sich eine nördliche und eine südliche, für welche, wie bei der späteren Schriftentwicklung, der Vindhya, oder wie der Inder sagt, die Narmadā, ungefähr die Grenze bezeichnet. Die südliche Varietät ist in G. und Si.⁵ am deutlichsten ausgeprägt, schwächer in Dh. und J., und zwar durch die Unterschiede in den Zeichen für *A—Ā*, *kha*, *ja*, *ma*, *ra*, *sa* und durch ihr mittleres *i*, sowie die Ligaturen mit *ra* (s. u.). Eine Vergleichung der nächst verwandten nördlichen und südlichen Typen bestätigt die Annahme, dass die erwähnten Unterschiede mehr als Zufälligkeiten sind. Wenn Si. nicht in allen Fällen mit G. geht, so wird das auf Rechnung des Umstandes zu setzen sein, dass der Schreiber Pada entweder im Norden geboren war oder dort gedient hatte.

c6.s3.19

Auch die Schrift der nördlichen Versionen ist keineswegs ganz gleichartig. Eine grössere geschlossene Gruppe bilden die Säulened. von A., M., R., Rā. und Ni., die nur hie und da unbedeutende Unterschiede zeigen, und die Ed. von Bai. I, Sah., Bar. und Sā. schliessen sich eng an. Etwas entfernter stehen die Säulened. von DS. (deren Ed. VII von einer andern Hand als Ed. I—VI herrührt), DM. und A. Q. Ed., da in diesen das *da* die eckige Form hat. Ganz eigenartig ist die Schrift der Felsened. von K., der sich J. S. Ed. in einigen Punkten anschliesst. Man kann deshalb vielleicht noch von einer nordwestlichen Abart des älteren Maurya-Typus sprechen⁶.

c6.s3.20.1

C. Die Grundzeichen oder Mātṛkā. — Zeichen, die mit Verticallinien beginnen, zeigen schon in den A. Ed. mitunter am oberen Ende eine Verdickung oder kurze Begrenzungslinie (Serif), s. *chha*, 14, II, *pa*, 26, VII, vgl. die EI, II, 448 und B.ASRSI, I, 115 notirten Fälle. 1—2)⁷ Ausser den auf S. 7 gegebenen 8 Formen des *A*—*Ā* zeigt die Tafel noch eine 9. in C. XI, mit Viereck oben statt Winkel (vgl. *ma*, 32, XI—XII); eine 10. mit vom Verticalstrich getrennten Winkel findet sich I Si. Ed., I, 2—3. Die Formen mit geknicktem Verticalstrich (C. VII, XI) sind dadurch entstanden, dass die oberen und unteren Hälften des Zeichens separat gemacht sind. — Die Anfügung des Längezeichens in *Ā* an die Spitze des Verticalstriches, C. VIII—IX, ist eine Eigentümlichkeit von G. — 3) Die Formen des *I* in C. III—IV sind die gewöhnlichsten, die in C. X, welche in den Gupta- u. a. späteren Typen die gewöhnliche ist, erscheint selten. 4) Das seltene *Ī*, das durch das Alphabet von MG. für das 3. Jahrh. gesichert ist, erscheint auch in C. MG, Pl. 10, Nr. 9—10, wo Cunningham *Iṇi* liest, da es, wie auch sonst, in dem Vertreter von *indra* vorkommt. Obschon diese Deutung möglich ist, halte ich sie nicht für wahrscheinlich, da dann eine Form des *I* ⁘ anzunehmen wäre, die nicht vorkommt. In späterer Zeit, T. VI, 4, V, VII, werden die Spitzen des Quadrats gegen die obere und die untere Linie gekehrt.

c6.s3.20.2

5,6) Hultzsch (ZDMG, 40, 71) giebt zu, dass dies Zeichen wie *Ū* aussieht, will aber aus sprachlichen Gründen *O* lesen, was nach E. Müller, Simp. Pali Gr., 12 f. nicht nötig ist. Die Existenz des *Ū* scheint mir für das 3. Jahrh. sicher. 7) *Addie*, die Hufeisenform von K. Ed. V, 16 u. s. w., in der Eindruckstafel S. 12, Nr. 16, C. V, b; das halbrunde *E* von C. XXII erscheint auch in Sānci St. I, Nr. 173. Das in dieser Reihe, C. XXI, gegebene *AI* ist durch das MG.-Alphabet für das 3. Jahrh. gesichert. 8) Betreffs des *O* von Dh. und J. in C. VI s. o., § 4, B. 4, a. 9) Das dolchförmige *ka* kommt sporadisch in allen Versionen vor, am seltensten in G. 10) Unter den sieben Formen des *kha* ist die älteste die von C. II (K.) und von C. VI (J. S. Ed. und Bh.), woraus zunächst das nördliche *kha* mit Schleife rechts, C. III (K., Bh.), und eine C. XVIII sehr ähnliche Form in J. S. Ed. 1, Z. 4, sowie weiter das *kha* mit Punkt und gebogenem Längsstrich, C. IV—V, gebildet wird. Gleichfalls nördlich ist das *kha* aus M. mit dem Dreieck in *khya*, 43, V (vgl. C.MG, Pl. 10, Nr. 3 und Bh.). Das gleichfalls aus dem primären *kha* abgeleitete in C. VII, IX—XII (mit dem Punkte unter der verticalen Linie) ist sowohl südlich (G., Si., Dh., J.) als nördlich (A., DM., M., R., Rā., Bai. I), das aus letzterem mit Weglassung des Punktes gebildete in C. VIII nur südlich (häufig in G.). 11) Das ursprünglich oben spitze *ga* wird mitunter etwas gerundet, C. IV, VI, X—XII.

c6.s3.20.3

12) Das primäre eckige *gha* erscheint mitunter in K. (C. III) und in den J. S. Ed. 13) Das primäre *ca* mit dem Schwanze (vgl. § 4, A. 18) erscheint auch in Sānci St. I, Nr. 269 u. 284 (EI, 2, 368). 14) Aus dem primären *cha* mit ungleichen Hälften in C. VI—VII ist zunächst secundär das mit dem durch den Verticalstrich geteilten Kreise, C. III—IV, abgeleitet und hieraus tertiär die später gewöhnliche Form mit zwei Schleifen in C. II und C.MG, Pl. 10, Nr. 1. 15) Die sämtlich aus dem *j* der Drāviḍī (C. XIII—XVI) abgeleiteten Formen zerfallen in a) nördliche mit der Schleife in C. III (K.M.), mit dem Punkte in C. IV—V (A., DS., DM., R., Bai. I, Ni., Dh., J., Si.) oder mit dem kurzen Mittelstriche in C. II (K., J. S. Ed., Sah., Rū.), b) südliche in C. VIII, X, XI, XVI (G., Dh., J., Gha.) und in C. IX (G.). 18) Neben dem halbkreisförmigen *ṭa* erscheinen oft secundäre, oben oder unten oder oben und unten abgeplattete Formen, C. II, XI, XVI. 20) Mit dem rundlichen *ḍa* von K. in C. III vgl. noch *ḍi* A. Q. Ed. Z. 3. 23) Aus dem primären *ta* in C. III und 43, C. III (*tu*), das auch oft seitlich umgedreht wird (Eindruckstafel S. 12, Nr. 22, V b), entstehen mit Rundung des Seitengliedes die Form in C. IV, V, XVI, die in C. VI u. 43, C. II (*ti*), sowie mit Geradestellung und Stilisirung des unteren Teiles das sehr gewöhnliche *ta* von C. XI, und aus dem letzteren tertiär die unten runde Form in C. XII, welche später sehr häufig vorkommt. 25) Aus dem primären gerundeten *da*, C.

c6.s3.20.4

II—III u. s. w., ist einerseits das eckige in C. IV—V (DM., DS., A. Ko., A. Q. Ed.), andererseits das cursive in C. VII, IX (G., J. u. s. w. selten) abgeleitet. 26) Das nicht seitlich umgedrehte *dha*, C. V—VII, erscheint nur in DS. (selten) und J. S. Ed. (stets). 28—29) Das eckige *pa*, C. XII, und *pha*, C. VI, erscheint sporadisch in verschiedenen Versionen. 30) *Adde*, das schiefgestellte rhombische *ba* der Eindruckstafel S. 12, Nr. 2, V, a, nicht selten in K. u. a. V. 31) Das secundäre *bha* mit geradem Striche rechts, C. XVI, und das mit rundem Rücken, C. VI (J. S. Ed.), erscheint auch in Bh. (stets), Sā. (oft), Bar. u. K. 32) Das secundäre *ma* mit dem Halbkreise oben in C. I—IV u. s. w. findet sich durchweg im Norden ausser in So., wo ein oben offenes Quadrat, ähnlich wie in Si., C. XI—XII, erscheint. Das ältere *ma* mit dem Winkel über dem Kreise, C. VIII—X, ist südlich und auf G. (ausschliesslich), Dh. und J. (selten) beschränkt. 33) Das unten eingekerbte *ya*, C. IV—V, VII, XI, wird in DS., DM., M., R., Rā., Ni., K., stets oder meistens gebraucht. Es überwiegt auch in Dh., J. und Si. In G. dagegen ist das unten runde, C. VIII, X, XII, das gewöhnliche, neben dem auch das spitzwinklige von C. IX mitunter auftritt. Bei dem gekerbten *ya* ist die linke Hälfte des Zeichens zuerst gemacht, und die rechte nachher angefügt, bei dem runden *ya* ist der Verticalstrich und der Halbkreis separat gemacht, wie *iyam*, Si. I, Ed. I, Z. 4, deutlich zeigt.

c6.s3.20.5

34) *Adde*, die *ra* von G. in der Eindruckstafel S. 12, Nr. 20, V. a und c. Das schraubenförmige *ra* von Gha., C. XVI, und das hieraus entstandene tertiäre beinahe geradlinige von Rū. zwischen C. VII u. VIII repräsentiren dem *ra* von G. und Si., C. VIII—XII, gegenüber die nördlichen abgeschliffeneren Formen. 35) *Das eckige *la*, C. III, V, erscheint sporadisch in den meisten Inschriften, das stark cursive in C. VII dagegen ist auf J. S. Ed. beschränkt. 36) *Adde*, das sehr modern aussehende *va* der Eindruckstafel S. 7, Nr. 19, aus K. Das unten platte *va* von Si. in C. XII und das dreieckige von Gha. in C. XVI erscheint auch sporadisch in anderen Versionen. Das einem umgedrehten *ca* ähnliche *va* in C. IX findet sich auch in Vesagame, So., Z. 2. 37) *Adde*, das *śa* mit breitem horizontalen der Eindruckstafel S. 12, Nr. 21, V. C und vgl. K. Ed. XIII, 1, Z. 35, 37—38; 2, Z. 7 und 19. 38) Die conjecturelle Lesung der Zeichen von K., C. II—III, als *ṣa* ist durch Senart's Bemerkungen, II², 1, 33 f., veranlasst. Das den späteren Formen zu Grunde liegende *ṣa* ist das von C. XVI. 39) Das primäre *sa* mit dem geraden Seitenstrich hat sich nur im Süden (G. und Si.) erhalten. Das cursive in C. VII kommt auch in K. öfter vor. 40) *Adde*, das wahrscheinlich primäre *ha* von Si. in der Eindruckstafel, S. 12, Nr. 5, V. a, das auch in K. vorkommt. Das cursive *ha* in C. VII ist auf J. S. Ed. beschränkt; in *mahamātā*, A. Ko. 1, erscheint eine etwas verschiedene Cursivform.

c6.s3.20.6

41) Ein sicheres *ḷa* ist in den Inschriften des 3. Jahrh. nicht vorhanden, da das *lī* von Sā., C. XVIII, ohne Zweifel dem 2. Jahrh. angehört. Indess ist es möglich, dass das *ḍa* mit dem Punkte, 20, C. VI (R.), *ḷa* zu lesen ist. Das Zeichen erscheint in DS., M. und R. (Ed. V), im Vertreter von Sanskrit *duḍī* oder *dulī*, und in M., R. im Vertreter von *dvādaśa*, wofür sonst *duvāḍasa* eintritt. Vielleicht ist der Punkt, wie in *kha* und *ja* ein Substitut für einen Kreis. Diese Modification des *ḍa* würde der späteren in C. XVIII—XX nahe kommen.

c6.s3.21

D. Mittlere Vocale und Anusvāra. — 1) Der ursprünglich gerade Strich des *ā* wird in K. oft, z. B. 37, III, und in a. V. sporadisch, wie in späterer Zeit, aufwärts gebogen. Derselbe wird in *khā*, 10, V—VI, *jā*, 15, VI, IX, XII; *ṭā*, 18, II; *ṭhā*, 19, II; *thā*, 24, II, XI an die Mitte des Zeichens gesetzt. In Bh. erscheint auch ein *jā* wie 15, XXI. 2) Für den Winkel des *i* (*khi*, 10, II u. s. w.) erscheint in G. regelmässig (*ḍhi*, 21, IX) und in J. S. Ed. selten (*khi*, 10, VII) eine flache Curve, die in *khi*, 10, VIII, und *ni*, 27, IX, an die Mitte des Consonanten tritt und oft von *ā* nicht leicht zu unterscheiden ist. In K. Ed. XIII, 2, 10 steht das *i* in *ti* (43, II) zwei Mal links vom Consonanten, ebenso in *ti* A. Ed. I (Ende) und in *hi* oder *hiṃ*, So. Z. 4. 3) Für den durch einen Verticalstrich halbirten Winkel hat G. meist eine halbirte Curve (*dī*, 25, IX), in *thī*, 24, IX, und *ṭī*, 18, IX, zwei parallele, schräg oder gerade aufwärts gehende Striche. 4) Das volle, dem *U* gleiche *u* kommt in dem *dhu*, 26, III, von K. einige Male deutlich vor, steckt aber auch in *ku*, 9, V; *gu*, 11, IX; *ḍu*, 20, VII, u. a. mit Verticalstrich endigenden Zeichen, indem der Verticalstrich doppelt zu rechnen ist, als Teil des *k*, *g*, *ḍ* und als Teil des suffigirten *U*, ganz wie bei vielen Ligaturen, vgl. u. E. 1. Sonst erscheint nur das secundäre mit Auslassung des Horizontalstriches in *dhu*, 26; II, *pu*, 28, III u. s. w., oder des Verticalstrichs in *tu*, 23, V u. s. w. In *tu* wird der Strich mitunter gerade (23, VIII) oder gekrümmt (43, III) aufwärts gedreht, vgl. das spätere *tū*, T. III, 21, XIX. 5) Der Gebrauch des suffigirten *Ū* für *ū* ist noch in *bhū*, 31, X; *kū* u. s. w. erkennbar, da der Verticalstrich sowohl Teil des *bh*, *k* u. s. w., als auch Teil des suffigirten *Ū* ist. Meist finden sich aber secundäre Formen, die beiden parallelen Horizontalstriche in *dhū*, 26, X, die eine Verstümmelung des *Ū* von 6, XVIII, sind, und verschiedene conventionelle Anordnungen zweier Striche in *pū*, 28, VIII, XVI u. s. w. 6) Vielleicht erscheint in Zeichen wie *ge*, 11, IV, noch ein Rest der secundären Hakenform des *e*, in welche das übergesetzte Dreieck wahrscheinlich verwandelt wurde, ehe es zum einfachen Striche wurde, und vielleicht ist der (wie in späterer Zeit) von links nach rechts herabsteigende *e*-Strich in *khe*, 10, III, *ge*, 11, III, und *gye*, 42, VII (häufig in K.), in gleicher Weise zu deuten. In *je*, 15, VII, *ṭe*, 18, V, *ṭhe*, 18, XII, und *the*, 24, XII steht *e* links von der Mitte des Consonanten, in *khe* nicht selten links am Ende des Hakens. 7) Mittleres *ai* ist auf *trai*, 23, IX und *thai*, 24, X in G., und auf *mai*, 32, XII in Si. beschränkt. 8) Das *o* bewahrt im allgemeinen die Gestalt des *O* sehr getreu, s. o. § 4, C. 1. Die spätere Cursivform mit den Barren in gleicher Höhe erscheint jedoch in *go*, 11, V (DS.), *ho*, 40, V (DS.) und ähnlich ist *mo*, 32, VII u. X (J. S. Ed., M., R. und G.) gebildet. In *mo*, 32, X, stehen die Barren gegenüber der Mitte des *ma* und deuten darauf hin, dass es, wie später, auch im älteren Maurya-Typus analog gebildete *mā* und *me* gab. In *no*, K. Ed. V, Z. 14, erscheint ein verschleiftes *o*, ähnlich wie in T. III, 33, XX und später. 9) Der Anusvāra steht meist ungefähr der Mitte des vorhergehenden Zeichens gegenüber, z. B. in *maṃ*, 32, VIII. Er erscheint jedoch in Verbindung mit *i* in DS., DM., M., R., J., Dh. regelrecht, wie später, über dem Consonanten, z. B. in *ṭim*, 18, VI und sonst sporadisch in derselben Stellung, sowie auch tief am Fusse der Mātṛkā, z. B. in *mam*, 32, II, vgl. oben § 4, B. 2 e.

c6.s3.22

E. Die Ligaturen. — In den gewöhnlichen Ligaturen der A. Ed. 42, II—VII, X—XII; 43, V—VIII, XI—XII; 44, III—VII, XI—XII; 45, IV—V, X, in denen von Bh. 45, XI und Gha. 42—43, XVI, werden die Consonanten in ihrer natürlichen Ordnung unter einander gesetzt und erleiden die Zeichen keine wesentlichen Veränderungen. Nur dient mitunter, z. B. bei *kyā*, 42, II, IV; *kye*, 42, III; *gyā*, 42, V; *gye*, 42, VI, wie auch jetzt, ein einziger Verticalstrich sowohl für den oberen als für den unteren Buchstaben, vgl. die Khar.-Ligaturen § 11, C. 3. 2) Mitunter finden sich jedoch, besonders in G., grössere Unregelmässigkeiten, indem a) das 2. Zeichen stark verstümmelt oder cursiv wird, wie in *vya*, 44, II, *mya*, 44, VIII, *sti* und *stu*, 45, VIII—IX, b) das 2. Zeichen (in G. und Si.) der Bequemlichkeit halber an die erste Stelle gerückt wird wie in *sṭā*, *sṭī*, 42, VIII—IX; *tpa*, *tpā*, 43, IX—X; *vyā*, 44, X (?), und c) in Verbindungen mit *ra* (in G. und Si.) das *ra* entweder in die Verticallinien des andern Consonanten eingezeichnet wird, wie in *kra*, 9, X; *tram*, 23, X; *dra*, 25, XII; *brā*, 30, X; *vra*, 36, X; *sru*, 39, X, oder (nur in G.) an der Spitze durch ein Häkchen cursiv angedeutet wird, wie in *pra* und *prā*, 28, IX—X. Zu beachten ist, dass die Stellung des *ra* unverändert bleibt, gleichviel ob es vor oder nach dem verbundenen Consonanten zu sprechen ist, dass also z. B. 36, X für *rva* und *vra* gilt. Die Einzeichnung des *ra* in den linken Verticalstrich von *ba* in *brā*, 30, X, wird auf die Zeit zurückgehen, in der das Alphabet linksläufig war. Im rechtsläufigen Alphabet müsste es natürlich, weil folgend, rechts stehen.

c6.s3.23

¹ Vgl. B.IS, III, 46 ff.

c6.s3.24

² E. MÜLLER, Anc. Inscr. fr. Ceylon, Pl. 1.

c6.s3.25

³ I. IA, II, 2—257 ff.

c6.s3.26

⁴ Von SALLET, Nachfolg. Alex. d. Gr., 31; P. GARDNER, Cat. IG. and Scyth. Coins Br. Mus., XXVI.

c6.s3.27

⁵ Abkürzungen: A. = Allahabad-Säulened.; A. Ko. = Allahabad-Edict an den Mahāmāta von Kosambī; A. Q. Ed. = Allahabad Queen's Edict; Bai. I = Bairat-Edict an den Saṃgha; Bai. II = Neues Edict von Bairāt; Bar. = Barābar-Höhleninschr.; Bh. = Bharahut-Stūpa-Inschr.; DM. = Delhi-Säulened. aus Mirat; DS. = Delhi-Säulened. aus Sivalik; Dh. = Dhauli-Felsened.; Dh. S. Ed. = Separatedicte von Dhauli; Gha. = Steininschr. von Ghasundi; J. = Jaugada-Felsened.; J. S. Ed. = Separatedicte von Jaugada; K. = Kālsi-Felsened.; M. = Mathia-Säulened.; M. G. = Mahābodhi-Gayā-Inschr.; Ni. = Niglīva-Säulened. (unpublicirt); R. = Radhia-Säulened.; Rā. = Rampūrva-Säulened.; Rū. = Neues Ed. von Rūpnāth; Sah. = Neues Ed. von Sahasrām; Sā. = Sānci-Säulened. und Vot.-Inschr.; Si. = Neue Ed. von Siddāpur; So. = Sohgaura-Kupferplatte.

c6.s3.28

⁶ Vgl. B.IS, III, 33 ff.

c6.s3.29

⁷ Die eingeklammerten arabischen Zahlen des Abschn. C. entsprechen denen der Taf. II. Vgl. zu § 16, C—E, auch B.IS, III, 56—78.

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