Pramāṇa · Search · About · API

Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s2.10

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s2.10

Language
German

c7.s2.10.1

B. Eigentümlichkeiten des epigraphischen Gupta-Typus. --- Betreffs besonders markanter Einzelheiten ist Folgendes hervorzuheben: 1) Die unteren Teile der rechten Verticalstriche von *A*—*Ā*, *ga*, *ḍa*, *ta*, *bha* und *śa* werden besonders in den älteren Steininschriften verlängert und *ka* und *ra* bleiben lang, so dass diese acht Zeichen ungefähr doppelt so lang sind als die ohne Verticalstriche. Auf den Kupferplatten sind jedoch Verkürzungen auf das normale Mass nicht selten. 2) Der rechte Teil von *gha*, *pa*, *pha*, *ṣa*, *sa* ist meist spitzwinklig und geht abwärts nach rechts, wodurch später die Entwicklung von Verticalstrichen unten rechts an diesen Zeichen veranlasst wird. 3) Bei *A* kommt gegen die Mitte des 5. Jahrh. (IX, XI) die Umdrehung des unteren Teiles der linken Seite vor (vgl. § 19 B, 1), die allen späteren Entwicklungen zu Grunde liegt; bei *Ā*, 2, VII—IX, wird das Längezeichen cursiv an den Fuss des Buchstabens gehängt. 4) Neben dem *I* der Kuṣaṇaperiode, 3, I, V, treten in Folge der Vorliebe für oben abgeplattete Formen die auch später beliebte Form von 3, VII und die mit dem Horizontalstrich oben, welche den südlichen *I* (T. VII—VIII u. § 28) und dem der Nāgarī (§ 24, A, 4) zu Grunde liegt. 5) *U*, *U* und *O* bekommen im 5. Jahrh. die links offene Curve, zu der schon im Kuṣana-Typus (§ 19, B, 4) der erste Ansatz vorkommt.

c7.s2.10.2

6) Das gutturale *ṅa* beginnt an Stelle des Anusvāra vor *ṣa* und *ha*, 11, VII, zu erscheinen, vielleicht in Folge der in den Śikṣā gerügten falschen Aussprache⁹. 7) Bei *ja*, 14, I—III, VII—VIII, wird der dritte Horizontalstrich nach links gebogen und endigt mitunter mit einer Curve, wodurch die Neubildungen in C. XXI—XXIII verursacht werden. 8) Das *ña*, 16, I—II; 42, I, VI—VII, XI, erhält vom 5. Jahrh. an häufig der Raumersparnis halber eine cursive Rundform (vgl. *jñaḥ*, T. III, 40, XIV). Daneben bleiben aber ältere eckige Formen, 42, V. 9) Das *ṭa* wird oft, 17, I—III, IX, oben abgeplattet. 10) Das *ṇa* zeigt in 21, I—II einen kleinen Ansatz unten rechts, veranlasst durch eine ungenaue Anfügung des rechten Hakens, und in 21, II ausserdem links eine cursive Schleife. In 21, III ist das Zeichen auf die Seite gelegt und einem Nāgarī *ṇa* nicht unähnlich. 11) Das *tha* wird meist elliptisch oder rechts abgeplattet und erhält statt des Punktes einen Querstrich, 23, I, V—IX, obschon die alte Form, 23, II—III, auch noch vorkommt¹⁰. 12) *Ya* ist meist dreiteilig, 32, I—IX, zeigt jedoch mitunter, besonders in *ye*, *yai* und *yo*, die Übergangsform mit der Schleife (vgl. 32, XIII, XVI; T. VII, 45, XIV), welche zu dem zweiteiligen *ya* führt¹¹. Das älteste Beispiel desselben kommt in FLEET'S Nr. 59 von 371 p. Chr. vor, während die Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 12) schon das suffigirte verschleifte *ya* kennen.

c7.s2.10.3

13) Das linke Glied von *sa* wird oft, wie in einigen Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 16), in eine Schleife verwandelt, während in den ältesten Nepal-Inschriften ein Dreieck (die Umrisse eines Keiles, wie in 38, XII), erscheint. Ebenso häufig kommt indess der alte Haken vor, seltener dagegen die später gewöhnliche Form, 46, VIII, in der der rechte Teil des Zeichens direct an den Haken angefügt ist. 14) Das seltene *ḷa*, 40, I—III, erscheint noch in FLEET'S Nr. 67, Z. 1. 15) Die mittleren Vokalzeichen stimmen vielfach mit denen des Kuṣaṇa-Typus. Doch ist der oben offene Halbkreis des *ā* in *ṭā*, 17, II, der auch in *ṇā* vorkommt, eine Neubildung. Ferner wird *i* z. B. in *khi*, 8, III, VI, IX stets weiter nach links hinübergezogen als früher, und in einigen Inschriften wie Mathurā, N. S., Nr. 38—39, besteht *ī* nur aus einer Curve nach rechts, obschon die Form mit zwei Hörnern, z. B. in *dī*, 24, I, oder eine Verschleifung derselben (*bhī*, 30, V) die gewöhnlichere ist. Das horizontale *u* nimmt fast durchweg die noch gebräuchliche Curvenform an und tritt in *ru*, 33, III, VI, an das Ende des Consonanten, während es in *gu*, 8, II, VI, *tu*, *bhu*, 30, I, und *śu*, 36, III, aufwärts gebogen wird. Für *ū* erscheint neben einer alten Form in *gū*, 8, IV, und jüngern Combinationen in *bhū*, 30, II, VI, und *ṭṭū*, 42, II, eine später sehr gebräuchliche Cursivform in *dhū*, 25, II, VI.

c7.s2.10.4

Die eine Mātrā von *ai* (*gai*, 32, III) und die von *o* (*go*, 9, III, *ṇo*, 21, III) wird mitunter senkrecht gestellt. 16) Bei den Ligaturen verursacht die Rücksicht auf Raumersparnis die erwähnte Cursivform von *ña*, die Seitwärtslegung des *tha* (*sthā*, 45, V, *stha*, 46, IX) und des *ṭa* (*ṣṭa*, 45, IX). Im 5. Jahrh. erscheint für *rya* ein volles *ra* mit suffigirten *ya*, 45, VII. 17) In das 5. Jahrh. fällt auch der erste sichere Virāma in *ddham*, 43, VII, in der Gestalt eines Horizontalstriches über dem finalen Consonanten, in das 4. der erste Gebrauch des nördlichen Jihvāmūlīya (*ẖka*, 46, II) und Upadhmānīya (*ḫpā*, 46, III).